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1000 Kilometer Abenteuer – BMW F 800 GS Adventure

Die Testperiode ist mittlerweile vorbei und das Testmotorrad steht wieder bei BMW. In den paar Tagen bin ich rund 1000 Kilometer mit ihr gefahren, die Masse davon sicherlich im Regen und bei schlechtesten Bedingungen. In dieser Zeit konnte sie sich als Alltagsmotorrad, als Tourer oder als Sozia taugliches Gefährt beweisen. Die Abenteuer waren eher im Kleinen zu suchen, die große Weltreisetour fehlte, lange Enduro Etappen oder endlose Schotterwüsten ebenso. Das dürfte ungefähr dem Großteil der künftigen Fahrer in Deutschland entsprechen, die in der Zielgruppe liegen.

Irgendwoher kommt mir auch das Konzept bekannt vor: reisetauglich mit Enduro Genen, Zweizylinder und mit viel Zuladung. Ist die BMW eine neue Interpretation der Honda Africa Twin (XRV 750) nur mit ABS und allem drum und dran? Dieses Konzept ging damals sehr gut auf, schaut man auf den Gebrauchtbörsen im Internet sind Laufleistungen von mehr als 100.000 Kilometern keine besondere Ausnahme. 220 Kilogramm bei knapp 60 PS waren die damaligen Eckdaten der Honda – nicht berauschend aber dennoch findet man die Africa Twin überall, auch in den einsamsten Gebieten. Ist damit die BMW ein würdiger Nachfolger des Konzepts?

Der Slogan von BMW – „weltreisetauglich ab Werk“ stimmt sicherlich und eine solche Verwendung traue ich dem Motorrad sofort zu aber drängt sich für viele nicht eventuell der Wunsch als die Tat in den Vordergrund? Auf dieses Motorrad setzt man sich drauf, die Reise beginnt – über Serpentinen, Schotterwege, Feld- und Waldwege, ein bisschen Schlamm und Dreck – abends ankommen und den Kaffee direkt auf dem Lagerfeuer zubereiten. Macht man nach diesen Momenten der Phantasie die Augen auf, stellt man fest, dass man noch immer in der Tiefgarage steht und der Seitenständer ausgeklappt ist.

Schlüssel drehen, die Kontrolllampen blinken und fordern den Druck auf den Starttaster. Kräftig dreht der Anlasser durch und der BMW Zweizylinder erwacht mit sonorem Brummen zum Leben. Beeindruckend ist der ruhige Lauf des Aggregats, nichts schüttelt oder spotzt, vollkommen ausgeglichen und ruhig. Ehrlich bemerkt, irgendetwas in dieser Art hatte ich geahnt. Von BMW, egal ob Auto oder Motorrad, werden perfekte Motoren erwartet, ich fühlte mich an ein damaliges Auto von BMW erinnert.

Seitenständer rein, Gang einlegen und raus aus der Tiefgarage, die ersten Meter sind noch ein bisschen steif aber schon auf den ersten Metern fällt die Wendigkeit der BMW auf. Sie lenkt gerne ein, ist wunderbar handlich sobald sie rollt und hängt willig am Gas. Schalten ist zwar ein notwendiges Übel, so genau nimmt es der Motor aber nicht damit. Unter 2500 Touren ist sie ein bisschen unwillig, Höchstdrehzahlen mag sie auch nicht, dazwischen ist Druck in allen Lebenslagen vorhanden. Die 85 PS reichen in allen Lebenslagen mehr als aus sofern man keine Geschwindigkeitsrekorde aufstellen möchte.

Tour Würmtal – Starnberger See – Ammersee – Landsberg – Raisting

Auf geht es durch das Münchener Hinterland Richtung Seen und Hügel. Durch Gauting hindurch geht es in das Würmtal. Eine landschaftlich abwechslungsreiche Strecke entlang der Würm durch Felder, Wälder und über eine tolle Landstraße für Zweiräder. Ich habe kaum Verkehr vor mir und die F800 zieht durch die Kurven, dass es eine Freude ist. ich hatte das übliche Beiwerk eingeladen, welches ich üblicherweise für eine 1-wöchige Tour mitnehme. Aufgrund der ähnlichen Koffergrößen zur VFR konnte ich mir das Umpacken ersparen.

Es geht durch unzählige Kurven durch das 5 Seen Land, vorbei an Starnberg, Münsing, Seeshaupt bevor es mich auf der anderen Seite wieder nach Norden zieht. In einer weiten Schleife geht es über Dachau, Augsburg, Landsberg wieder Richtung Ammersee. Den krönenden Abschluss finde ich dann in Raisting an der Erdfunkstelle. Die BMW F 800 GS Adventure reiht sich in die Reihe der Hightech Gebäude prima ein und posiert für das eine oder andere Foto. Im Hintergrund werden die Berge sichtbar, die Sonne geht unter und ich habe definitiv genug Ausflug für heute. Die restliche Brotzeit genieße ich auf einer Bank und schaue der BMW und den Bergen zu. Es wird dunkel und die Nacht meldet sich langsam an.

Es ist das erste Mal, dass ich die Instrumente der BMW in der Dunkelheit sehe und mich nach ihnen richte. Kurzform: Alles was leuchten soll, leuchtet in der Helligkeit, die es haben sollte. Ein kurzer Druck auf den passenden Schalter und die LED Leuchten sind an und die Straße wird großflächig ausgeleuchtet, insbesondere das Erhellen zu den Seiten hin ist sehr hilfreich und erlaubt bei Waldwegen einen sicheren Weg durch die Dunkelheit zu finden. In Kombination mit dem sehr hellen Frontscheinwerfer wird so alles sinnvoll erleuchtet, kurzum – es ist kein Vergleich zu meiner Honda Dominator und dem Teelicht, welches man vorne hinter Glas stellt.

Zwischenfazit der Tour: Alles so wie es sein sollte, alles so wie ich es von BMW erwartet hätte. Die Koffer erlauben auch eine schnelle Autobahnpassage ohne das es pendelt, wackelt oder sonst wie auffällig wird. Das Navigationsystem hat wirklich hervorragend funktioniert, auch in den Städten wo ich kleinere Straßen suchte. Das Navigationsgerät scheint auf einem sehr aktuellen Stand zu sein und macht das Fragen nach dem Weg überflüssig. Das Einzige was eindeutig zu monieren ist, ist der Lagesensor des Navis welcher sehr feinfühlig agiert. In kleineren Kurven oder bei Beschleunigungsphasen neigt es dazu sich auf den Kopf zustellen. Das ist sicherlich wenig hilfreich für die Sicherheit, letztlich nervt es aber deutlich. Dies ist definitiv ein Kritikpunkt an dem BMW arbeiten sollte.

 

Mit der Sozia durch das 5 Seen Land

Nachdem die Sozia dieses Jahr sich erst einmal hinten auf die Honda Dominator zwängen konnte, freuten wir uns auf unseren kinderfreien Nachmittag und die BMW. Bei bestem Wetter ging es los – die Richtung war: 5 Seen Land. Irgendwie zieht es uns dort immer wieder hin und wir finden jedesmal neue Wege, neue Orte und neue Stellen wo es schön ist. Es bleibt nicht soviel zu diesem Abschnitt zu schreiben außer: Das Verhalten der BMW im Sozia Betrieb ist perfekt in allen Belangen. Es wackelt nichts, es pendelt nichts, alles ist spurstabil und fühlt sich sicher an. Einziges Manko: Das Aufsteigen für eine kleine Person hinten auf den Soziaplatz gestaltet sich oftmals als sehr interessant. Nach ein paar Malen haben wir den Dreh raus und Frust weicht der Entspannung. Stundenlang fahren wir über kleinste Straßen solange durch die Gegend bis uns schwindelig wird. In der Kombination von 1.92m Größe (ich) und Kurz-über-Erdnuckel (wer anders) passt das prima zusammen. Die Sozia kann über meine Schulter schauen und kann so aktiv mitgenießen und pünktlich das Gewicht verlagern. Das macht einen Riesenspaß und nach rund 2 Stunden ohne jegliche Pause fahren wir zu einem kleinen Bäcker und laden die Koffer mit leckerem Kuchen voll. Das ist definitiv auch ein Grund eine Adventure mit Koffern zu kaufen.

 

Tour ab in die Berge (Kochel)

War die BMW eigentlich einmal in den Bergen? Klar, war sie das. Zumindest bis zu den Bergen heran. In einem leichten Übermut, es hatte noch nicht geregnet an diesem Tag, machte ich mich nach Feierabend über kleinste Straßen auf den Weg nach Kochel am See. Mit jedem Meter, den es in Richtung Kochel ging, wurde das Himmel schwärzer und die Temperatur sank um einige Grad. Nach rund 1.5 Stunden Fahrt kam ich dann in Kochel an, bei Wolkenbruch, Blitz – so komisch kristallartigem Zeug auf dem Windschild. Na prima, das Portemonnaie lag irgendwo jedoch nicht in der Jackentasche, kneifen in Form von Einkehren galt also nicht: weiter! Ich habe mich dann noch einige Schleifen ganz tapfer durch das Voralpenland gekämpft, irgendwann war dann jedoch Schluss. Ende der Motivation, Ende der Wärmereserven, frustriert und damit auch sicherlich nicht mehr in bester Motorradverfassung. Die Umleitung einer überspülten Staatsstraße führte über eine Autobahn, Blinker passend gesetzt und ab auf die Bahn Richtung München.

Neben vielen persönlichen Erkenntnissen: Was ist geblieben von diesem Trip? Das kleine Notizbüchlein über die Testtage gibt folgendes wieder: Beleuchtung immer noch toll, LED Scheinwerfer durchaus hilfreich, Handling auf kleinsten, hügeligen Strassen sehr gut, Frontscheibe bietet realen Wetterschutz, Griffheizung funktioniert tadellos (nur 2 Stufen).

 

Gejammere auf hohem Niveau

Technisch hat mich die BMW in nichts überrascht und das meine ich positivsten Sinne. Um so nerviger sind die kleinen Dinge, die irgendwie nicht so recht in das Bild passen wollen. Der Drehwurm des Navis oder die falsch herum montierten Zugentlastungen der Koffer innen. Sicherlich sind das einzelne Problemchen, die bei den Serienfahrzeugen nicht mehr auftauchen werden. Ich hätte mir einen stabileren Blinkerschalter gewünscht, irgendwie hatte ich immer Angst beim Absteigen mit der Hose hängen zu bleiben und ihn schlicht abzureissen – es ist nie passiert.

Ein wenig unverständlich ist mir jedoch die Preispolitik beziehungsweise das Sonderzubehör. Zu der Adventure lassen sich folgende Pakete dazu buchen: Enduro Paket und Komfort Paket. Das Komfort Paket beinhaltet folgende Dinge: Bordcomputer (nett), Heizgriffe (aktuell sinnvoll), Hauptständer (muss). Das Enduro Pakete besteht aus folgenden Bestandteilen: ASC und Enduro Modus. Weiteres Zubehör gibt es auch: Alukoffer (toll!), Topcase Halterung (hm) und Navigationssystem (gut). Neben den aufgezählten „Highlights“ gibt es noch eine große Palette – einfach mal der BMW Seite nachsehen.

Wenn ich also eine BMW F 800 GS Adventure kaufen soll, stehe ich vor der Qual der Wahl. Sicherlich würde ich das Komfortpaket inklusive der Koffer nehmen. Beim Navigationsystem müsste ich das Finanzierungsangebot der hauseigenen Finanzministerin checken, den Enduro Mode würde ich nicht einpacken.

 

GS einfach oder Adventure?

Diese Frage muss jeder für sich selbst ausmachen. In einem direkten Vergleich punktet für mich die Adventure in folgenden Dingen: Windschutz durch Windschild und Seitenbacken, 24 Liter Tank, der damit um 8 Liter größer als bei der GS ist, serienmässiges ABS, verstärker Heckrahmen – für den Betrieb als Tourer. Ich würde mich im Falle der Entscheidung für das Adventure Modell entscheiden.

 

Mein Eindruck von der BMW F 800 GS Adventure

BMW hat mit der F 800 GS Adventure die Produktpalette sinnvoll erweitert und in dem mittleren Segment des Marktes eine Alternative geschaffen. Es ist dabei vollkommen egal ob das Motorrad auf ausgedehnten Touren durch Schweden oder durch das Voralpenland bewegt wird Das Abenteuer ist schließlich nicht das erfolgreiche Absolvieren eines Reisevorhabens sondern die Summe der einzelnen Erlebnisse auf dem Weg. Dieses Empfinden ist subjektiv und lässt sich nicht durch Hochglanzprospekte und Testberichte schaffen. Ich habe die Zeit mit der BMW sehr genossen, sowohl auf den kleineren Touren als auch im Alltag wo die Koffer schlicht praktisch waren. Durch entsprechendes Styling sprach mich auch keiner auf die Koffer an – so etwas gehört eben an eine Adventure. Fertig aus. Diese BMW kann Emotionen wecken, sie vermitteln und ist ein toller Begleiter für das Abenteuer egal ob in der Garage gefühlt oder unmittelbar erlebt. Ob sie die Nachfolge einer Honda Africa Twin antreten kann wage ich zu bezweifeln, ohne Laptop wird hier nichts mehr zu reparieren sein, in ein paar Jahren werden wir mehr wissen.

Dennoch – irgendwann während des Testzeitraums setzte ich mich auf meine Honda VFR 800, etwas ganz anderes – für mich fühlt es sich lebendiger an.

Anmerkung: Die Bilder des Artikels gibt es auch auf flickr in einer eigenen Gruppe zum Betrachten. Ich würde mich freuen wenn weitere Mitglieder den Weg in die Gruppe finden und so den Bilderpool vergrössern. Auf Anfrage können die Bilder gerne anderweitig verwendet werden.

Die Sache mit dem Gepäck

Motorradfahren und Gepäck sind zwei Dinge, die nicht unbedingt zusammenpassen. Meine VFR kann ich dank Givi Komplettsystem rund herum verkoffern und habe anschließend mehr Zulademöglichkeiten als ein Kleinwagen. Soweit so gut – schaut nicht schön aus, fährt sich auch nicht immer toll – dennoch: Zum Anfahren zum eigentlichen Urlaubsort gibt es nichts besseres. Koffer abnehmen und die Gegend geniessen. Bei kleineren Touren nimmt man einfach weniger mit. Mein Urlaub im Bayerischen Wald funktionierte auf diese Art und Weise ganz wundervoll: einfach weniger mitnehmen. Das löst auch die lästige Frage was man denn heute anziehen soll, es ist schlicht nichts dabei ausser eine Menge x an Unterhosen und T-Shirts. Ganz einfach.

