Anbringen einer Lötbrücke

Entfernen des Vorverstärkers im Audio Technica LP 120 USB

Ich bin stolzer Besitzer eines AT LP120 USB – ein wirklich brauchbarer Plattenspieler für den Hausgebrauch. Nichts für den DJ Betrieb auch wenn manche darauf schwören. Nein, dazu fehlt ihm einfach der Torque. Zumindest mein Modell ist da nicht besonders toll aufgestellt und bleibt beim Backcueing einfach stehen. Das ist nicht sonderlich toll.

Zum Musikhören – und zum Samplen von Tracks ist das Ding aber einfach unschlagbar gut. Der verbaute Standard Tonarm tut seinen Job ausreichend gut, es gab da mal ein Anti-Skating Problem, das wurde jedoch irgendwann anscheinend mal behoben.

Egal, es geht ja hier nicht um das Anti-Skating oder wie gut oder schlecht dieser Plattenspieler ist, es geht um das Entfernen des eingebauten Vorverstärkers in dieses Gerät. Prinzipiell ist an dem Vorverstärker auch gar nichts auszusetzen. Unklar ist mir ein wenig wie gut oder wie schlecht er tatsächlich ist. Ich vermute einfach einmal, dass der Vorverstärker irgendwo auf der Höhe der 20-30 Euro Geräteklasse liegt, damit wäre er nicht schlecht.

Leider haben die Audio Technica Ingenieure in den Plattenspiele eine Menge Technik reingepackt, die sich vermutlich gegenseitig stört.

Ein Vorverstärker wie im LP120 soll ein Phono Signal, welches sehr sehr leise ist, auf einen Line Level, geeignet für AUX Eingänge bringen. Das Line Signal ist von der Stärke her genormt, das Phono Signal hingegen ist es nicht. Ein Vorstärker, der in dem Gerät eingebaut ist, erlaubt es also den Plattenspieler direkt an aktive Boxen anzuschließen. Prima! Und sehr sinnvoll. Dazu brauche ich keine teuere Stereo Anlage sondern kann mit einen Satz aktive Bluetooth Boxen mit Line-In Eingang kaufen. Normalerweise kann man dann Musik vom Smartphone auf die Boxen streamen oder aber den Plattenspieler betreiben.

Für die Phono Fraktion, die über entsprechende Anlagen verfügt, kann der LP120 über einen kleinen Schalter umgestellt werden. Dann spricht der LP120 in der “Phono Sprache” und ist damit prima an eine entsprechende Anlage anzuschließen –  oder halt an einen hochwertigeren externen Phono Vorverstärker.

Zugleich verfügt der Plattenspieler noch über einen USB Ausgang. Damit kann man prima eine Vinyl Scheibe digitalisieren. Der USB Anschluss ist also ein eingebauter Analog zu Digital Wandler – er zeigt sich an meinem Mac als Audio Device, mit bis zu 48kHz bei 16 Bit. Gar nicht so schlecht also.

Das Problem und die Vermutung

Wo genau liegt eigentlich das Problem des Vorverstärkers? Ganz einfach, in der Kombination aus den oben genannten Möglichkeiten. USB Schaltkreise und Phono Vorverstärker wurden auf der gleichen Platine untergebracht. In verschiedenen Kombinationen erzeugt der USB Schaltkreis hochfrequente Störsignal, die anschließend das Audio Ausgangssignal (egal ob verstärkt oder nicht) stören. Dabei ist es vollkommen egal ob der USB Schaltkreis benutzt wird (mögliche Störungen vom Schaltkreis) oder nicht (keine Störung vom USB Schaltkreis), es wird immer ein sogenannte Lowpass Filter verwandt. Ein Lowpass Filter lässt tiefe Frequenzen durch und filtert hohe Frequenzen heraus. Die Höhe der gefilterten Frequenzen ist abhängig von verschiedenen Faktoren, nämlich den verwandten Induktoren und Kondensatoren.

Jetzt schrieb ich oben, dass man den Verstärker ein- und ausschalten kann, dennoch befindet sich der Filter immer im Signalgang – egal ob mit oder ohne Verstärkung. Ein “Ausbau” des Filters hätte verschiedene Auswirkungen: Der Plattenspieler wird höhere Frequenzen erlauben (umgangssprachlich: nicht mehr so dumpf klingen). Allerdings besteht das Risiko eines schlechteren Audiosignal wenn eben der USB Anschluss verwandt wird und gleichzeitig das Audiosignal, verstärkt oder umverstärkt ausgegeben wird. Die genaue Analyse was da passiert, findet in dem sehr guten Blog von Vinylrestart statt.

Die typische Internetforen Lösung – Ausbauen von allem, USB und zuschaltbaren Verstärker sind nichts für Puristen!

Die Webseite von vinylrestart kennt da eine bessere Lösung (Lösung 1).

Disclaimer: Nachbauen – bitte, wer immer mag. Dadurch verliert ihr definitiv jegliche Garantie und Gewährleistung. Ihr sollten wissen was ihr tut und wissen was man mit einem Lötkolben veranstaltet.

Heute morgen habe ich mich dann ans Basteln gemacht – Lötkolben raus und mal eben den Plattenspieler umgebaut. Die ganze Operation dauerte mit Kaffeemachen und Trinken, nachlesen und vielen Kontrollfotos sowie Trocknen des Sekundenklebers genau 1 Stunde. Es wurde kein Gaffa Tape verwandt, keine Kabelbinder wurden gequält und auch WD40 wurde nicht verwandt. Bilder sprechen auch eine Sprache.

Aber wie ist denn der Klang nun? Ich habe einmal schnell nach dem Zusammenbau hineingehört – der Plattenspieler hatte wunderbare Höhen – hatte er die schon immer? Fakt ist auch, mit meinem Umbau kann ich noch alle Fähigkeiten des Spielers nutzen – inklusive USB Wandler. Wenn ich den verwende und gleichzeitig den Ton über den Audioausgang ausgebe – dann kann es Verzerrungen geben. Die jedoch nur im Audiosignal, nicht jedoch auf der USB Signalwandlung.

Also – wer einen Audio Technica LP 120 hat, mal drüber nachdenken!

So, nächste Upgrades: Der Tonabnehmer und die Nadel (unklar was es werden soll). Eine Korkauflage. Im Rahmen der Bastelstube kommt nun das Thema Tonarmwaage und Abnehmer Ausrichtung dran.

Anbei noch ein paar Gedanken warum der LP120 wirklich so gut ist, finden sich im discogs blog (Englisch).

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