Gewitteritt voller Emotionen (Liebeserklärung)

Ulrich Habel

| 4 Minuten

Titelbild

Nicht immer funktioniert im Leben alles wie man sich das so vorstellt. Das gilt für das Berufs- wie für das Privatleben. Insbesondere Dinge, die einem tief unter die Haut gehen, bilden oft eine Brücke zu tief emotionalen Erlebnissen auf dem Zweirad. Gestern abend durfte ich solch besondere Momente geniessen. Um es abzukürzen - mir war es wichtig von A nach B zu kommen, wobei B meine Wohnung war und der Weg dorthin führte über 30 Kilometer Autobahn, besonders schnell musste es nicht sein. Der Himmel wurde immer dunkler, er war schon fast vollkommen schwarz. Der Wind wurde kräftiger und ein schweres Unwetter kündigte sich an. Dennoch - ich wollte fahren.

Also - auf nach B und ab auf das Motorrad. Den Tankrucksack hatte ich schon unter der wasserdichten Haube versteckt, die Jacke wurde bis obenhin geschlossen, ein Tuch dichtete den Kragen zusätzlich ab. An hatte ich meine Rukka Jacke Athos, Rukka Hose Mika, Daytona Burdit Stiefel und die geliebten Handschuhe Touring Five von Held (mal so aufgezählt).

Der Himmel wurde immer dunkler, noch mal, ein paar Tropfen fielen und dann begann auch schon ein Blitzinferno. Pro Minute schossen mehrere Blitze aus den Wolken und erleuchteten die Szene gespenstisch. Mal leuchtete es über den Wolken, mal zuckten die Blitze in der Ferne auf den Boden. Wunderschön konnte man dort den Wolkenrand erkennen, wo die Wolken der Gewitterfronten aneinanderstiessen. Es sah ein wenig nach Weltuntergang aus, dennoch war es faszinierend. Die Luft war scheinbar in verschiedenen Säulen aufgeteilt. Es gab warme Säulen und kalte Säulen, die ich mit 130km/h durchfuhr - dann immer wieder die faszinierenden Blitze und eine unheimliche Stille.

Es war wie ein Gleiten, fast schon Surfen durch ein Inferno aus - Nichts. Tausende von Blitzen aber kein Donner; mittlerweile war es auch wieder windstill. Die VFR zog sanft mit 130 km/h über die Autobahn und der V4 brummte zufrieden. Die Gewitterblitze waren zwar gleissend hell und erleuchteten immer wieder die Unwetterfronten, waren jedoch noch weit weg.

Die Säulen mit der kalten Luft kamen häufiger, wapp wapp wapp man konnte förmlich den Unterschied im Klang hören, der beim Hineinfahren entstand - dann schoss das Wasser aus allen Himmelstoren. Kalt, mit Hagel, sintflutartig und unglaublich viel. Alles schwamm sofort, das Wasser stand sofort zentimeterhoch auf der Autobahn. Zu diesem Zeitpunkt fuhr ich dank der “Ruhezone” bei Germering rund 80 km/h schnell. Die Reifen teilten das Wasser mühelos und ich konnte Emotionalität pur geniessen. Sturzbäche flossen über die Autobahn, es bildete sich eine Schicht aus fliegendem Wasser - dort wo die Tropfen von der Wasseroberfläche wieder zurückgeworfen wurden. Sie müssen unglaublich groß gewesen sein, denn die Sicht war kaum beeinträchtigt - dennoch war sofort diese Schicht Wasser da. Die Handschuhe (Leder) waren sofort durch - und ich konnte staunen und fühlen. Ich weiß nicht was nasser war, ich von aussen oder der Helm von innen von den vielen Tränen, die dieses Erlebniss auslöste.

Es war genau einer dieser Momente wo ich mir dachte: Oh, weil geil, dass du Motorrad fährst. Wenn mich zukünftig jemand fragt warum ich das tue, werde ich auf diesen Artikel verweisen und sagen: deshalb.

Nach rund 20 weiteren Minuten kam ich zu Hause an. Viel später natürlich, an schnelles Vorankommen war nicht mehr zu denken gewesen. Ich stellte die Dame (Motorrad) in die Tiefgarage und ging tropfend nach oben. Das Strecken der Hand mit dem Schlüssel zum Schloss löste Sturzbäche aus, die vor meiner Tür eine neue Heimat fanden. Mit einem schnellen Schritt stand ich im Badezimmer und zog die Klamotten aus. Handschuhe: vollkommen durch, Helm - innen naß, da ich die Belüftungen nicht zugemacht hatte. Jacke: vollkommen nass von aussen, innen: trocken. Vollkommen trocken. Bei der Hose das gleiche, ebenso bei den Schuhen. Dabei hatte ich noch gespürt wie das Spritzwasser auf die Schuhe geworfen wurde. Das war für mich einer der Momente wo ich fand, dass eine qualitative Textilkombi aus zwei Teilen durchaus auch Vorteile gegenüber einer Lederkombi haben kann.

Trocken und warm - auch nicht schlecht. Sollten diese Vorteile aber die Abriebfestigkeit von Leder aufwiegen? Ich bin mir nicht sicher. Fest steht aber auch - das war defintiv die beste Kleidung für diesen Moment.

Liebes Rukka Team,

vielen Dank für diese perfekte, wasserdichte Kombination. Gerne würde ich bei euch die Kombination von Leder und Goretex Textil kaufen, wenn das nicht sofort das Auflösen meines Bausparvertrags erfordern würde. Der Rukka Anzug Merlin ist derzeit definitiv ausserhalb meiner Preisliga. 1299€ würde mir für Hose und Jacke noch eingehen - aber nur für die Jacke? Zumal der Rückenprotektor der Merlin Jacke gerade mal dem Level 1 entsprechen soll.

Vielleicht kann Rukka als Premiummarke ein bisschen über die Preisgestaltung nachdenken - dann hätten sie ganz sicher einen Kunden dafür mehr. So bleibt es erstmal bei der Textilkombi - wo die Jacke vielleicht mal über einer Lederkombi gefahren wird. Wäre schön beides zu haben.