An dieser Stelle folgt die klare Bekenntnis zur „Traum Sozia“ – einfach nen Slip und die Kreditkarte hinten in die Hosentasche und los geht es.

Wie aber kommt man nun im Alltag klar? Die Anforderungen sind klar definiert: Es soll damit zur Arbeit gehen, mit Laptop (der idealerweise trocken bleiben soll), der Helm soll trocken verwahrt werden können und Badesachen sollen irgendwie auch noch mit. Das sind also nicht die großen Tourträume sondern eher das normale Leben, welches es gilt abzubilden. Die NC 700 von Honda hat dafür das Top Case an die Stelle des Tanks eingebaut. Pfiffig!

Was aber mache ich nun mit meiner Honda Dominator? Top Cases schauen hässlich aus sind aber unglaublich praktisch. Zudem sieht man sie nicht, das sie hinter einem montiert sind. Also gut – eine Preisermittlung kann ja nicht schaden.

Alle Preise wurden bei Polo Motorrad ermittelt, anbei die verschiedenen Optionen:

  • Hepco und Becker Gepäckbrücke (92,95€) und HB Journey Topcase mit 37 Liter Stauraum (119,95€) – *autsch*
  • Shad Topcase Grundplatte (25,99€) und Topcase SH 46 (99,95€) mit 45 Liter Stauraum
  • Shad Topcase Grundplatte (25,99€) und Topcase SH 29 mit 29 Liter Stauraum (59,95€)

Alle Lösungen haben ausreichend Platz für einen Helm, beim großen Shad Case sind es sogar zwei. Für den relativ hohen Preis bekommt man das komplette Material um die Domi zu verschandeln und alles prima am ungünstigsten Punkt zu befestigen.

Doch Rucksack?

Die Fragen werden nicht weniger und irgendwie widerstrebt es mir die Domi mit sowas zu belästigen. Andererseits wird das Motorrad deutlich vielseitiger. Nun ja, da hilft wohl nur: Noch mal nachdenken.

Nebenbei: Warum gibt es keine Heckcases, die sich sinnvoll als Rucksack tragen lassen?

Ich bin der Chef! Pesto (nicht) nur für Treffen

Situation bekannt? Irgendwer trifft sich irgendwo zum Grillen, man soll auch kommen und soll etwas mitbringen. Solche langweiligen Dinge wie Fleisch und Würstchen hat jeder mit und keiner wird sich daran erinnern, dass der Typ mit der roten Honda VFR, der Name ist mir entfallen, Würstchen von der Tankstelle mitgebracht hat.

Nein, zumindest ich bin schon eine Spur älter, die Jungen werden schon ausreichend Würstchen von der Tankstelle mitbringen. Den Grill kann ich leider auch nicht mitbringen, da ich eine VFR fahre. Sorry, das schaut einfach doof aus – das müsst ihr doch bitte verstehen. Es ist ein Sporttourer und keine Goldwing.

Gut – irgendwas muss man aber nun doch mitbringen. Ultimativer Tip: Macht ein Pesto der besonderen Art. Jeder wird sich an euch erinnern, jeder wird euch danach einladen und schmecken tut es auch noch. Nebenbei werden die Mädels auf dem Treffen euch entweder blanko einladen oder sie werden euch in ein Gespräch über das Pesto verwickeln. Essen kann man das Pesto zu allem: Baguette oder Weißbrot, gegrilltem Fleisch, einfach nur so oder zu Nudeln.

Gebraucht werden folgende Dinge:

  • ein Mörser (die Dinger kosten ab 5 Euro aufwärts und halten ewig)
  • 20 g. Pinienkerne
  • 1-2 große Pflanzen Basilikum
  • 1-2 Teelöffel grobkörniges Salz
  • 2 Knoblauch Zehen
  • eine kleine Ecke Parmesan (40g.)
  • eine kleine Ecke Peccorino (10-20g)
  • 100 – 200ml Olivenöl
  • eventuell Sherry

Das Zeug lebt sehr von der Qualität der Zutaten! Der Basilikum schmeckt am besten von der lebenden Pflanze (nicht vom Bund), das Olivenöl sollte schon hochwertiger sein. Insbesondere vom Olivenöl lebt das Pesto, also sich an Andi (Werner) halten: Mit dem Öl nicht sparsam sein.

Los geht es! Die Pinienkerne werden in der Pfanne angeröstet. Aufpassen dass die Röstaromen nicht überhand nehmen und alles schwarz wird. Danach werden die zwei Knoblauchzehen von ihrer äusseren Schale befreit, in kleinere Stück geschnitten und mit den Pinienkernen und dem Salz in den Mörser geworfen. Während die dort faul rumliegen kann man schon den Basilikum waschen und die einzelnen Blätter mit Küchenpapier abtrocken. Wer zu faul zum Abtrocknen der einzelnen Blätter ist, kann jetzt einen Sherry trinken und lässt die Dinger einfach eine Stunde an der Luft trocknen.

Nun werden die Pinienkerne und der Knoblauch zerstossen. Da kommt ein brauner ganz feiner Brei heraus. Es sollten wirklich keine Stücke mehr zu erkennen sein, das sieht dann aus wie Auspuffdichtmasse. Anschliessend werden die Basilikumblätter in keine Stücke zerrupft und mit in den Mörser gegeben. Mit der Hand wird nun mit dem Stößel das Zeug zu einer Masse zerdrückt. Die Betonung heisst zerdrückt und gemahlen. Nicht zerstampfen! Wir machen hier keinen Wein, wir wollen Pesto machen. Teures Pesto erkennt man an dem Zustand und der Feinheit der Bestandteile. Kurzum, wir hören nicht eher auf zu zerdrehen, zerstampfen und mahlen bis man nicht mehr erkennen kann was da drin war. Das kann schon mal eine gute halbe Stunde dauern. Strengt euch an! Das beste und teuerste Gewürz des Pesto ist der Schweiss des Herstellers. Auf geht’s!

Wenn das Zeug zu einer homogenen Masse geworden ist, kommt der Käse in kleinen Würfeln hinzu und weiter geht es. Man kann jetzt auch durchaus wieder ein Glas Sherry trinken.  Voila, nachdem auch der Käse mit eingearbeitet wurde, wird das ganz mit Olivenöl aufgefüllt. Meine Bemessungsgrundlage ergibt sich wie folgt: die Masse ist leicht cremig und fällt von alleine locker von einem Löffel ab. Ab in ein kleines Glas damit und idealerweise einen Tag stehen lassen. Fertig!

Nun haben wir es – das Meisterpesto! Noch besser wird das Pesto wenn ihr einen kleinen Aufkleber draufpappt. „VFR Pesto“ heisst meins.
Die Frage ist dann immer: „Wer fährt denn die VFR?“
Antwort dazu ist: „Uli, der lange Kerl dort hinten. Warum?“
„Wegen des Pesto.“
„Ah!“

Nachsatz: Je grobkörniger das Salz ist, desto einfacher zermatscht alles. Wenn euch jemand kopieren sollten – werft beim nächsten Mal ein bisschen Ruccola (ohne Stiele!) dazu. Das ändert den Geschmack deutlich, es wird pikanter. Das ganze Pesto wird durch den Käse salzig, das Olivenöl gleicht das ein bisschen aus.

Subjektives über die Digitalfotografie – meine G9

Ich konnte mit der Digitalfotografie nie richtig warm werden. Weder die vereinfachte Massenproduktion noch das entspannte Sortieren und Verschieben in digitalen Fotoalben konnten mich davon überzeugen, dass die digitale Fototechnik die Zukunft ist. An meinem Grundsatz niemals eine digitale Spiegelreflexkamera zu kaufen halte ich nach wie vor eisern fest.
Die Entscheidung mit der Holga sowie der Rolleicord wieder und wieder Film zu belichten war definitiv richtig und wichtig. Nichts ist befriedigender als einen vollkommen unbekannten, belichteten Film aus dem Wasser der Entwicklerdose zu ziehen, das Wasser abzustreifen und den zarten oder auch kräftigen Negative beim Trocken zu zu sehen.
Der Lohn ist ein nachfolgender Kontaktabzug, das Identifizieren von vergrößerungswerten Negativen und der folgenden Krönung – dem Abzug in „Groß“ und das Hängen in der Wohnung. Wundervoll und unbeschreiblich.

Irgendwie hatte ich seit der Geburt meines Sohnes jedoch auch immer eine Digitalkamera an meiner Seite. Die erste Kamera war eine Sony DSC-P1, es folgte eine billige Kamera von Sony, dann irgendwann erfolgte der Kauf einer Canon Powershot G9 (Schuld war dieser Artikel). Unterbrochen von vielen, vielen analogen Bildern entdecke ich meine heilige G9 wieder. Ein unglaubliches Stück Fototechnik mit so vielen Zicken und Problemen, dass sie mit einer Analogkamera verglichen werden kann. Ab 200 ISO rauscht die Kamera derart intensiv, dass man sich fragt wo man diese Funktionalität abschalten kann. Bei 1600 ISO ist das Rauschen so stark, dass man die Bilder nicht mehr ansehen kann ohne dass man besondere psychodelische Erlebnisse durchlebt.
Wandelt man diese Bilder jedoch in Schwarz Weiss um, erhält man ein exaktes Abbild eines Ilford HP5 Plus gepushed auf 1600. Ich habe bei mir einige Abzüge, die das voll bestätigen können. Jedesmal wenn ich diese Bilder sehe, finde ich diese Spur Begeisterung in mir. ISO 800 bildet einen HP5+ ohne Push ab.

Um schnell mit dem Glauben „Diese Kamera macht gute Bilder“ aufzuräumen, sei angemerkt, dass dies nur eine Eigenschaft der Kamera ist. Als bekennender Analogfotograf weiss ich selbstverständlich, dass der Fotograf für das Bild verantwortlich ist.

Es macht einfach viel Spaß mit der G9 zu arbeiten. Dazu gehört das „Alles Dabeihaben“, also das Gesamtpaket und die Haptik der Kamera. Es ist keine leichte Kompakte, es ist ein solider Block Metall, der schwer und gut griffig ist. Alle Einstellmöglichkeiten sind einfach zu erreichen, dank großer Einstellrädchen für ISO und Programm, dank des Drehrades hinten auf der Kamera für die Navigation durch die Menüs.

(Anmerkung: *ugh* – Handy Kamera – sorry, für die Qualität)

Damit es dann „meine“ Canon G9 wird, wurden ein paar Modifkationen am Gehäuse durchgeführt. Leider sind diese nicht mehr erhältlich, falls jemand seine G9 jetzt umbauen möchte. Dazu gehört der spezielle Grip Handle sowie der Thumbrest. Diese machen die Kamera deutlich griffiger und das Handling fällt damit deutlich einfacher. Zusammen mit einem Lensmate oder Canon Tubus für mögliche Filter wird diese Kamera zu einem prima Arbeitswerkzeug für viele Anlässe. Für ernsthafte Aufgaben oder auch nur dem ambitionierten Fotografieren verwende ich daher immer den Adapter meist ohne Filter und nur mit Sonnenblende. Damit ist jegliche Kompaktheit flöten – es bleibt eine prima zu bedienende Kamera, die alle Aufgaben mit Bravur lösen kann (sofern man einige Regeln beachtet – siehe später…)

Bildqualität oder wichtige Einstellungen
Die Canon G9 Powershot hat ihr besonderes Eigenleben mit dem man umgehen muss wenn man gute Bilder aufnehmen möchte. Die Kombination von Objektiv, Sensor und Firmware funktioniert besonders gut bei Blende 4.5. Das Motiv wird sehr fein detailliert abgebildet, hier scheint die größte Schärfe des Objektivs zu liegen. Für alle, die diesen Bereich suchen, sei hier der Betrieb im Modus AV empfohlen. Man wählt hier die Blende und die Kamera errechnet die passende Verschlusszeit. Sollte keine Verschlusszeit errechnet werden können, muss gebenenfalls mit der ISO Einstellung (Drehrad oben links) korrigiert werden.
Das bringt uns zu der ISO Einstellung der Kamera. Die Canon Powershot G9 kann eine unglaublich hohe Abbildungsqualtität bei ISO 80 erreichen. Ein Rauschen oder sichtbare Artefakte fehlen komplett, es ist daher anzustreben ISO 80 wann immer möglich zu verwenden.

  • ISO 80: perfekte, rauschfreie Abbildungen
  • ISO 100, 200: gute Abbildungen, Rauschen nimmt stetig aber beherrbar, insbesondere in den Schattenbereichen zu.
  • ISO 400: Ekliges, grieseliges Rauschen. Insbesondere nervig bei Innenaufnahmen. Am besten Finger davon
  • ISO 800, 1600: Ilford HP5+ Mode – die Bilder sind stark verrauscht, wirken jedoch in s/w als Replica des Ilford HP5+ gut, als Stilmittel voll verwendbar
  • ISO 3200: einfach vergessen – vielleicht als 8 Bit Retro Pixelmode zu verwenden

Funktionalitäten wie Video oder Digitalzoom kann man schlicht vergessen. Es soll Menschen geben, die mit diesen Einstellungen Erfolg haben – ich kann mit den Ergebnissen nichts anfangen. Der eingebaute Blitz ist erstaunlich stark und gut einstellbar. Die Blitzlichtmenge lässt sich gut dosieren der Blitz hat jedoch einige Einschränkungen. Durch die kompakte Bauform liegen Kamerablitz und Objektiv sehr dicht beisammen, das führt schnell zu roten Augen. Die Abbildungen von Personen im Blitzbetrieb wirkt daher schnell „platt“. Bei der Verwendung des Lensmate oder Canon Adapters entsteht bei Nahaufnahmen in Folge der Bauform der Kamera schnell ein Objektivschatten. Die G9 frisst freundlich jedes Canon Speedlite – das Ausprobieren der verschiedenen Speedlites ist ein besonderes Erlebnis. Egal ob 500er, 400er oder 200er Serie – alles ist ein deutlicher Gewinn an Variabilität und Qualität. Sicherlich sieht ein 530er auf einer G9 etwas überdimensioniert aus, die Ergebnisse sind jedoch richtig gut und lassen jede DSLR mit Popup Blitz richtig alt aussehen. Vor allem wenn man den Blitz abgesetzt betreibt – irgendwann zahlt sich die Investition in die Einzelkomponente doch aus. Für den deutlich variableren Betrieb reicht das kleinste Speedlite 270EX II vollkommen aus. Klein leicht, prima transportabel und dennoch mit Leitzahl 27 ausreichend hell. Als Slave kann das 270er abgesetzt betrieben werden, das lässt sich bei Familienfeiern mit Standup Aufstellung (Hochzeit, Taufen, Kommunion und sonstigen Kram) super nutzen. Sonst einfach nur Blitz in die Hand nehmen und deutlich neben der Kamera platzieren. Empfehlung: Unbedingt nachkaufen!

