Rund Chiemsee

Ulrich Habel

| 5 Minuten

Titelbild

Log geht es. Es war grausig früh für einen Samstag. Eigentlich ein wenig zu früh aber gerade in der späteren Jahreszeit sollte man früher losfahren um später anzukommen, dazu aber später mehr. Das Ziel war nicht wirklich definiert, irgendwas mit Chiemsee war der Plan und der genaue Ort sollte sich einfach während der Fahrt ergeben. Das kann doch nicht so schwer sein. Komoot war der Ausgangspunkt und durch Stöbern durch die vorhandenen Trails entstand die Idee in das Chiemgau zu fahren. Das Chiemgau ist mir an das Herz gewachsen, viele schöne Erinnerungen sind dort entstanden und so sollte es quasi auch eine Reise in die Zeit werden. So ein emotionaler Aufhänger ist ja auch immer eine gute Idee.

Also, los - so früh war es nun doch nicht. Der Plan ist einfach, ab zum Chiemsee auf einen Parkplatz fahren und dann mit dem Rad losfahren. Da ich nun Teile des Chiemsees nun durchaus kenne, hatte ich schon ein paar Parkplätze im Kopf. Den Rucksack hatte ich schon gepackt, nun musste ich nur noch das Trinkzeug einpacken, runter in die Garage, Auto vorfahren und dann war ich auch schon fast fertig.

Die Betonung lag auf fast. Ich fahre ein Cube Hybrid Reaction Race 625, ein 29 Zoll EMTB. Das alleine wäre nicht das Problem, jedoch fahre ich ebenfalls einen Fiat Punto und dort beginnt das Problem. Das Fahrrad muss dort also hineinpassen, irgendwie. Es war dort bereits schon einmal drin, also sollte es dort auch ein zweites Mal hineinpassen. Aber egal wie sehr ich mich jedesmal anstelle, es passt immer irgendwie hinein, jedoch jedesmal anders. Vielleicht sollte ich mir also einmal überlegen wie ich es das letzte Mal verstaut habe und dann so langsam vorwärts denken.

Irgendwann war das Rad im Auto und ich am Chiemsee. Ich hatte mit den Radweg rund um den Chiemsee vorher auf Komoot angesehen, es gibt tolle Fotos mit den “Mountainbike Highlights”, viele davon sehen auf den Bildern hübsch aus, in der Realität ist einfach nur der Ausschnitt des Fotos gut gewählt. Auch fällt auf, dass am Chiemsee Radfahrer und Fussgänger oftmals getrennt werden (gut!), die Radfahrer fahren dann ohne Seeblick, die Fussgänger gehen am See. Gut, im Bayerischen Flachland umeinander zu fahren, kann ich auch bei Erding genießen. Dennoch ist der Blick am Chiemsee toll, vielleicht nicht in jeder Sekunde aber mindestens alle 10 Minuten verspricht die Umgebung einen atemberaubenden Blick.

Ich entschloss mich den Chiemsee gegen den Uhrzeigersinn herum zu fahren, so hatte ich das Stück entlang der romantischen A8 gleich zu Beginn und die Ruhe später. Im Nachhinein stellte sich diese Entscheidung sicherlich als absolut richtig heraus. Nach dem ganzen nervigen Verkehr entlang der Autobahn entschädigte dann Chieming mit vielen schönen Blicken auf den Chiemsee mit dahinterliegenden Bergen. Dort war begann dann auch eine Reise in persönliche Erinnerungen: ein Cafe, ein Aussichtsturm - Blickwinkel und Perspektiven. Erstaunlicherweise war extrem viel los auf den verschiedenen Wegen am See. Ist denn kein Corona? Das konnte man dort nicht wirklich erkennen, üppig voll war es, keiner trug Masken, niemand hielt Abstand. Spooky! Ich fühlte mich da schon ein wenig wie ein Alien mit meiner Maske auf dem Rad und 3 Meter neben allen im Grünstreifen. Egal, es ist meine Gesundheit.

Die Bilder
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Auch muss ich immer wieder festellen, dass der Chiemsee nicht überall schön ist, schön ist er aber sicherlich oben in Seebruck. Ich ließ das Erinnerungseis, das beste am ganzen Chiemsee, rechts liegen und gönnte mir dafür einen leckeren (!) Riegel zum Auffüllen der Motivations- und Energiereserven. Es wurde ruhig und langweilig, sanft wellig und irgendwann war dann Gstadt erreicht. Erwerben von Post Karten, dann ein Kaffee im Seeblick. Letzter musste entfallen, es war schlicht und ergreifen zu voll für drinnen, zu kalt für draußen. Weltklasse, so blieb das Foto über und der Blick auf den Tacho mit noch rund 25 Restkilometern.

HAMMER! Der Nordwestliche Teil ist wundervoll - Herrenchiemsee, bislang immer nur mit dem Schiff besucht liegt ganz verträumt vor einem. Eine Fähre würde mich hinüberfahren - leider nicht mehr zurück. Ich mache meine erste wirklich große Pause auf einer Parkbank in der Abendsonne in einer kleinen Bucht. So kann man es aushalten! Es beginnt ebenfalls deutlich kühler zu werden und ich ziehe meine Jacke wieder an, mache das Rad langsam fertig für den zweiten Abschnitt. Das heißt in der erster Linie einmal das Montieren des Lichts und ein bisschen Umpacken im Rucksack auf dass ich die warmen Klamotten nicht suchen muss.

Es wird dunkel. Die Lezyne Power Pro 115 leuchtet auf kleinster Stufe, der Mond beleuchtet die Felder, es rollt dahin. Ich merke, dass ich nun gerne noch etwas trinken wollen würde, natürlich ist die eine Flasche leer und Geschäfte gibt es hier keiner mehr. Clever! Moment, da ist doch etwas! Was ist das denn da im funzligen Licht? Ah, ein Radfahrer kommt mir entgegen. Natürlich unbeleuchtet - großartig. Seit diesem Moment denke ich: wo einer ist, müssen doch noch …

Natürlich! In den Folgeminuten kommen mir immer mal wieder unbeleuchtete Radfahrer, Jogger, Fussgänger oder sonstwas entgegen. Irgendwo, in der totalen Pampa im Chiemgau, auf einem Feldweg. Seit diesem Moment brennt die Lezyne Power Pro 115 mit voller Leistung Löcher in den Lichthorizont. In diesem Moment entsteht insbesondere in den Kurven noch der Wunsch beim nächsten Mal eine starke Helmleuchte mitzunehmen. Deppen!

Egal, irgendwann sollte ich am Parkplatz ankommen und nach ein bisschen suchen habe ich dann auch mein Auto wiedergefunden. Das Spiel - wie passt mein mittlerweile verschlammtes Rad in den Fiat bekam damit noch ein weiteres Kapitel…

Fazit Gut, was gab es mitzunehmen? Es war ein toller Trip von rund 70km mit dem Rad. Die Unterstützung hatte ich meist auf Eco stehen, lediglich später erlaubte ich mir Tour auszuwählen, mir war kalt, ich war hungig - warum sollte man also die angebotete Hilfe nicht annehmen? Ein paar Sachen sind mir an meinem Rad doch noch aufgefallen. Ich brauche mal einen sinnvollen Sattel, das mit der Navigation ist nicht sinnvoll gelöst und ich soltle noch einen Schluck Wasser mehr mit einpacken. Die Erinnerungstour, den Ausflug als solchen - das war richtig gut.

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