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1000 Kilometer Abenteuer – BMW F 800 GS Adventure

Die Testperiode ist mittlerweile vorbei und das Testmotorrad steht wieder bei BMW. In den paar Tagen bin ich rund 1000 Kilometer mit ihr gefahren, die Masse davon sicherlich im Regen und bei schlechtesten Bedingungen. In dieser Zeit konnte sie sich als Alltagsmotorrad, als Tourer oder als Sozia taugliches Gefährt beweisen. Die Abenteuer waren eher im Kleinen zu suchen, die große Weltreisetour fehlte, lange Enduro Etappen oder endlose Schotterwüsten ebenso. Das dürfte ungefähr dem Großteil der künftigen Fahrer in Deutschland entsprechen, die in der Zielgruppe liegen.

Irgendwoher kommt mir auch das Konzept bekannt vor: reisetauglich mit Enduro Genen, Zweizylinder und mit viel Zuladung. Ist die BMW eine neue Interpretation der Honda Africa Twin (XRV 750) nur mit ABS und allem drum und dran? Dieses Konzept ging damals sehr gut auf, schaut man auf den Gebrauchtbörsen im Internet sind Laufleistungen von mehr als 100.000 Kilometern keine besondere Ausnahme. 220 Kilogramm bei knapp 60 PS waren die damaligen Eckdaten der Honda – nicht berauschend aber dennoch findet man die Africa Twin überall, auch in den einsamsten Gebieten. Ist damit die BMW ein würdiger Nachfolger des Konzepts?

Der Slogan von BMW – „weltreisetauglich ab Werk“ stimmt sicherlich und eine solche Verwendung traue ich dem Motorrad sofort zu aber drängt sich für viele nicht eventuell der Wunsch als die Tat in den Vordergrund? Auf dieses Motorrad setzt man sich drauf, die Reise beginnt – über Serpentinen, Schotterwege, Feld- und Waldwege, ein bisschen Schlamm und Dreck – abends ankommen und den Kaffee direkt auf dem Lagerfeuer zubereiten. Macht man nach diesen Momenten der Phantasie die Augen auf, stellt man fest, dass man noch immer in der Tiefgarage steht und der Seitenständer ausgeklappt ist.

Schlüssel drehen, die Kontrolllampen blinken und fordern den Druck auf den Starttaster. Kräftig dreht der Anlasser durch und der BMW Zweizylinder erwacht mit sonorem Brummen zum Leben. Beeindruckend ist der ruhige Lauf des Aggregats, nichts schüttelt oder spotzt, vollkommen ausgeglichen und ruhig. Ehrlich bemerkt, irgendetwas in dieser Art hatte ich geahnt. Von BMW, egal ob Auto oder Motorrad, werden perfekte Motoren erwartet, ich fühlte mich an ein damaliges Auto von BMW erinnert.

Seitenständer rein, Gang einlegen und raus aus der Tiefgarage, die ersten Meter sind noch ein bisschen steif aber schon auf den ersten Metern fällt die Wendigkeit der BMW auf. Sie lenkt gerne ein, ist wunderbar handlich sobald sie rollt und hängt willig am Gas. Schalten ist zwar ein notwendiges Übel, so genau nimmt es der Motor aber nicht damit. Unter 2500 Touren ist sie ein bisschen unwillig, Höchstdrehzahlen mag sie auch nicht, dazwischen ist Druck in allen Lebenslagen vorhanden. Die 85 PS reichen in allen Lebenslagen mehr als aus sofern man keine Geschwindigkeitsrekorde aufstellen möchte.

Tour Würmtal – Starnberger See – Ammersee – Landsberg – Raisting

Auf geht es durch das Münchener Hinterland Richtung Seen und Hügel. Durch Gauting hindurch geht es in das Würmtal. Eine landschaftlich abwechslungsreiche Strecke entlang der Würm durch Felder, Wälder und über eine tolle Landstraße für Zweiräder. Ich habe kaum Verkehr vor mir und die F800 zieht durch die Kurven, dass es eine Freude ist. ich hatte das übliche Beiwerk eingeladen, welches ich üblicherweise für eine 1-wöchige Tour mitnehme. Aufgrund der ähnlichen Koffergrößen zur VFR konnte ich mir das Umpacken ersparen.