Schlussgedanken
Nach einem weiteren Urlaub mit vielen Erinnerungen und viel Zeit mit der G9 habe ich erneut eine emotionale Bindung zu ihr gefunden. Die Vielfalt der Möglichkeiten, gepaart mit der Haptik und dem Erlebnis G9 verbinden. Ich werde mir weiterhin keine digitale Spiegelreflexkamera kaufen – ob ich mich allerdings lange gegen die Canon Powershot G1X wehren kann, weiss ich auch nicht. Die müsste man mal länger in der Hand haben, um zu erspüren ob sie ein würdiger Nachfolger für meine G9 ist.

In der Summe der Einzelpreise inkklusive der „Pimp-ups“ liegt meine Powershot G9 natürlich auf Preisniveau einer DSLR. Dennoch – entweder als kleine(re) Kompakte für unterwegs oder zum ernsthaften Fotografieren erfüllt die G9 meine Ansprüche. Wenn ich es komplett „ernst“ meine, kann ich mir den Punk der Dunkelkammer ja wieder antun. In der Kombination mit der Rolleicord, Belichtungsmesser und dem passenden Film gibt das denn wirkliche Qualität – mit dem Preis des zeitlichen Aufwands.

Für das Motorrad und die Erlebnisse hätte ich deshalb gerne beides: Eine kleine kompakte Kamera und tolle Qualität. Maßgeblich Qualität, die ich beeinflussen möchten – daher G9.

Nachsatz: Mal ehrlich. Die G9 ist nun schon diverse Jahre alt und bietet immer noch sehr viel für ihr Geld. Ob das „Update“ auf eine G12 oder eine G1X wirklich erforderlich ist, ist mir nicht klar. Vielleicht sollte man daher auch nicht sehr viel auf die Testberichte über Digitalkameras geben. In einem englischen Buch über Fotografie fand ich immer wieder den Satz: „Know your camera“. Das dauert einfach seine Zeit und benötigt viele Aufnahmen und Experimente. Das lässt sich vielleicht nicht in einem Testzeitraum von wenigen Wochen abbilden.

Nachnachsatz: Am Wochenende freue ich mich auf ein besonderes Event. Dank Akkreditierung komme ich vermutlich richtig nah ran – mal sehen was so geht – egal mit welcher Kamera. Kreativität benötigt Arbeitsmaterialen – die Idee ist jedoch ausschlaggebend. Da halte ich es mit Chase Jarvis: The Best Camera is the One That’s with You.

Die Sache mit dem Tankrucksack…

Das mit dem Tankrucksack ist so eine besondere Sache. Einerseits machen die Dinger ein Motorrad nicht unbedingt schöner, andererseits ist es eine der wenigen vernünftigen Methoden Gepäck auf dem Mopped zu transportieren. Im Grunde genommen haben die Dinge sogar ihre Sonnenseiten: Auf langen Strecken kann man sich ein wenig dagegen lehnen, was insbesondere auf sportlicheren Maschinen für ein wenig Entlastung der Arme sorgt.

Der Kartenausschnitt ist sicher verstaut und auch der Schokoriegel für die Pause findet seinen Platz. Alles in allem – doch gar nicht so übel. Natürlich hat so ein Ding auch seine Schattenseiten und die sollten hier doch auch mal hemmungslos dargestellt werden. Das Kartenfach – zumindest als solches bezeichnet – soll die Karte festhalten und gut lesbar präsentieren. Bei nahezu allen Modellen, die ich in der Hand hatte, dient das Fach lediglich dazu einen soliden Spiegel unterhalb des Fahrerhelms anzubringen. Von alleine hat das noch nie gepasst, durch Drücken, Pressen und Quetschen des Inhalts wurde das Ding so in Form gebracht, dass die Karte dadurch wieder lesbar wurde. Während der Fahrt hat das wirklich nur in den seltensten Fällen vernünftig geklappt. Anhalten, Pressen, Drücken und Schieben – die nächsten 5-6 Abzweigungen gemerkt und weitergehts.

Auf sollte man den berühmten Regenschutz nicht verschweigen. Die Tankrucksäcke sind in den seltensten Fällen wirklich regendicht. Daher liefern die findigen Hersteller eine Regenabdeckung, die irgendwo innen im TRS verstaut werden kann, mit. Wenn man einen grössenverstellbaren Tankrucksack hat, heisst dies Flattern bei kleinerer Grösse, da das Volumen der Hülle nicht ausgefüllt wird oder zu klein sein wenn man den Rucksack mal wirklich vollgepackt hat.

Ok, hier ist ein Modell, welches den Nörgeltest von mir bestanden hat. Gekauft habe ich es mir ursprünglich für eine Honda Dominator, die über einen stark gewölbten Tank verfügt. Mit dem Kauf der Honda VFR 800 bekam ich vom Käufer einen kleinen Tankrucksack mit, dieser erwies sich schnell als zu klein. Wunder, oh Wunder – der Tankrucksack, der für speziell gewölbte Tanks von Enduros gedacht ist, passt wie angegossen und sitzt bombenfest. Sehr ordentlich! Gemeint ist der Tankrucksack Tuareg Spezial von Hein Gericke.

Tankrucksack - Tuareg Spezial auf Honda VFR 800
Das Anwendungsbeispiel – passt wie angegossen.

Vorne wurde der Tankrucksack an der Gabelbrücke mit einem Spanngurt mit Schnappverschlüssen befestigt. Gehalten wird er durch Magnete sowie durch zwei Klettspanngurte hinten. Das Ding sitzt damit bombenfest, es wackelt nichts – dank der Tourenscheibe ist bei normaler Fahrt der Regenschutz überflüssig. Das Ding hat 25 Liter Volumen im erweiterten Zustand und kostet rund 50 Euro. Lediglich der Tacho verschwindet leicht dahinter, zum genauen Ablesen muss ich mich kurz aufrechter hinsetzen – sonst passt alles.

Kurzfazit
Name: Tuareg Spezial von Hein Gericke
Kosten: ~ 50 Euro
Ergebnis: Nicht nur für die Honda Dominator – auch für die VFR der ideale Tankrucksack und für kleine Touren komplett ausreichend.

Einmal Altmühltal – Feuertanz Festival und zurück

Manche Dinge finden im Jahr nur einmal statt, bei diesem Ding war das auch so – das Feuertanz Festival 2012 findet (wie immer) in Abenberg auf der Burg statt. Was auch nur einmal stattfinden wird ist unsere Teilnahme…

Wie immer viel zu spät sollte es am Freitag abend losgehen. Das Festival begann schon am Freitag mittag, das liess sich aber seitens des Berufs nicht darstellen also sollte es am Freitag abend viel zu spät aus München losgehen. Die VFR war vollgepackt, jeder Person  aus dem Fahrer-Sozia Team stand ein Koffer zur freien Verfügung. Noch schnell Geld holen, tanken und ab auf die Bahn. Das Zimmer sollte bis zu einem Zeitpunkt freigehalten werden, danach sollte es freigegeben werden. Was tun – losfahren, Zeit nehmen und unter der Brücke schlafen oder direkt über die Autobahn in Richtung Abenberg aufmachen? Wir entschlossen uns für letzteres, liessen die Landstrasse links liegen und fuhren auf die Autobahn.

Hui, das zieht sich ja doch ganz schön. Die Strasse war frei, wir kuschelten uns auf den Tank und fuhren zügig in Richtung Ziel. Google Maps sagte irgendwas von einer Fahrtzeit und die lag verdammt nah an unserer Zimmer-Freigabe-Zeit. Also galt es die Dauer der Fahrtzeit durch Einstellen des Lautstärkereglers der verbleibenden Zeit anzupassen.

Schicke Sache so eine VFR. Auch bei angepassten Einstellungen des Lautstärkereglers zieht sie ruhig ihre Bahn, auch mit 2 Personen und 2 Koffern. Leute, wenn ihr noch einen soliden Tourer sucht, die VFR könnte eure Suche beenden. Zumindest meine (also die alte) mit Baujahr 99 vom Typ RC 46 / I. Es sollen noch spätere Modelle am Markt zu erwerben sein – die kenne ich nicht.

Punkt 22 Uhr kamen wir am Hotel an, warfen die Koffer aufs Zimmer und beschlossen irgendwo noch was zum Essen zu jagen. Auf das Festival wollten wir nicht mehr also kam der McDonalds mit brauchbarem Kaffee in Frage. Zahlreiche Füchse und Igel sowie Hasen tauchten immer wieder im Scheinwerferlicht auf. Es sollte auch schon klar sein: Die Gegend rund um Roth ist tolles Motorradland – tolle kleine Strassen und kleine Dörfer, tolle Kurven und kaum Verkehr – toll!

Am nächsten Morgen gab es ein ausgiebiges Frühstück und dann ab auf das Festival. Halt, vorher wollten wir noch eine Jeans für die Sozia erwerben, die ihre zu Hause vergessen hatte. Wir fuhren nach Roth und ärgerten uns über vollkommen schräges Einkaufszentrum – wenigstens die Hose konnten wir dort erwerben. Bei einem kurzen Bummel durch die Fussgängerzone von Roth fragten wir uns wer hier wohl wohnen würde. Es war tolles Wetter, es war gegen Mittag und keine Menschenseele war zu sehen. Roth präsentierte sich als Geisterstadt; ist das überall so in Mittelfranken?

Schluss nun – ab auf die Burg zum Feiern. Mit optimaler Ausstattung und Ersatzklamotten in den Koffern ging es aufs Festival. Die Burg ist toll! Entsprechende Fotos von der Holga folgen noch. Der Mittelaltermarkt war sehr marktähnlich, mit viel Essen und Kramläden, leider doch recht klein und ohne Handwerker (zumindest habe ich keinen als solchen wahrgenommen). Die Preise waren recht moderat, das Essen sah lecker aus, salopp formuliert: Grillbuden mit mittelalterlicher Benamung der Speisen. Als wir eintrafen spielte bereits die Band Vogelfrey, wir blieben für ein paar Lieder stehen und kreiselten dann durch die Burg. Ein netter Arbeitskollege der Sozia sammelte uns irgendwo ein und wir taten das was echte Ritter machen: Von Heldentaten erzählen, was trinken und faul in der Sonne rumsitzen. Das konnten wir wirklich gut!

Um 16.00 Uhr gönnten wir uns ein Ritteressen mit amtlicher Führung. In einem dunklen Kellergewölbe saßen ca. 30 Personen an langen Tischen und bekamen etwas zu essen. Zwischen den einzelnen Gängen gab es entweder einen Gaukler (Stil Mario Barth) oder eine Musikband. Das Essen war qualitativ ganz ok, der Met war sehr lecker, mit Rittern hatte es nichts zu tun. Würde ich es nochmal machen? Nein. Würde ich es weiterempfehlen? Nein. Gab es etwas tolles zu bemerken? Nein! Schluss jetzt! Positiv zu erwähnen war der Auftritt der Band. Die Formation Zackenflanke gab sich die Ehre und rockte das Gewölbe mit 3 Dudelsäcken und 3 Trommeln, ging gut ab. Leider habe ich bei Mittelaltermusik immer den Eindruck, dass ich nach 3 Liedern alle Kombinationsmöglichkeiten schon gehört habe. Also, Franz Schubert ist deutlich komplexer komponiert, war aber auch ein paar Jahrhunderte später. Vielleicht würde ich die Musik von später vorziehen. Aber Zackenflanke hat mir gut gefallen – also die 3 Lieder, bis zur Wiederholung.
Die Sozia merkt hier ihren bemerkenswerten Einsatz an und möchte diesen explizit erwähnt wissen. Sie rettete dem Trommler das Leben, respektive die Haare, die er sich an einem der Kerzenleuchter fast in Brand gesteckt hätte. Der junge Mann schaute recht freudig erregt als die Sozia auf ihn zustürmte und war ein wenig enttäuscht, dass sie ihn nur auf die Kerze hinwies. Irgendwie hatte man den Eindruck er hätte etwas anderes vermutet. Ich selber schielte bereits die ganze Zeit auf die Dudelsackspielmannfrau. Leider hatte sie keine Kerze in der Nähe ihrer tollen langen Haare und musste nicht gerettet werden. Schade eigentlich.
Ganz klar – die Formation sehen wir wieder! (für einen Eindruck: hier klicken)

Anschliessend tauchte so ein bisschen die Frage auf was wir nun tun würden, von der Burg hatten wir alles gesehen und wir beschlossen uns auf den Abend vorzubereiten, den Gothic Look anzulegen und fuhren kurz beim Hotel vorbei. Was für eine Wohltat – nach dem heissen Tag sich kurz abzuduschen, kurz die Augen zu schliessen und dann gen Festival zurückzukehren.

Pünktlich zu Mono Inc. waren wir dann wieder zurück. Die Band Mono Inc spielte sich vor einigen Jahren in einem Clubkonzert in München in unser Herz und seitdem folgen wir dieser Band. Wann immer es ein Konzert in der Nähe gibt – wir waren dort. Nicht immer wurden wir für unsere Anreise belohnt. Eigentlich nach dem Clubkonzert, wo wir sie das zweite Mal gesehen haben, gar nicht mehr. Ich will die Band nun nicht zerreissen aber in meinen Augen entwickelt sich Mono Inc nicht mehr sonderlich weiter. Sie werden perfekter aber mir fehlt die Entwicklung nach vorne. Ich habe hier mal ein kurzes Drum Solo mitgeschnipselt – live mit dem Tragtelefon eingefangen.

Jeder der hier eine wirklich tolle Stimmung spüren kann, sollte sich die Konzerte des Festivals besser auf YouTube ansehen. Der Sound war schlecht, eine einheitliche Soundsuppe, die den Burgvorplatz auffüllte und dann irgendwie durch die letzten Gänge hallte. Selten habe ich einen so schlechten Sound – ausser im Münchener Zenit – erlebt. Vielleicht habe ich zu wenig Alkohol intus gehabt, vielleicht war die Burg schuld, egal – der Sound war matschig, eine Suppe eben. @knuddellove twitterte an mich zurück: Mit einem Spritzer Zitronensaft bekommt man jede Suppe wieder hin. Stimmt – nach einem oder mehreren Caipirinhas wäre der Sound sicherlich deutlich besser gewesen.

