Archiv der Kategorie: Mopics

Bilder, die im mobilen Betrieb geschossen wurden

Vernunft oder Leidenschaft

Als ich mir meine Honda Dominator 2010 im Mai kaufte, hatte ich gerade meinen Führerschein gemacht und suchte ein einsteigerfreundliches Motorrad mit wenigen Kilometern auf der Uhr. Die damalige Vorstellung ist einfach in Worte gefasst. Es sollte ein Einzylinder zum „Austoben“ werden, der einem nach 1-2 Stunden die Befriedigung gibt Motorrad gefahren zu sein. Die Maschine sollte eine grundlegende Geländefähigkeit mitbringen, der Soziusbetrieb war nicht Fokus. Auch die Tourentauglichkeit war kein besonderes Kriterium. Die damalige Aussage war, dass ich für Touren ohnehin keine Zeit hätte.

Nach knapp einem Jahr stehe ich wieder vor einer Entscheidungsfindung. Ich habe die Domi damals mit 4.500km erworben, jetzt zeigt der Tacho rund 10.500km an. Von den gefahren 6.000km wurden exakt 0 Kilometer im Gelände zurückgelegt, rund 70% des Fahrbetriebs fanden auf kleinen Touren rund um München statt. Der Soziusanteil stieg vollkommen unerwartet an und sollte derzeit bei rund 20% liegen. Zum Stichwort Befriedigung durch Einzylinder kann ich nur sagen: es stimmt. Ein blubbernder Eintopf befriedigt. Das gnadenlose Reissen an der Kette, der Sound im Tunnel beim Beschleunigen und der Sound beim Anbremsen auf Kurven im Schiebebetrieb können süchtig machen. Das ist kein Vergleich zur Fahrschul CBF 600, die sich total kultiviert und mit gutem Nähmaschinen Sound gab.

Weitere Emotionen sind gefragt, Aussehen – Liebe zur Technik und was noch? Der Tourenanteil wird in 2011 noch einmal deutlich ansteigen. Wir waren gerade 2 Tage unterwegs, vor Pfingsten werden es weitere 5 Tage werden und auch im späteren Verlauf des Sommers kann da durchaus noch was gehen.
An meiner Domi störte mich vor allem die fehlende Möglichkeit Gepäck unterzubringen. Ich gebe zu, dass dies auch nie so geplant war, es führt aber letztlich zum eigentlichen Punkt.

Ist es Zeit für ein neues Motorrad?

Einen gewissen Hang zur Nostalgie hatte ich schon immer. Bewährt sollte das neue Gefährt sein und derzeit sind zwei Modelle in der engeren Wahl. Honda CB Sevenfifty oder Honda VFR 800. An der CB Sevenfifty schätze ich das Aussehen, den Retrolook, der einen ganz besonderen Charme verbreitet. Sie scheint unendlich zu laufen, scheint vollkommen unkaputtbar zu sein und verfügt über eine gute Ersatzteil Versorgung. Es klingt alles sehr vernünftig wenn man zu sich sagt: „Ich möchte Honda CB Sevenfifty fahren.“
Aber so klingt das eben nur – da schwingen keine Emotionen mit, kein Herzkribbeln und auch wenig besondere Vorstellungen. Ein Naked Bike – wie unspannend. Wer in der Kombination des Modells mit dem Stichwort „Scheibe“ oder „Verkleidung“ nach Bildern bei Google sucht, sollte einen stabilen Magen mitbringen. Was dort an Hässlichkeiten angegezeigt werden, lässt sich nur schwer beschreiben. Ich möchte dem Leser hier die Bilder ersparen.

Ein anderes Modell von Honda hingegen füllt meine Stimme derzeit mit Leidenschaft. Eine kurze Testrunde brachte einen ersten Geschmack, nächste Woche werde ich das Modell hoffentlich auf einem kleinen abendlichen Ausflug fahren dürfen. Das Zaubermodell heisst: Honda VFR 800 RC46/I. Diese VFR ist ein Motorrad mit unzerstörbarem V4 Motor. Sanft summend im unteren Drehzahlbereich, dann röhrend und später fauchend. Knapp um die 100 PS zerren an der Kette und reiben das Gummi auf die Strasse. Es ist ausreichend Platz zum Sitzen vorhanden – sie ist rot.

Kurzum – ich bin verliebt.

Sollte man da auf seinen Verstand hören oder dem Kribbeln im Bauch vertrauen?