Insgesamt machte Mono Inc doch den Eindruck, dass sie es nur runtergespielt haben. Kaum Interaktion mit dem Publikum, die Witze und Spässchen waren diesselben seit 2 Jahren und das kurze Solo von Martin und das Spielen mit dem Publikum zum „The passenger“ war halt auch schon bekannt. Hm, irgendwie wird Mono Inc für mich kein Grund mehr sein zu einem Festival zu fahren oder sie dringend in einem Konzert zu sehen. Man wird sehen ob das nächste Album daran was ändert. Einziges echtes Schmankerl waren Crowd surfende Kinder. Ziemlich cool – ich hätte meine Kinder da definitiv mit auf die Reise geschickt – sah echt gut aus.

Subway to Sally waren toll aber vermatscht und irgendwie fand ich auch keinen Draht mehr zur Musik. Das ist vielleicht schon zu lange her, dass ich Subway to Sally gut fand. Nach einigen Lieder machten wir uns auf und fuhren zurück ins Hotel.

Sonntag war Motorradtag. Hell yeah, Altmühltal und Motorrad passen einfach gut zusammen. Kreuz und quer ging es nach Hause zurück. Wann immer die Straße zu breit wurde, bogen wir ab auf die Seitenstrassen und schlängelten uns dahin. Die VFR machte einen Riesenspass! Links, rechts – schnell oder langsam, toll! Je nachdem wie man es haben möchte, kann man schneller und sportiver fahren oder es langsam dahingleiten lassen. Der Schaltaufwand findet lediglich zwischen zwei Gängen statt, der Rest wird vom Motor geschluckt – sensationell.

Irgendwann war es mit dem Hin- und Her dann vorbei, die B2 hatte uns gefangen und quasi mit Autobahn Feeling ging es nach Augsburg und dort über die A8 Richtung München weiter. Wenige Kilometer später wurde es uns zu langweilig auf der geraden Autobahn und es ging wieder auf die C-Strassen. Die Gegend rund um Fürstenfeldbruck ist wunderschön und sollte uns weitere Kurvenfreuden bescheren. Irgendwann, war es dann aber unvermeidlich und wir kamen einfach zu Hause an. Kaputt, verschwitzt und glücklich.

Nachsatz: Das Festival als solches war stimmungsvoll und es war ein tolles Wochenende. Finanziell gesehen war es relativ kostspielig und eine Teilnahme 2013 ist von meiner Seite erstmal nicht geplant. Wobei – wenn ASP kämen, vielleicht – die Motorrad Strecke da hoch kann defintiv noch deutlich länger werden, man könnte ein paar Tage vorher anreisen und einen kleinen Urlaub daraus machen.

Noch was unglaublich positives: Der Schinken, den es am Frühstücksbuffet gab, war unglaublich gut und wir mir noch viele Tage in Erinnerung bleiben!

…a potentially broken Holga,… (Teaser)

was the least of my concerns.

Mit diesem Zitat und der Motivation endlich wieder s/w zu fotografieren, machte ich mich auf den Weg, um das Pfingstwochenende auf dem Motorrad zu verbringen. Alles Digitale musste zu Hause blieben, es sollte alles Fotografische ausschließlich auf Film landen. Als Fotoapparat hatte ich mir dafür eine Holga ausgesucht.

Mittlerweile ist Pfingsten vorbei – die ersten Filme sind entwickelt und, ja ich weiß, Holga typisch gibt es dort eine Lernkurve. Irgendwas ging irgendwo schief – dazu aber später deutlich mehr. Dieser Artikel soll lediglich ein kurzer Teaser sein. Stay tuned, more to follow.

Hier sind mal zwei Beispiel Bilder aus der Serie (grob gepixelt – mit Moire Effekt vom Fotografieren des Negativs, die Kontakte folgen):

Manchmal,…bekommt man etwas geschenkt…

Manchmal bekommt man etwas geschenkt wenn man es nicht erwartet. Vielleicht sind das die schönen Momente des Lebens, die man erst dann geniessen kann, wenn man mittendrin steht. Es sind eben die Momente, die nicht planbar sind, auf die man sich nicht einstellen kann.

Wenn man einfach mal die kleine Seitenstraße nimmt, an der man sonst immer vorbeifährt, weil sie in der Kurve liegt, kurz vor dem Ortseingang wo man herunterschaltet und sich aufrichtet. Genau diese kleinen Straßen sollte man dann nehmen, wenn man nichts im Kopf hat, was man gerne erleben möchte.

Wenn man loslassen kann, dann kann es auch einmal schön werden – einfach so.

Danke VFR.

Und danke an ein bisschen komische Musik, die sagte: „Fahr mal los.“

Sinn und Unsinn von Trinksystemen

Über den Sinn und Unsinn von Trinksystemen auf dem Motorrad lässt sich sicherlich prima streiten. Vermutlich sogar noch besser als über Kettenschmiersysteme. Allerdings habe ich den Verdacht, dass hier die Gefühle noch weiter auseinandergehen werden. Wer braucht den sowas? Was für ein Schwachsinn? Ich nehme doch nicht noch ein Klump mit! Man kann auch anhalten und was trinken.

Dies sind natürlich nur vorgestellte Reaktionen, ich könnte mir gut vorstellen, dass die Realität noch deutlicher ausfällt. Auf meinem Trip ins Salzkammergut hätte ich sowas gut brauchen können. Stauige Fahrt auf der Autobahn, die definitiv keine Alternative hat. Zumal ich von A nach B auf direktem und kürzestem Weg wollte und nicht schöne tolle Landschaft anschauen wollte. Bei Tempo 60 km/h zwischen den Auto durchschlängeln ist neben dem rechtlichen Aspekt auch nicht meins und so wurde ich über Stunden dahingeröstet. Ganz sanft, in meinen schwarzen Klamotten auf einem Motorrad, welches die Abwärme selber nicht los wurde und von unten mit rund 100° Grad nachheizte. Zu diesem Moment dachte ich mir: SCHÖN, wenn ich jetzt was trinken könnte.

Natürlich hatte ich was zu trinken dabei – während der Fahrt ging das aber nicht vernünftig und anhalten wollte ich nicht – es fuhr doch gerade einmal! Als ich irgendwann abends zurück gefahren bin, wurde es zwar merklich kühler aber der Akku von mir war auch definitiv leer – vollkommen. An einer Tankstelle nahm ich endlose Flüssigkeit zu mir und es begann mir besser zu gehen. Problem dabei: Der Körper kann das Wasser nicht „festhalten“ – einen großen Wasserverlust kann man also durch einmal Viel-Trinken nicht ausgleichen.

Auf einem Geländetraining mit der Honda Dominator ging es den Teilnehmern ähnlich. Die Crosshelme erlauben das Trinken aus Flaschen für Fahrrädern vorzugsweise mit Trinkhalm zum kräftigen Drücken. Für mich stand danach der Entschluss fest: Ein Trinksystem schaue ich mir an – gesagt getan! Genaue Details folgen, fest steht für mich aber: Auf längeren Touren, nie mehr ohne.

Die ersten Sonnenstrahlen 2012 (auf zum Jexhof)

Es waren die ersten Motorradkilometer des Jahres. Aktuell befinde ich mich gerade im Urlaub – eher in einer Pause oder in einem Umbruch. Kraft sammeln, Energie tanken und abschalten sind die aktuellen Herausforderungen. Wobei kann man das besser tun als beim Motorradfahren?

Es war noch recht schattig heute morgen um 07.00 Uhr als ich zum Bahnhof ging. Die Sonne kündigte sich schon langsam an und es versprach ein toller Tag zu werden. Gegen Mittag war es schon deutlich wärmer – vereinzelt lag noch ein wenig Schnee im Schatten der Gärten. Gefühlt handelte es sich in der Sonne um 2 Grad – mindestens. Es können vielleicht auch 3 Grad gewesen sein. Morgen ist hier Neuschnee angekündigt, wenn ich ein paar Kilometer fahren wollte, heute war der Tag dafür.

Auf nach oben in die Wohnung und mit skeptischen Blick in den Kleiderschrank geschaut. Mit der Funktionsunterwäsche und einem dicken Fleece sollte es doch gehen. Aussen schützte mich die bekannte Rukka Textilkombi – die Sommer Handschuhe von Held wurden diesmal gegen das Wintermodell getauscht. Die Honda VFR hat zwar Heizgriffe, dennoch wollte ich es nicht riskieren mit Sommerhandschuhen kalte Pfoten zu bekommen. Einmal komplett einpacken und ganz langsam wie das Männchen einer Reifenmarke runter in die Tiefgarage wanken.

Was für eine Schwachsinnsidee, kam mir in den Sinn. Vielleicht sollte die VFR die Ausfahrt noch verhindern in dem sie nicht anspringen wollte – vielleicht. Natürlich hatte ich die Rechnung wieder ohne die sprichwörtliche Honda Zuverlässigkeit gemacht. Die VFR stand nun sicherlich schon seit rund 3 Monaten in der Tiefgarage am gleichen Fleck. Ich hatte sie auf dem Hauptständer abgestellt und die Vorderachse entlastet – die Räder standen in der Luft – das Motorrad schlief. Ich stand davor und schaute skeptisch. Die wird nie anspringen.

Schlüssel drehen – *bsssssssss* – die Elektronik erwacht zum Leben. Ein bisschen den Choke geöffnet, nun sollte es sich entscheiden. Ein kurzer Druck auf den Anlasser: *ihiihhh*, *wrummm*. Unglaublich, sie hat nicht einmal ganz durchgedreht. Ich war vollkommen perplex. Also runter von den Böcken, runter vom Hauptständer und raus aus der Garage.

Die ersten Kurven waren eher abgekantet als abgerundet, vorsichtig machte ich mich wieder mit der Drehrolle vertraut, alles fühlte sich noch leicht wacklig an. Nach ein paar Kilometern war aber viel von der Vertrautheit zurück und es fühlte sich wieder richtig gut an. Der Ortsausgangskreisel näherte sich, ab auf die Autobahn und Gas. 80 – 100 – 120 km/h, die Autos liegen weit zurück. Huuuch, das ging aber schnell. Schnell merkte ich aber das 130 km/h doch auch wie 130 km/h Wärme wegziehen. Ich suchte mir einen kleinen Bus, klemmte mich dahinter, bei 100 – 120 km/h war die Welt ok. Rasch war das kurze Autobahnstück vorbei und die Ausfahrt in Richtung Ziel kam näher. Ich fuhr vorsichtig, immer damit rechnend, dass das Gripniveau bei weitem noch nicht da ist, dass man sich drauf verlassen kann. Ein wenig mulmig wurde mir entlang der Wälder dann schon. Es war zwar alles frei – frei von Schee, von Eis sowieso – dennoch. Rücksicht und Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Die Einfahrt in die Waldzufahrt habe ich dann wirklich sehr langsam genommen. Der feine Split am Bankett knirschte und die VFR fuhr langsam den Berg hoch zum Jexhof. Die Strasse war auch hier vollkommen frei – der Parkplatz oben hingegen war zu einer Eisplatte mutiert. Alle Endurofähigkeiten wurden ausgepackt – Nein, Moment – ich stellte sie oben am Weg in einer kleinen Bucht ab und ging die letzten Paar Meter zu Fuß. Das war auch ganz gut so – direkt neben mir schlitterte eine Person über den Parkplatz und landete unsanft auf dem Eis. Yeah! Amüsierte Blicke schauten zu mir herüber – ein Motorradfahrer um diese Zeit des Jahres? Der musste einen guten Grund haben hierher zu kommen.
(Den gab es im Vorjahr auch schon – hier endete meine Touren Saison – link)

Den hatte ich auch und die Frage: Gibt es schon/noch Kuchen wurde mit einem „ja“ beantwortet. Schön! Der Jexhof hat den besten hausgemachten Kuchen in ganz Bayern – vermutlich. Anscheinend waren auch noch nicht viele Gäste zu erwarten. Für 2 Euro erwarb ich ein halbes Blech von bestem Kuchen, weitere 2 Euro dazu und ein Kaffee stand daneben. Ich ging in die alte Gaststube und genoß den Kuchen und den Kaffee. Richtig kalt war mir nicht, dennoch tat das Aufwärmen gut.

Frisch gestärkt ging es dann auf die Heimreise – gleicher Weg zurück, ein bisschen lockeres Rollen und rund 70 Kilometer später stand die VFR wieder in der Tiefgarage. Ich hob sie auf den Hauptständer, entlastete das Vorderrad und strich verträumt über den Tank. Der Scheinwerfer blinkte mir zum Abschied hinterher, ich bin mir ganz sicher und sie schlief wieder ein…

Einheitliches Motorradfahren

03.10.11 – Jahrestag der Wiedervereinigung.

Was hat sich eigentlich geändert? Solche Dinge mag man an den verschiedensten Stellen nachlesen, hier geht es um das Motorradfahren. Vor 21 Jahren hatte ich definitiv noch keinen Motorradführerschein, ob damals die Sonne schien, weiss ich nicht mehr. Heute schien die Sonne aus allen Knopflöchern und wir hatten kinderfrei. Schön! Das kommt ja selten alles zusammen, Jahrestag der Wiedervereinigung, schönes Wetter und Zeit füreinander. Die Honda Dominator und ich – aww! Also auf geht es mit Sozia ab durch das Fünf-Seen-Land. Viel Zeit hatten wir nicht, es sollte also ein Biergarten oder etwas ähnliches in der Nähe werden. Früher mochten wir immer das Schusterhäusl bei Germering, also sollte die Fahrt dorthin gehen. Durch kleine kurvige Strassen und kleine Ortschaften fuhren wir auf fast menschenleerer Straße dahin. Wo waren die bloß alle? Ja, nicht nachsuchen, es fuhr doch gerade so schön. Die paar wenigen Kilometer waren schnell vorbei – voila, schon standen wir am Eingang – …

Dort schauten wir auf nichts. Die verschiedensten Versionen der Webseite, die im Netz zu finden waren, hatten also nicht gelogen – das Schusterhäusl hat geschlossen. Schade – unmittelbar vor den Toren von Germering liegt dieser kleine Biergarten verträumt im Wald. Lag ist vermutlich besser. So wie es dort aussah wird dort so schnell keiner mehr ein Bier zum Trinken bekommen. Jexhof – ganz klar! Die Ausweichlösung war schnell gefunden. Der Jexhof ist ein altes Bauernmuseum und hat Kuchen von Muttern. Der Kaffee ist zwar verbesserungsfähig – der Kuchen hingegen ist der Beste im ganzen Fünf-Seen-Land. Die Straßen waren immer noch leer und die Dominator zog sanft durch die Kurven. Leicht untertouriges Fahren belohnte sie mit Hacken und Reissen an der Kette – zu hohes Drehen durch Vibrationen und ordentlichem Krach. Irgendwie gibt es doch Unterschiede zwischen der VFR und der Dominator.
Der perfekte Ausblick in Germannsberg blieb uns leider verwehrt, das Wetter hingegen war absolut perfekt. Nach schöner Fahrt standen wir oben am Jexhof und genossen den perfekten Kuchen. Nichts unendlich kompliziertes, einfach nur gut – irgendwie wie bei Mutter. Dem Jexhof werde ich definitv weiter treu bleiben.
(Kleiner Tip: Hinfahren – auch mit der Familie und den Kindern – alles ansehen und danach den Kuchen geniessen!)

Gut gestärkt ging es weiter durch die schöne Landschaft. Eigentlich wollte ich dort schon nach Hause – irgendwie sollte es anders kommen. Wörthsee – Seefeld – Perchting. Es führen kleine, kurvige Straßen dahin, die ausser von uns von niemandem befahren wurden. Fast niemandem – manchmal schoß eine Dose um die Ecke, kräftig schneidend, Motorradfahrer seid wachsam! Kurz vor Maising kam mir dann die Idee der Sozia das Maisinger Gasthaus direkt am Maisinger See zu zeigen. Hier mehr darüber zu schreiben, wäre vergebene Liebesmüh – schaut es euch selbst an, geniesst die Umgebung und haltet die Füsse in den See.

Leider ging auch diese Zeit irgendwann vorbei und wir fuhren heimwärts. Hier vollkommen motorradunfreundlich über die B2 nach Starnberg und dann weiter über die Autobahn gen heimwärts. Als alles so schön dahinglitt, wollte eine Dose noch unsere Reflexfähigkeiten und unser Zusammenspiel auf dem Motorrad testen. Auf der Auffahrtspur fahrend zog die Dose ohne Blinker und trotz Verkehr (wir) unmittelbar vor uns auf die Autobahn.

Öhm, Bremse hinten, Bremse vorne – genug Platz – alles gut. Da hätte ich mich auf der VFR wohler gefühlt, definitiv. Nach wenigen Restkilometern rollten wir dann von der Autobahn und waren zu Hause – grinsend.

Danke für den schönen Tag!

Wie üblich auch die Karte des Tracks. Diese Karte zeichne ich nach der Tour, es können also durchaus Fehler enthalten sein. Es ist auch keine Anleitung zum Glücklichsein – sondern ein Hinweis wo es schön ist :)

Gewitterritt voller Emotionalität (Liebeserklärung)

Gewitterfront über München - beim Adminday
Hell for textil! Manchmal eben doch Textil - statt Lederkombi

Nicht immer funktioniert im Leben alles wie man sich das so vorstellt. Das gilt für das Berufs- wie für das Privatleben. Insbesondere Dinge, die einem tief unter die Haut gehen, bilden oft eine Brücke zu tief emotionalen Erlebnissen auf dem Zweirad. Gestern abend durfte ich solch besondere Momente geniessen. Um es abzukürzen – mir war es wichtig von A nach B zu kommen, wobei B meine Wohnung war und der Weg dorthin führte über 30 Kilometer Autobahn, besonders schnell musste es nicht sein. Der Himmel wurde immer dunkler, er war schon fast vollkommen schwarz. Der Wind wurde kräftiger und ein schweres Unwetter kündigte sich an. Dennoch – ich wollte fahren.

Also – auf nach B und ab auf das Motorrad. Den Tankrucksack hatte ich schon unter der wasserdichten Haube versteckt, die Jacke wurde bis obenhin geschlossen, ein Tuch dichtete den Kragen zusätzlich ab. An hatte ich meine Rukka Jacke Athos, Rukka Hose Mika, Daytona Burdit Stiefel und die geliebten Handschuhe Touring Five von Held (mal so aufgezählt).

Der Himmel wurde immer dunkler, noch mal, ein paar Tropfen fielen und dann begann auch schon ein Blitzinferno. Pro Minute schossen mehrere Blitze aus den Wolken und erleuchteten die Szene gespenstisch. Mal leuchtete es über den Wolken, mal zuckten die Blitze in der Ferne auf den Boden. Wunderschön konnte man dort den Wolkenrand erkennen, wo die Wolken der Gewitterfronten aneinanderstiessen. Es sah ein wenig nach Weltuntergang aus, dennoch war es faszinierend. Die Luft war scheinbar in verschiedenen Säulen aufgeteilt. Es gab warme Säulen und kalte Säulen, die ich mit 130km/h durchfuhr – dann immer wieder die faszinierenden Blitze und eine unheimliche Stille.

Es war wie ein Gleiten, fast schon Surfen durch ein Inferno aus – Nichts. Tausende von Blitzen aber kein Donner; mittlerweile war es auch wieder windstill. Die VFR zog sanft mit 130 km/h über die Autobahn und der V4 brummte zufrieden. Die Gewitterblitze waren zwar gleissend hell und erleuchteten immer wieder die Unwetterfronten, waren jedoch noch weit weg.

Die Säulen mit der kalten Luft kamen häufiger, *wapp* *wapp* *wapp* man konnte förmlich den Unterschied im Klang hören, der beim Hineinfahren entstand – dann schoss das Wasser aus allen Himmelstoren. Kalt, mit Hagel, sintflutartig und unglaublich viel. Alles schwamm sofort, das Wasser stand sofort zentimeterhoch auf der Autobahn. Zu diesem Zeitpunkt fuhr ich dank der „Ruhezone“ bei Germering rund 80 km/h schnell. Die Reifen teilten das Wasser mühelos und ich konnte Emotionalität pur geniessen. Sturzbäche flossen über die Autobahn, es bildete sich eine Schicht aus fliegendem Wasser – dort wo die Tropfen von der Wasseroberfläche wieder zurückgeworfen wurden. Sie müssen unglaublich groß gewesen sein, denn die Sicht war kaum beeinträchtigt – dennoch war sofort diese Schicht Wasser da. Die Handschuhe (Leder) waren sofort durch – und ich konnte staunen und fühlen. Ich weiß nicht was nasser war, ich von aussen oder der Helm von innen von den vielen Tränen, die dieses Erlebniss auslöste.

Es war genau einer dieser Momente wo ich mir dachte: Oh, weil geil, dass du Motorrad fährst. Wenn mich zukünftig jemand fragt warum ich das tue, werde ich auf diesen Artikel verweisen und sagen: deshalb.

Nach rund 20 weiteren Minuten kam ich zu Hause an. Viel später natürlich, an schnelles Vorankommen war nicht mehr zu denken gewesen. Ich stellte die Dame (Motorrad) in die Tiefgarage und ging tropfend nach oben. Das Strecken der Hand mit dem Schlüssel zum Schloss löste Sturzbäche aus, die vor meiner Tür eine neue Heimat fanden. Mit einem schnellen Schritt stand ich im Badezimmer und zog die Klamotten aus. Handschuhe: vollkommen durch, Helm – innen naß, da ich die Belüftungen nicht zugemacht hatte. Jacke: vollkommen nass von aussen, innen: trocken. Vollkommen trocken. Bei der Hose das gleiche, ebenso bei den Schuhen. Dabei hatte ich noch gespürt wie das Spritzwasser auf die Schuhe geworfen wurde. Das war für mich einer der Momente wo ich fand, dass eine qualitative Textilkombi aus zwei Teilen durchaus auch Vorteile gegenüber einer Lederkombi haben kann.

Trocken und warm – auch nicht schlecht. Sollten diese Vorteile aber die Abriebfestigkeit von Leder aufwiegen? Ich bin mir nicht sicher. Fest steht aber auch – das war defintiv die beste Kleidung für diesen Moment.

Liebes Rukka Team,

vielen Dank für diese perfekte, wasserdichte Kombination. Gerne würde ich bei euch die Kombination von Leder und Goretex Textil kaufen, wenn das nicht sofort das Auflösen meines Bausparvertrags erfordern würde. Der Rukka Anzug Merlin ist derzeit definitiv ausserhalb meiner Preisliga. 1299€ würde mir für Hose und Jacke noch eingehen – aber nur für die Jacke? Zumal der Rückenprotektor der Merlin Jacke gerade mal dem Level 1 entsprechen soll.

Vielleicht kann Rukka als Premiummarke ein bisschen über die Preisgestaltung nachdenken – dann hätten sie ganz sicher einen Kunden dafür mehr. So bleibt es erstmal bei der Textilkombi – wo die Jacke vielleicht mal über einer Lederkombi gefahren wird. Wäre schön beides zu haben.

Salzkammergut, hin und zurück

Einmal München – Salzkammergut und zurück. Ein einfaches Thema und doch mit soviel Spaß besetzt. Am Samstag ging es morgens früh los. Meine Mutter besuchte das schöne Salzkammergut und ich wollte sie besuchen. Was lag bei bestem Wetter näher als auf die Honda VFR zu steigen und auf einen Kaffee bei ihr vorbeizufahren?

Pünktlich ging es um kurz vor 9 nach einer großen Tasse Frühstück hier in München los. Der Weg sollte mich auf der Autobahn bis nach Österreich führen. Auch wenn das Autobahnfahren zu den weniger beliebten Dingen des Motorradfahrers gehört, lässt es sich auf der VFR ganz gut aushalten. Sie hat genügend PS und ist mehr als ausreichend motorisiert. Dank ihres hohen Gewichts, liegt sie ganz solide auf der Strasse und obendrein nimmt die Verkleidung den Schrecken des Wetters ein wenig. Also, ab auf die Bahn und mit gemütlichen 130 km/h nach Süden. Irgendwann in Holzkirchen traf ich dann auf eine Gruppe von anderen Motorradfahrern und zusammen zogen wir dann gemütlich bummelnd dahin. Die Gruppe fuhr in Freilassing ihre eigenen Wege, ich hatte ein Pickerl (neudeutsch: Vignette) und fuhr die verbleibenden Kilometer noch auf der Autobahn.

Dann hieß es für mich aber auch bald runter von der Autobahn und willkommen im unglaublichen Salzkammergut. Jenes zeigte sich von der allerbesten Seite: Sonne, tiefblauer Himmel und vollkommen klare Luft. Die Straßen nach Bad Ischl sind perfekt ausgebaut und die VFR zieht ihre Bahn. Kurve links, rechts, rechts, geradeaus – es gleitet dahin. Unglaublich schön. Nach einer weiteren Stunde Fahrt war ich dann am Zielort – glücklich, ein bisschen verschwitzt und in einer Vorfreude, dass es irgendwann zurückgehen würde.

Den Tag haben wir im Salzkammergut verchillt und sind ein wenig mit der Dose (allerdings oben offen) durch die Gegend gefahren. Gmunden, am Traunsee, war das Ziel zum Mittagessen. Direkt an der Esplanade haben wir ein leckeres Essen bekommen, serviert vor grandioser Kulisse. Der Traunsee ist schön, tiefblau, beinahe kitschig und strahlt Dynamik aus. Im Gegensatz dazu stehen im Hintergrund die Berge, ebenfalls tiefblau und geben dem ganzen Ruhe. Alles blau in blau – ja, einmalig schön. Den Kaffee zum Essen gab es in Bad Ischl. Eine Stadt, die in jeder Jahreszeit etwas zu bieten hat. Ischl bietet Kaiserzeit, wunderschöne Cafes und kann mit dem Zauner Verführung pur bieten. Geniessen, chillen und einen Eiskaffee schlürfen…

Gegen Abend sollte es nach Deutschland gehen. Die ersten Kilometer durch das Salzkammergut in friedlicher Abendstimmung waren die Fortsetzung des Chillens, wenn….. wenn da nicht diese schwarzen Wände gewesen wären. Die Sonne stand derart tief, dass man über große Strecken direkt in sie hineinblickte und kaum etwas sehen konnte. Als Ausgleich dazu kamen dann lange Schattenpassagen, die einem vom gleissenden Licht in eine schwarze Wand fahren liessen. Als Motorradfahrer: unheimlich. Ich suchte mir eine vernünftig fahrende Dose, hielt ausreichend großen Abstand und hängte mich hintendran. So liess sich wenigstens ein guter Teil der Ruhe bewahren, den „Wandsucher“ konnte ich damit wem anders überlassen.
Note to myself: der nächste Helm bekommt ein Sonnenvisier, herunterklappbar.

Irgendwann hatte mich dann die Autobahn wieder. In langen Schlangen ging es mit 100.000 anderen Menschen in Richtung München zurück. Nicht schön, vermutlich nicht vermeidbar. Ein kurzer Stopp am Chiemsee brachte ein bisschen Erholung für die gestressten Hände. Wer mit der VFR nicht über 80 km/h fahren kann, muss eben das Gewicht des Oberkörpers mit den Händen an den Stummellenkern halten. Dummerweise funktionieren auch die Kühler erst ab 80 km/h vernünftig. Vorher wird sie einfach nur wärmer und wärmer bis der Lüfter einsetzt. Das ist zwar nicht weiter schlimm, sorgt aber dafür, dass auch dem Fahrer nicht wirklich kalt werden kann. Unglücklicherweise gibt es dafür keinen Regler wie bei der Griffheizung.

Nach vielen Staukilometern näherte sich die Abfahrt Holzkirchen. Dort war mein Akku dann wirklich leer – raus! Kaffee trinken, Wasser hinterher und etwas essen. Bei heissen Temperaturen mit dem Motorrad längere Strecken zu fahren ist eine komplett andere Liga als mit dem Auto zu fahren wenn es nur ein bisschen „warm“ ist. Mit teilgefülltem Akku ging es dann auf die letzten 50 Kilometer. Spätestens mit der letzten Abzweigung waren dann die letzten Autos verschwunden. Gaaaas!
Note to myself: Kaufe dir mal eine anständige Lederkombi!
Wunsch: Arlen Ness Multiplex.

Auch wenn die Rukka Textilkombi gut sitzt und klimatechnisch wirklich toll ist – bei höheren Geschwindigkeiten, die die VFR im Gegensatz zur Honda Dominator bieten kann, flattert sie ein wenig. Nicht schön – da würde sich Leder besser anfühlen.

Deutlich später am Abend als geplant aber vollkommen glücklich kam ich dann zu Hause an. Das Motorrad tickerte zufrieden vor sich hin und blinzelte mir zum Abschied zu.

Guten Abend, Kleines – bis zum nächsten Mal!

Anmerkungen:

Das Salzkammergut ist irgendwie schon seit Ewigkeiten Teil meines Lebens. Diverse Urlaube habe ich dort verbracht – im Sommer wie im Winter. Einen Blogpost über einen der Urlaube findet ihr hier: Vier Tage Urlaub im Salzkammergut.
(Ein bisschen Werbung in eigener Sache ist vielleicht erlaubt: Wohnen kann man hier)

Einfach mal loslassen und neue Wege suchen

Route von München nach Percha - beschaulich und grün statt Autobahn
Route von München nach Percha

Manchmal schenkt einem das Leben Glücksmomente, die vorher nicht abzusehen waren. Oft geht es mir so beim Motorradfahren – in den Momenten wo ich eigentlich etwas vorhabe, es anders kommt und es unvorhergesehen viel positiver wird als…

…als es geplant war. Heute war einer der sonnigen Tage, die in diesem Sommer schon ein paarmal vorhanden waren aber eigentlich viel zu selten vorkommen. Wir (die Sozia und ich) hatten kinderfrei und wollten raus. Die Sozia hatte einen durchaus abwechslungsreichen und stressigen Tag hinter sich, bei mir war es der erste Tag nach dem Urlaub. Kurzum – wir wollten ein wenig die Ruhe geniessen und ein wenig Zeit miteinander verbringen. Wir trafen uns zu Hause, schnell noch etwas essen und dann sollte es an den Starnberger See gehen. Es sollte in Percha unsere übliche Badestelle werden, raus aus den Klamotten, rein ins Wasser und ein paar Runden schwimmen. Von unserer Haustür sind es ein paar Abzweigungen, dann sind wir auf der Autobahn und dank VFR auch 10 Minuten später in Percha am See. Das Motorrad findet überall einen Parkplatz – also gleich vorfahren bis auf den Logenplatz und rein ins Wasser.

Ganz so einfach sollte das aber heute nicht werden. Dort wo wir immer rechts in Richtung Autobahn abbiegen war alles gesperrt – kein Durchkommen möglich, die Strasse wurde neugeteert. Dann halt weiter geradeaus, es wird schon irgendwo in Richtung Starnberger See gehen. Die Straße wurde kleiner und enger und dann befanden wir uns auf einer kleinen, kurvigen Strecke neben der Autobahn wieder. 60 km/h waren erlaubt, der Tacho zeigte vereinzelt Abweichungen im Messtoleranzbereich, es floss dahin. Kurve links, ein bisschen den Po verschieben, Kurve rechts, stärker rechts, Scheitelpunkt, Gas – die VFR zieht aus der Kurve heraus, schnurrt bei knapp unter 7000 Umdrehungen noch ganz friedlich vor sich hin. Ein bisschen mehr gedreht, die VFR faucht, die nächste Kurve kommte, *klack* – einen runter, rein in die Kurve….2…*drehen*…*klack*…3

Die Sozia geht mit, lehnt sich von hinten sanft an mich und wir kommen nach schönen Kurven vollkommen tiefenentspannt in Percha an. Unserer Parkplatz ist auch frei und wir gehen lächelnd, glücklich zum See hinunter. Das Schwimmen fiel für die Sozia aus (sie war aber eisern bis zum Bauch im Wasser!), ich schwamm ein paar Meter durch den See und zusammen schauten wir wie sich die Nacht über Starnberg ausbreitete. Der Rückweg ging auch wieder über die kleine Straße zurück nach München. Unschön – der Fernlichtschalter tut nicht das was er soll, nach dem Fernlicht schaltet er nicht korrekt zurück und es wird schlagartig dunkel. Nach 1-3 Sekunden kommt dann das Abblendlicht zurück. Gott sei Dank probierte ich das vorher auf dem Parkplatz im Stehen aus…..

Da muss ich wohl beim nächsten Schrauben mal beigehen (TM). Die VFR steht nun wieder in ihrem Unterstand, tickert friedlich vor sich hin. Sozia und Fahrer sind entspannt und glücklich – wenn mich jemand jetzt fragt warum ich motorradfahre, werde ich auf diesen Abend verweisen.
Die kleine Straße neben der Autobahn hatte ich schon oft gesehen, es war jedoch immer zu hektisch sie zu suchen, Hauptsache schnell zum See. Einfach mal loslassen, sich auf neue Wege einlassen, sie suchen und nicht festhalten.

Den GPS Track gibt es natürlich auch – nachgefahren auf dem gpswandern Routenplaner – es kann sein, dass die tatsächliche Route vielleicht ein bisschen abweicht.

Wolfratshausen – rund Starnberg

Nachdem ich heute morgen schon recht früh das Licht der Welt erblickte, hatte ich ausreichend Zeit über das „Was alles heute“ nachzudenken. Leider ist Hip Hop ist unser Leben nicht mein Lebensmotto, irgendwas mit dem Motorradfahren sollte es werden. Schlaftrunken genoss ich den ersten Kaffee und drehte den Swag auf. Das Duschen fand dann bereits mit den Klangteppichen von Black Sabbath statt. Wach! Die Familie war mitten in der Nacht (vor 8) bereits aufgebrochen, um zum Feuerwehrfest nach Wolfratshausen zu fahren.

Über meine übliche oh-wie-schön-ist-Panama Strecke fuhr ich nach Starnberg. Weiter ging es über Percha, Berg, Aufkirchen, Aufhausen, Höhenrain und Dorfen nach Wolfratshausen. Die Sonne schien aus allen Knopflöchern, der Asphalt klebte und die VFR ließ sich angenehm durch die Kurven fahren. Immer wieder – sie ist ein tolles Motorrad. Dummerweise war ich nicht der einzige, der nach Wolfratshausen wollte. Es war schon recht voll und die komplette Kurvenhatz blieb dann aus. Das Sprinten von einer Kurve zur nächsten, konnte ich dann aber doch ganz gut geniessen. Die Dosen bogen irgendwann immer rechts oder links ab und so blieben freie Stücke für mich und die VFR über. Der verbleibende Teil der Dosen konnte überholt werden – oh, wie schön ist Panama. Die Strecke war mir den größten Teil bislang ja schon bekannt, lediglich die Strecke nach Aufkirchen war mir neu. Schön ist es dort, vielleicht sollte man den einen oder anderen Biergarten dieses Jahr noch besuchen.

Das Feuerwehrfest war ein echtes Feuerwehrfest, mit Autos und Feuerwehrmännern zum Anfassen, man konnte an den Knöpfen Autos von der Rennleitung spielen, tolle Sache. Die Vorführungen fanden immer schön in voller Ausrüstung bei gefühlten 35° Grad im Schatten statt. Man muss aber nicht in den Schatten gehen! Irgendwie konnte ich den Jungs mitfühlen, so richtig kalt war mir im Motorradoutfit auch nicht. Dort traf ich dann auch auf meine Familie und gemeinsam zogen wir mit Freunden in den nahegelegenen Biergarten.

Der Rückweg gehörte mir dann wieder ganz alleine. Von Wolfratshausen ging es über Dorfen, Höhenrein nach Münsing. Die Straße war mir ebenfalls komplett unbekannt – schön ist es dort! Ein BMW Fahrer trachtete mir ein wenig nach dem Leben und fuhr die Kurve auf meiner Seite – nichts passiert, viel Platz war da nicht mehr. Hinter Münsing war dann wieder alles bekannt und es ging bis Starnberg zügig rund um den See. In Starnberg begann dann aber der Megastau. Vorbeifahren ging immer mal wieder in kurzen Stücken. Die VFR wurde immer heisser und irgendwann ging der Lüfter in einen Dauerbetrieb über. Stundenlang lüftete er und hielt sie brav auf einer Temperatur rund um 100° Grad! Mit der Zeit wurde das zuviel, ich beschloss sie abzustellen und ein wenig zu warten. FEHLER! Die VFR zieht über die Lüfter soviel Strom, dass sie kurz drauf  nicht mehr anspringen wollte, die Batterie war schlicht leer. Also noch ein wenig länger warten, Licht aus, Zündung an – ah, die Lüfter bleiben aus. Mit letzter Kraft dreht sie den Motor noch einmal – zweimal – dreimal durch und ist AN! YES, oh wie schön ist Panama.

Zurück ging es über die Hausstrecke Starnberg, Mühltal, Gauting und Neuried. Wie lange die eigentliche Tour nun war, lässt sich nur noch über das GPS Log ermitteln, da durch den Stromausfall sich der Trip Zähler zurückstellte. Manchmal finde ich das analoge Cockpit der Dominator doch ganz gut. Da zählt der Tageszähler weiter – auch wenn der Strom ausfällt.

Zu Hause – doch noch nass geworden, endlos im Stau gestanden aber doch viele schöne Momente auf meiner VFR gehabt. Und das Aufdrehen des Swags geht nun auch in Indie. Klingt auch besser – wobei immer noch kein Vergleich zum Brüllen der VFR jenseits der 7000 Umdrehungen.

Fazit: Fahrt VFR, dreht den Swag auf – für mich bitte in der Indie Version.

Tour: Brückentour 2011/I – in Oberbayern

Tour: München – Starnberg – Münsing – Tutzing – Ilkahöhe – Weilheim – Hoher Peissenberg – Peiting – Birkland – Rott – Landsberg – München
Kilometer: ca. 180

Brückentag – und ich habe frei. Das ist prinzipiell schon einmal eine gute Voraussetzung für eine schöne Tour durch das Fünf Seen Land und darüber hinaus. Gestern hatte ich das auch schon vor, es war Feiertag und das Motorrad stand fertig getankt in der Tiefgarage. Allerdings entschloss sich das Wetter zu einer besonderen Aufführung und ich hätte die Strecke genauso gut schwimmen können.

Heute morgen sah es alles ein wenig besser aus. Die Sonne schien – zumindest für ein paar Minuten und irgendwann konnte ich mich nicht mehr in der staubigen Bude verkriechen. Also raus und auf Tour. Eine richtige Ahnung wo es hingehen sollte hatte ich noch nicht. Ich wollte auch nicht sonderlich weit wegfahren, das Wetter sah nicht besonders gut aus und ich wollte schnell wieder zu Hause sein wenn die ersten Hagelkörner vom Himmel kommen sollten. Von Neuried nach Starnberg geht es durch das Würmtal, eine wundervoll kurvige Strecke mit vielen kleinen Ecken im Wald. Die Strasse ist toll, mit der VFR bin ich dort noch nicht gefahren und siehe da – es machte einen Riesenspaß – dieser Abschnitt war viel zu schnell zu Ende und ich befand mich in Starnberg. In Erinnerung an den ersten Trip mit der VFR beschloss ich daher rund um den Starnberger See zu fahren – zumindest es zu beginnen.

Auf der Ilkahöhe waren wir damals schon – allerdings zu Fuß und so führte es mich mit der VFR auf die Ilkahöhe und dort zu einem Cappucino mit leicht verregnetem Blick. Das sollte auch tatsächlich der einzige aber intensive Regenguss der Fahrt werden. Ok, ehrlich – es begann schon in Tutzing zu regnen. Ich musste aber noch unbedingt zum Wasser runter und ein paar Fotos machen. Dabei fielen natürlich einige Tropfen auf das Objektiv, natürlich habe ich es nicht bemerkt und alle Fotos wiesen danach Regentropfen auf. Prima! Der Capuccino war unfallfrei und die Tasse war mit 2.90€ auch durchaus bezahlbar. Nach den üblichen Bildern sollte es weiter gehen. Ich hatte in dem Biergarten schon einen Blick in die Karte geworfen und ein speziellen Flecken wollte ich schon immer mal besuchen – den Hohen Peissenberg (Link zur Ortschaft).

Auf geht es – die VFR zirkelt durch die Kurven, das Wetter spielt mit und die Strassen sind toll. Dank der bayerischen Pfingstferien war kaum Verkehr und ich war relativ schnell in Weilheim. Ganz hübsch vermutlich – hier sollte ich irgendwann nochmal herkommen. Die letzten Kurven waren schnell genommen und es ging rechts hoch zum Peissenberg. Oben erwartet einen ein phänomenaler Ausblick über die gesamte Region. Auch wenn das Wetter nicht die perfekte Sicht erlaubte, konnte man unter schönem Wolkenbild alle möglichen Orte wiedererkennen. Lohnenswert ist ebenfalls die Kapelle anzusehen. Sie befindet sich noch für einige Zeit in der Restauration, dennoch ist sie auch so schon wundervoll von innen gestaltet. Ein paar Minuten setzte ich mich hin, fand ein wenig zu mir und schloss mit einigen Dingen meinen Frieden – manchmal reichen ein paar wenige Minuten dafür.

Hier gönnte ich mir dann keinen Kaffee – ist ja auch irgendwie schädlich für die Gesundheit – soviel Kaffee. Voller schöner Eindrücke machte ich mich dann wieder auf den Weg gen Tal. Die VFR schnurrte sanft und weiter ging es in Richtung Schöngau.  Kurz vor Schöngau ging es rechts ab zum kleinen Ort Herzogsägmühle. Dies ist dann auch ein weiterer Tipp auf der Reise für das Motorradfahren in Zukunft. Die Strecke hoch nach Birkland ist ultimatives Motorradfahrgebiet. Kurven, Kurven und nochmals bei Kurven bei fairem Asphalt. Ganz großes Kino und es hat unheimlich viel Spaß gemacht durch die Landschaft zu gleiten. Nebenbei bemerkt ist es dort auch richtig schön. Das Wetter war freundlich, die Sonne schien – was will man mehr?

Von dort ging es über kleinere Landstraßen weiter gen Norden. Den Abzweig nach Apfeldorf (man erinnere sich an die Füssen Tour) habe ich dann leider verpasst und irgendwann wurden die Hinweisschilder der Autobahn häufiger. Müde und hungrig beschloss ich den Rest der Tour in einem kurzen Sprint auf der Autobahn zurückzulegen. Den Metzeler Roadtec Z8 Interact C hatte zu diesem Zeitpunkt schon seit einigen Kilometern drauf und mich interessierten auch seine Eigenschaften auf der Autobahn. Mehr dazu in einem eigenen Bericht – in der Kurzfassung liest sich das so:

Fährt gut, liegt schön stabil auch bei höheren Geschwindigkeiten (Habe ich hier das Wort Raser gehört?).

In Gemering hielt mich dann nichts mehr auf der Autobahn und auf Landstraßen ging es nach Hause zurück. Eine schöne Tour, wenn man die Autobahnpassage abzieht und nur die schönen Teile miteinander kombiniert wird dort eine schöne Ausfahrt draus.

Vier Tage Salzkammergut mit dem Motorrad

Endlich! Ein paar Tage frei – dank des Pfingstmontags und einem weiteren Tag kam schon fast etwas wie Urlaub heraus. Alle Kinder waren versorgt und wir konnten uns endlich der Tourplanung widmen. Es sollte nach Österreich gehen, genauer gesagt nach Bad Goisern, ins schöne Salzkammergut. Am Freitag, 10.06.2011, wurden abends noch schnell die letzten Dinge bei Louis eingekauft, die VFR wurde von Zweirad Michael abgeholt wo sie einen Quick Check absolvierte und die Koffer wurden gepackt.

Moment mal, da war doch eine Frau mit von der Partie! Ging wirklich alles so schnell?

Beim Louis am Freitag Abend mit einer Frau einzukaufen ist ein besonderer Spaß. Es stand die Komplettierung der Ausrüstung an; für die Tour war dies nun zwingend erforderlich geworden. Zu besorgen waren noch eine vernünftige Hose und ein Paar vernünftige Schuhe. Nach einigem Anprobieren und einer endlos geduldigen Verkäuferin entschied sich die Dame für eine Textilhose von Probiker im Lady Schnitt und Probiker Schuhen – in der Damenausgabe. Die Klamotten machten einen vernünftigen Eindruck,  darauf sollte sich doch aufbauen lassen. Optisch, natürlich, eine Augenweide. Vielleicht war ich aber auch nur von der einzukleidenden Person abgelenkt, das mag durchaus sein.

Zu Hause ging es dann tatsächlich an das Kofferpacken. Die VFR verfügt über einen Hepco & Becker Trägersystem an dem zwei Givi E36 Seitenkoffer montiert sind. Damit ergibt sich eine einfache Aufteilung bei den zwei Personen: jeder bekommt einen
Koffer. Nun hatte ich schon Angst, dass die Sozia alles mögliche einpacken könnte und erwähnte vorsichtshalber das Stichwort Gewicht. Die Sozia lächelte, packte ihren Koffer und war nachher nominell 300 Gramm leichter mit ihrem Koffer als ich mit meinem.

Sicherheitshalber verpackten wir alles in durchsichtige Plastiktüten, da wir einiges an Regen erwarteten. Im Nachhinein  sollte das jedoch vollkommen überflüssig sein. Beide Koffer waren absolut dicht und liessen keinen Tropen hinein. Es ging früh zu Bett, am Samstag mittag wollten wir uns dann auf den Weg machen.

11.06.2011
Anfahrt: München – Bad Goisern
Länge: 209 Kilometer

Gegen Mittag ging es tatsächlich los. Alles drauf und dran an die VFR und die ersten Meter wurden in Richtung Hofeinfahrt zurückgelegt. Himmel, das ist ja eine Fuhre! Erster – Tempo 30, die Karre liegt stabil. Alles eine Frage der Mindestgeschwindigkeit. Es ging in Richtung Süden hinaus, wir wollten die Masse der Zeit über die Autobahn fahren. Es musste am Zielort noch eingekauft werden, das hatte erstmal Vorrang vor tollen Strecken. Die Autobahn war so lala voll, echten Stau gab es keinen. Es gab lediglich einen Irren, der meinte sich mit Tempo 200 zwischen Leitplanke und Motorroad  hindurchquetschen zu müssen, weil es ging. Zahlreiche Regenschauer verpassten uns immer mal wieder Vollwaschgänge aber letztlich muss man sagen: es blieb fair. 20 Minuten mittlere Dusche anschliessend Sonnenschein. So konnte es erstmal bleiben. Kurz vor Deutschlands Landesgrenze der letzte Stopp, nicht zum Tanken, auch nicht für die Vignette sondern das letzte Mal wollte die Sozia ein paar kurze Telefonate mit deutschem Handynetz führen. Dann wieder auf die Bahn und ab nach Österreich. An Salzburg vorbei, weiter auf der A1 bis zur Abfahrt Thalgau.

Dort ging es im „Oh, wie schön ist Panama“ Tempo auf der Landstraße weiter nach Bad Goisern. Allerdings sollte es noch kräftige Regeneinlagen geben: Aquaplaning für die Autos, spritzendes Wasser bis hoch zu den Stiefeln für mich, verwirbelte Regenwolken von hinten für die Sozia. Angekommen, Koffer ausgepackt und ab zum Einkaufen (mit Koffern).

Kurzfazit zu den Koffern bis hier: nett und irgendwie bequemer als die Packrolle der Enduro. Platz für vier Tage Einkaufen für zwei Personen ist auch vorhanden.

Der Abend wurde dann nach einem kleinen Spaziergang eingeläutet, Aneinanderknuffen, Lesen und Schlafen.

12.06.2011
Tour 1: Bad Goisern – Hallstadt – Grundlsee – Bad Aussee – Bad Goisern
Länge: 87 Kilometer

Tourtag! Wir hatten uns verständigt an jedem Tag einen sinnvollen Kompromiss zwischen Motorradfahren, Spazierengehen und Kaffeetrinken zu finden. Ein paar Stunden fahren, irgendwas besichtigen, dann zurück, Mittagsschlaf und anschliessend Spazierengehen, so sollte es ablaufen. Der erste Tourtag sollte einen Ausflug zu ein paar Seen bringen: Hallstädter See, Grundlsee, Toplitzsee, Altausseersee. Auch ein paar kleine Pässe sollten dabei sein. Meine Eltern hatten mich ja schon zu ein paar Touren zu Fuß an den komischsten Orten hier motiviert, jetzt mit dem Motorrad war das ein vollkommen anderes entdecken.
Hej, so schräg sind deine alten Herrschaften ja gar nicht – ist ja wirklich ganz schön hier. Die Straßen wurden gerade an den  entlegenen Stellen ziemlich klein und eng, das Wetter blieb fair, es lockerte auf und die Sonne kam heraus. Hallstadt kannten wir bereits ausgiebig und fuhren schlicht dran vorbei, das können wir später auch nochmal ansehen, eventuell in China (siehe hier oder hier).

Die kleinen Straßen durch den Wald nach Bad Aussee waren schon ziemlich schön und leer, ab Einfahrt Grundlsee schien dann die  Sonne. Eigentlich wollten wir den Toplitzsee ansehen und fuhren nach Gößl. Hier ein guter Tipp für Gößl: Nicht hinfahren.
Dieser Ort bietet exakt gar nichts ausser der Fahrt entlang des Grundlsees. Bester Tipp daher: Entlangcruisen am See, in Gößl den Kreisverkehr nutzen und wieder zurückfahren.Den Kaffee nebst dem zugehörigen Foto (siehe unten) nahmen wir am Altausseer See direkt am See zu uns. Frisch gestärkt machten wir uns dann auf den Rückweg. Über den Pötschenpass ging es zurück nach Bad Goisern und dann direkt zum Nachmittagsschlaf auf der Couch.

 

13.06.2011
Tour 2: Bad Goisern – Gosau – Rußbach – Postalm – Strobl – Bad Goisern
Länge: 87 Kilometer

Noch ein Tourtag! Nach den schönen Erlebnissen des Vortages sehnten wir den nächsten Tag herbei. Sonne war erstmal keine zu sehen und so fuhren wir bei bewölktem Wetter über St. Agatha nach Gosau zum vorderen Gosausee. Den kannten wir bereits mehrfach vom Umrunden per Pedes und so reichte ein einfacher Blick. Auf dem Parkplatz unmittelbar vor dem Gasthaus waren die wenigen Meter schnell gegangen und wir beschlossen nach kurzem Stopp weiterzufahren. Ein 1200er Bandit Fahrer bestätigte auf dem Parkplatz noch die Durchführbarkeit unserer weiteren Route und los ging es zum Pass Gschütt. Kurve links, Kurve rechts, nochmal, dann links, und nochmals, Haarnadel, wundervoll. Die Strecke war klar, das Wetter überlegte sich das auch noch und es begann richtig zu regnen. Schade. Kurz vor Abtenau ging es auf kleinen Straßen hoch zur Postalm. Unglaublich wie einsam das doch in Österreich sein kann. Wir konnten mehrere Minuten über kleinste Straßen fahren, nur ganz selten kamen wir an Häusern vorbei. Leider nahm der Regen auch immer mehr zu und wir konnten nicht die beste Aussicht genießen. Auf dem Weg hoch zur Postalm wurde der Nebel immer dicker und der Regen wurde auch immer intensiver. Diesmal kam kein Gejammer von der Sozia, die neuen Klamotten hielten also dicht, sehr gut. Oben auf der Postalm angekommen bogen wir direkt gen Berg links ab und fuhren auf die Strobler Hütte und reihten unsere VFR in die Reihe der zahlreichen Motorräder ein. Ich wusste gar nicht, dass es hier einen heimlichen Motorradtreff im Sommer gibt. Der Kaiserschmarrn war ein Gedicht wie immer (siehe Foto), jedes noch so kleine Stück war komplett karamellisiert und schmolz von alleine im Mund. Die Sozia nahm eine leckere Gulasch Suppe zu sich, ein Großer Brauner pro Kopf rundete den Besuch ab. Auf dem Parkplatz sorgten wir dann für eine Runde Belustigung; es waren Gott sei Dank keine Menschen anwesend. Die Sozia verlor beim Aufsteigen den Schwung, blieb irgendwo hängen und hing schallend lachen auf halb acht. Mit einem soliden Lachkrampf lässt sich schlecht aufsteigen, groß helfen konnte ich nicht, da ich das Motorrad festhielt und so dauerte es noch eine ganze Weile bis wir losfahren konnten.
Wir wollten in Richtung Strobl abfahren und vielleicht noch einen Blick auf den Wolfgangssee erhaschen, letzteres scheiterte jedoch im Regen. Leicht angefroren fuhren wir über Bad Ischl zurück nach Bad Goisern und legten uns in die heisse Badewanne.

Wie schön das Leben doch sein kann.

14.06.2011
Rückfahrt Bad Goisern – Mondsee – Braunau – München (via Landstrasse)
Länge: ca 270 Kilometer

Fast alles geht im Leben zuende, so auch dieser kurze aber sehr schöne und harmonische Urlaub. Wir überlegten uns komplett über die Landstraße nach München zurückzufahren. Beim Losfahren hatten wir schon gemischte Gefühle was das Wetter angeht. Auf den beiden Wetterfotos kann man es schon ganz gut erkennen, die eine Seite der Wohnung (nach Osten) zeigte dicke, dicke Wolken, die andere Seite zeigte blauen Himmel und das war die Richtung in die es gehen sollte. Na, dass muss doch klappen! Über die Bundesstraße sollte es nach Bad Ischl gehen, von dort über die Romantikstraße nach Mondsee. Dort sollte sich dann die Weiterfahrt entscheiden.

Entweder sollte es dort auf die A1 gehen und via Autobahn zurück nach München oder es sollte weiter über die Landstraße über Braunau, *öttingen nach München gehen.Wir überquerten die Autobahnbrücke und der Flopp sollte beginnen. Es begann zu regnen. Ich meine hier nicht ein bisschen Regen wie die Tage zuvor, ich spreche von echtem Regen. Volles Programm – von oben. Gott sei Dank wird diese Bundesstraße aus Braunau kommend als Zubringer für LKWs ins Nirgendwo benutzt. Das heisst für uns Zweiradfahrer: Waschgang von oben, alle 20 – 30 Meter kräftiges Windgeschlage und Dreckwasser von den entgegenkommenden LKWs. Ich begann unter dem Helm zu fluchen.

Erschwerend kam hinzu, dass die Österreicher den Hang haben in Ortschaften die Gullydeckel quer über die Straße zu verteilen. Bei der Nässe waren diese glatt wie Schmierseife und zu guter Letzt war die Straße in der Mitte der Fahrspur aufgetrennt  worden und beide Hälften waren mit verschiedenem Asphalt repariert worden. Damit gab es verschiedenste Möglichkeiten: Fahren auf der Fräskante, Fahren auf nassem Gießasphalt, Fahren im Gegenverkehr. Wundervoll. Vollkommen entnervt fuhren wir an Braunau vorbei nach Deutschland. Dann noch ein paar Kilometer und wir kamen auf die Autobahn, die von Passau in Richtung München führt.

„Kaffee, es muss ein Kaffee her – sofort“,

das war das Zeichen der Sozia von hinten und meine innere Stimme sagte ebenfalls etwas ähnliches.

Die Sonne stand am Himmel, das Wetter war wundervoll, die Autobahn bot in diesem Teilstück alle drei Kilometer einen LKW und sonst keine anderen Verkehrsteilnehmer. Meine innere Logik sagte mir: Auto = Rastplatz = Kaffee.Wir fuhren langsam schneller, die Sozia legte sich flach auf mich, ich legte mich auf den Tank und duckte mich hinter die Scheibe und drehte an dem Lautstärkeregeler.

Die VFR nahm Fahrt auf und stabilisierte sich im Fahrtwind. Unglaublich was so ein bisschen Verkleidung ausmachen kann. Es fühlte sich schnell an, es war schnell und es war ok – die Kilometer bis zum nächsten Ereignis dieser Reise flogen nur dahin. Achtung ein Schild dahinten!

120! 100! 80! Einspurig! Überholverbot! 60

und ein LKW. Es ging hinter diversen LKWs und dichtem Gegenverkehr weiter. Dann wenn man überholen durfte war Überholverbot, dann wann man konnte war starker Gegenverkehr. Nach zahlreichen Sprinteinlagen (auf der sicheren Seite) waren wir irgendwann total genervt und fuhren von der Landstraße ab in ein kleines Dorf. Es handelte sich um das Dorf Rattenkirchen. Schön eigentlich. Zielstrebig fuhren wir zum Kirchturm, da sich dort immer ein Wirtshaus befindet. Diesmal war dort kein Wirtshaus aber ein Einwohner schnitt dort seine Rosenhecke. Die Sozia öffnete das Visier, legte ihr schönstes Lächeln auf und fragte wo man hier einen Kaffee trinken könne. Der Einwohner legte seinen Kopf schief, dachte mehrere Minuten nach und sagte anschließend:

„Ein Cafe? So etwas gibt es hier nicht.“

Die Sozia lies nicht locker und fragte nach der Umgebung oder Nachbarorten. Der Einwohner dachte wieder mehrere Minuten nach.

„Nein, im Umkreis von 10 Kilometern haben wir sicherlich nicht so etwas.“

Wir machten eine kurze Rast auf dem Parkplatz der Volks- und Raifeisenbank und frischten den Blutzuckergehalt ein wenig auf. Der Weg aus dem Ort hinaus war schnell gefunden, es ging zurück auf die Landstraße und weiter Richtung München. In Hohenlinden sollten wir dann tatsächlich noch einen Kaffee finden, die Welt hatte uns wieder und wir fühlten uns der Großstadt schon sehr nah.

München!

Willkommen im Stau! Mittlerweile war die Sonne komplett frei von Wolken und brannte mit gefühlten 50° Grad in den Klamotten nieder. Dann auch noch Stop and Go – nichts geht mehr. Ich bin erschöpft, das Wasser läuft innen am Anzug herunter und die VFR im dichten Stadtverkehr fährt wie ein Auto. Dank Koffern ist das Drängeln eingeschränkt, unschöne Worte kommen über meine Lippen.
Dann endlich – zu Hause.

Fazit: Eine toller Urlaub mit dem Motorrad. Aus meiner Sicht hätte es mehr Fahrtzeiten geben können, der Kompromiss war aber goldrichtig. Die Honda VFR hat sich wundervoll bewährt und ich habe jeden Kilometer mit ihr genossen und weiß seitdem das richtige Motorrad gekauft zu haben. Die Kombination aus Sport und Tourer ist toll! Im direkten Vergleich zur Honda Dominator: die Bremsen waren überall schön zu dosieren und ich hatte jederzeit den Eindruck gut unterwegs zu sein. Der Ausflug gen Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn war zwar toll, zeigt aber auch dass ich Autobahnen nicht mehr als mein zu Hause auf zwei Rädern akzeptiere. 650 Kilometer, die zu zweit geteilt wurden, waren ein tolles Erlebnis. Schön fand ich auch, dass ich Freude am Salzkammergut gefunden habe und das es bestimmt nicht mein letzter Ausflug in die Region.Die Klamotten der Sozia haben sich bewährt und haben dicht gehalten. Ich hätte diesen Funktionsumfang so nicht für möglich gehalten und wer Klamotten für Gelegenheitsfahrer sucht, scheint auch in der günstigeren Sparte beim Louis was sinnvolles zu finden.
Hätte ich nicht gedacht – Respekt!


Die Abziehvignette

„Willkommen in Österreich. Wenn sie auf den Autobahnen fahren möchten, erwerben sie bitte die Vignette“

So oder so ähnlich hallt die Stimme in meinem Kopf. Wenn es nach Österreich geht – Vignette nicht vergessen, alles klar. Dank des ADAC hatte ich diese schon Tage vorher von der warmen Couch zu Hause aus bestellt. Pünktlich kam die Vignette an und ich schaute in dem Heftchen, welches dem ganzen Paket beilag, wie die Vignette bei Motorrädern anzubringen ist. Es heisst so schön – ein nicht leicht zu tauschendes Teil am Motorrad und als Beispiel wird die eine kleine Zeichnung von der Gabel samt Anbringungsbeispiel gezeigt.

Mit einem Schuss Spiritus machte ich mich auf den Weg zu meinem Motorrad, reinigte die Gabel an der passenden Stelle und klebte die Vignette auf. Ich habe sicherlich einmal drüber gestrichen, zweimal – dreimal – hundertmal – ich bin mir ganz sicher.

Die ganze Österreichtour (4 Tage) klebte die Vignette an der Gabel. Nach zahllosen Stunden Fahrens im Regen und wieder in München angekommen, versuchte ich vorsichtig die Vignette zu lösen. Ganz einfach lies sie sich abstreifen, quasi abwischen. Ob die wohl noch lange durchgemacht hätte bevor sie einfach abgefallen wäre?

Liebe Österreicher – ich finde die Vignette ja durchaus auch nicht ganz schlecht aber lasst uns einen besseren Weg finden das Ding anzukleben – schließlich würdet ihr mir auch nicht glauben wenn ich in der Kontrolle behaupten würde, dass die Vignette abgewaschen worden wäre.

First aid … für Motorradfahrer

Es ist keine Pflicht für Motorradfahrer in Deutschland einen Verbandkasten oder Verbandtasche mitzuführen. Andere Länder sind dort deutlich weiter und schreiben das Mitführen eines Verbandpäckchens nach DIN vor. Wer es nicht dabei hat, wird zur Kasse gebeten. Österreich ist ein gutes Beispiel dafür. In Italien hingegen benötigt der Motorradfahrer keine Verbandtasche, dafür soll eine Warnweste mitgenommen werden; eine durchaus interessante Variation.

Vor dem Kauf der VFR hatte ich auf Touren oder längeren Ausflügen immer eine kleine Verbandtasche im Tankrucksack dabei. So ein Ding nimmt nicht sehr viel Platz weg, macht sich gut in einer der Seitentaschen des TRS und gut. Mit dem Kauf der VFR habe ich nun immer eine solche Verbandtasche bei mir, da es dafür einen eigenen, vorgesehenen Platz unter der Sitzbank gibt. Jetzt, unmittelbar vor dem Österreich Trip habe ich die überalterte Tasche entfernt und durch eine neue ersetzt. Mit rund 10 Euro ist man dabei und hat Ruhe für die nächsten Jahre.

Bei dem Entnehmen der alten Tasche kam mir die Idee zu diesem Blogeintrag. Sie einfach mal zu öffnen und abzulichten. In einer kurzen Nachfrage bezüglich der Mitnahme von solchen First Aid Kits auf Twitter kamen interessante Antworten (Auszug):

@rabenfeder:
„Frisches Verbandspäckchen für #motorrad gekauft. Bin ich eigentlich der einzige, der so ein Ding dabeihat?“

@_seitwaerts_:
@rabenfeder nein, ich hab normal auch eins dabei. ist doch eine gute sache, und so klein, dasz es immer platz findet

@MaxED9:
@rabenfeder hab auch eins dabei

@Hepolite:
@rabenfeder Hab‘ auch in jedem Bike eins unter der Sitzbank oder zur Not im Rucksack. In erster Linie um Helfen zu können :-)

Natürlich kamen auch Nachfragen wo ich das Ding denn lassen würde – die Antwort findet sich oben. Spannenderweise kam von keinem die Aussage, dass dies vollkommener Blödsinn sein und Motorräder schon seit Ewigkeiten nichts dieser Art dabei hätten. Aber Moment mal – meine VFR ist Baujahr 1998. Sie hat ein entsprechende Fach bereits ab Werk vorgesehen. Selbstredend hat meine Honda Dominator weder ein Verbandpäckchen noch den Platz irgendwo dafür. Für die Domifahrer gibt es die Möglichkeit das Ding anstelle des Fahrer Manuals vorne in die Miniverkleidung zu pappen.

Zwischenstand: Es gibt durchaus viele aktive Befürworter und bislang keinen offenen Gegner; Fragen des Ablageortes bleiben jedoch bestehen. Aus eigener Erfahrung weiss ich wie sinnvoll so ein Päckchen sein kann. Beim letztjährigen Honda Dominator Treffen hat sich jemand gut geschnitten, da taten es die Pflaster aus dem Päckchen und einer Sozia eines anderen Motorradfahrers konnte mit einer Mullbinde ausgeholfen werden, nachdem sie sich unschön am Auspuff verbrannt hat.

Der Inhalt von diesen Verbandspäckchen:

…ist nach DIN vorgeschrieben. Ich habe mein abgelaufenes Päckchen mal ausgekippt, den Inhalt von den Verpackungen befreit und fotografiert (von links oben nach rechts unten):

  • Beschreibung / Infobüchlein „Lebensrettende Sofortmaßnahmen“
  • Pflaster (Wundschnellverband)
  • Omni/Hansaplast Klebeband
  • 2x Verbandspäckchen – Mullbinden
  • Rettungsdecke (goldfarbene Alufolie)
  • Erste Hilfe Handschuhe („Aids Handschuhe“)
  • Verbandtuch
  • Verbandsschere

Alles ist mehr oder minder von alleine zu verstehen. Im Schnelldurchlauf heisst das: Pflaster für kleinere Schnitte, Schürfungen – ob das bei einem grösseren Unfall Sinn hat wage ich durchaus zu bezweifeln, für den Feld, Wald und Wiesn Unfall – ein Schnitt, beim Schrauben gezwickt – absolut sinnvoll. Die Rettungsdecke ist besser als ihr Aussehen. Die Dinger helfen wirklich und isolieren sinnvoll. Kann auch sinnvoll dazu verwandt werden tropfendes Öl aufzufangen. Die Dinger sind erstaunlich reissfest!

[Anmerkung und Edit: Nein, es ist nicht meine Absicht die Lehrgänge für die Sofortmaßnahmen einzustellen und stattdessen mit Büchern die Welt zu verbessern. Geht auf die Kurse – und zwar regelmässig! Als Referenzkarte halte ich die Dinger dennoch für sinnvoll – danke Juergen für die Anmerkung]

Dann nahm ich mir das kleine Büchlein vor. Es ist dort alles beschrieben und schön erklärt. Kleingeschrieben und in 10 Punkt Schrift bei Dunkelheit mit zittrigen Fingern vollkommen unleserlich dargestellt. Zudem liegt das Papierbüchlein komplett ungeschützt in der Verbandtasche. Nach ein paar Jahren im Motorrad wird hier vermutlich alles vergilbt sein und damit auch nutzlos sein. Wie schaut es denn mit einer eingeschweissten Version zum Auffalten aus? Kostet nicht so sehr viel mehr – wäre aber sinnvoll und haltbarer. Vielleicht würden ein paar Zeichnungen vieles auch noch besser darstellen – also, verbessern bitte! Sicherlich ist dieses Heft nach den letzten Erkenntnissen zusammengestellt und redaktionell sorgfältig geprüft worden.

Mein Vorschlag:

Ein paar eingeschweisste oder gummierte Karten mit Zeichnungen halte ich für deutlich besser. Einfache „Flowcharts“ was in welcher Reihenfolge getan werden sollte, sind doch einfach in Form von Icons und Strichmännchen darzustellen. Ich halte es durchaus für sinnvoll eine Unfallstelle gut abzusichern und zu markieren. Mit einer einfachen Seite ist das darzustellen, auf der Rückseite können dann weitere Maßnahmen vermerkt werden. Weitere Karten können dann das kleine Büchlein ablösen und auf lebensrettende Sofortmaßnahmen eingehen. Spiralbindung drum – fertig. Dabei finde ich es sinnvoll ein faltbares Warnzeichen auf reflektiver Folie beizufügen. Die Wärmedecke ist nicht groß im zusammengefalteten Zustand, kann aber groß entfaltet werden. Ein leuchtendes Dreieck im A4 Format ist sicherlich gut umzusetzen.

Mal sehen, vielleicht finden sich glatt ein paar Leute für eine Initiative für eine solche Kärtchensammlung. Im *.svg Format gezeichnet, gehostet bei github. Warum nicht?

Routenplanung – für das GPS und das Blog

oder auch: Komm wir machen eine Tour. Aber wie? Mit dem GPS ala eTrex oder einem Navi oder der alten Karte? Egal wie man es plant und später durchführt, der Blogger möchte es im Internet erfassen und darstellen. Andere Motorradfahrer möchten die Tour eventuell nachfahren und möchten zu dem jeweiligen Blogpost eine Karte mit der eingezeichneten Route sehen.

Damit beginnt das Problem und ich konnte es noch nicht zu meiner Zufriedenheit lösen. Das eTrex speichert einen Track mit, der sich leicht exportieren lässt. Das Navi speichert so etwas nicht mit, zumindest kann man aber mit entsprechender Software eine Route planen und diese anschliessend passend exportieren. Beide Varianten gefielen mir und ich begann mit den verschiedenen Darstellungsoptionen zu spielen. Google Maps bietet eine Kartenfunktion, die man zur Darstellung von Tracks verwenden kann. Das eigentliche Vorgehen ist dabei relativ einfach. Ich verwende gerne die Software RouteConverter, lade damit den Track, speichere ihn als Google URL und rufe das Dokument auf. Es öffnet sich ein Webbrowser mit dem Track, ich kopiere den vorgefertigten HTML Code und speichere ihn auf meiner Webseite im Blogeintrag. Fertig!

Ähnlich einfach geht es auch mit Openstreetmap. Aus dem obigen Programm speichere ich die Route (Selbstgezeichnet oder gefahren) als GPX Datei ab, installiere einmalig ein WordPress Plugin und binde die GPX Datei auf der jeweiligen Blogseite ein. Fertig!

Klingt auch einfach – in beiden Fällen habe ich eine zoombare Karte mit der eingezeichneten Route und der Leser kann sich hin- und herzoomen wie er mag. Er kann vergrösseren und -kleinern, eigentlich ist die Welt ganz ok. Aber nur eigentlich, denn beide Varianten benötigen dringend einen Haufen anderer Server zur Darstellung der Karten. Zudem leiten sie den Browser des Benutzers auf andere Seiten anderer Anbieter um,  ich empfinde das ebenfalls unschön. Von einer daraus entstehenden Abhängigkeit mal ganz abgesehen. Liebe OpenStreetMap Entwickler, ich weiss, dass ich alles auch auf meinem Server installieren kann, ich empfinde das jedoch als Overkill.

Bleibt nur noch der Export aus dem Programm in Form eines Bildes. Dort ist alles zu sehen – bei einer langen Tour jedoch alles unleserlich klein. Es scheint also nicht zur Lösung beizutragen.

Aber mal ehrlich, fahre ich eigentlich so…….

Nein, ich bin Kartenfahrer. Ich setze mich an einen Tisch und mit einem Stift in der Hand gleitet meine Hand über die Karte. Schöne Gegenden werden detailliert betrachtet, manchmal wird ein Ort im Internet nachgeschlagen, kurzum – das Vorplanen erfordert oft mehr Zeit als das eigentliche Abfahren der Tourstrecke selber. Wenn ich eine ungefähre Vorstellung habe wo ich hinfahren möchte, nehme ich eine Seite aus meinem Filofax und schreibe die Ort der Reihenfolge nach herunter – mit den Entfernungsangaben natürlich. Es entsteht so etwas wie ein Roadbook.

Daher wird es für solche Touren hier auch nur ein Foto des Filofax Zettels geben – keine digitalen Kartenausschnitte oder anderen Firlefanz. Von schönen Routen, die einfach durchs Fahren entstanden wird es nichts geben – sie sind einfach so entstanden.