Es geht durch unzählige Kurven durch das 5 Seen Land, vorbei an Starnberg, Münsing, Seeshaupt bevor es mich auf der anderen Seite wieder nach Norden zieht. In einer weiten Schleife geht es über Dachau, Augsburg, Landsberg wieder Richtung Ammersee. Den krönenden Abschluss finde ich dann in Raisting an der Erdfunkstelle. Die BMW F 800 GS Adventure reiht sich in die Reihe der Hightech Gebäude prima ein und posiert für das eine oder andere Foto. Im Hintergrund werden die Berge sichtbar, die Sonne geht unter und ich habe definitiv genug Ausflug für heute. Die restliche Brotzeit genieße ich auf einer Bank und schaue der BMW und den Bergen zu. Es wird dunkel und die Nacht meldet sich langsam an.

Es ist das erste Mal, dass ich die Instrumente der BMW in der Dunkelheit sehe und mich nach ihnen richte. Kurzform: Alles was leuchten soll, leuchtet in der Helligkeit, die es haben sollte. Ein kurzer Druck auf den passenden Schalter und die LED Leuchten sind an und die Straße wird großflächig ausgeleuchtet, insbesondere das Erhellen zu den Seiten hin ist sehr hilfreich und erlaubt bei Waldwegen einen sicheren Weg durch die Dunkelheit zu finden. In Kombination mit dem sehr hellen Frontscheinwerfer wird so alles sinnvoll erleuchtet, kurzum – es ist kein Vergleich zu meiner Honda Dominator und dem Teelicht, welches man vorne hinter Glas stellt.

Zwischenfazit der Tour: Alles so wie es sein sollte, alles so wie ich es von BMW erwartet hätte. Die Koffer erlauben auch eine schnelle Autobahnpassage ohne das es pendelt, wackelt oder sonst wie auffällig wird. Das Navigationsystem hat wirklich hervorragend funktioniert, auch in den Städten wo ich kleinere Straßen suchte. Das Navigationsgerät scheint auf einem sehr aktuellen Stand zu sein und macht das Fragen nach dem Weg überflüssig. Das Einzige was eindeutig zu monieren ist, ist der Lagesensor des Navis welcher sehr feinfühlig agiert. In kleineren Kurven oder bei Beschleunigungsphasen neigt es dazu sich auf den Kopf zustellen. Das ist sicherlich wenig hilfreich für die Sicherheit, letztlich nervt es aber deutlich. Dies ist definitiv ein Kritikpunkt an dem BMW arbeiten sollte.

 

Mit der Sozia durch das 5 Seen Land

Nachdem die Sozia dieses Jahr sich erst einmal hinten auf die Honda Dominator zwängen konnte, freuten wir uns auf unseren kinderfreien Nachmittag und die BMW. Bei bestem Wetter ging es los – die Richtung war: 5 Seen Land. Irgendwie zieht es uns dort immer wieder hin und wir finden jedesmal neue Wege, neue Orte und neue Stellen wo es schön ist. Es bleibt nicht soviel zu diesem Abschnitt zu schreiben außer: Das Verhalten der BMW im Sozia Betrieb ist perfekt in allen Belangen. Es wackelt nichts, es pendelt nichts, alles ist spurstabil und fühlt sich sicher an. Einziges Manko: Das Aufsteigen für eine kleine Person hinten auf den Soziaplatz gestaltet sich oftmals als sehr interessant. Nach ein paar Malen haben wir den Dreh raus und Frust weicht der Entspannung. Stundenlang fahren wir über kleinste Straßen solange durch die Gegend bis uns schwindelig wird. In der Kombination von 1.92m Größe (ich) und Kurz-über-Erdnuckel (wer anders) passt das prima zusammen. Die Sozia kann über meine Schulter schauen und kann so aktiv mitgenießen und pünktlich das Gewicht verlagern. Das macht einen Riesenspaß und nach rund 2 Stunden ohne jegliche Pause fahren wir zu einem kleinen Bäcker und laden die Koffer mit leckerem Kuchen voll. Das ist definitiv auch ein Grund eine Adventure mit Koffern zu kaufen.

 

Tour ab in die Berge (Kochel)

War die BMW eigentlich einmal in den Bergen? Klar, war sie das. Zumindest bis zu den Bergen heran. In einem leichten Übermut, es hatte noch nicht geregnet an diesem Tag, machte ich mich nach Feierabend über kleinste Straßen auf den Weg nach Kochel am See. Mit jedem Meter, den es in Richtung Kochel ging, wurde das Himmel schwärzer und die Temperatur sank um einige Grad. Nach rund 1.5 Stunden Fahrt kam ich dann in Kochel an, bei Wolkenbruch, Blitz – so komisch kristallartigem Zeug auf dem Windschild. Na prima, das Portemonnaie lag irgendwo jedoch nicht in der Jackentasche, kneifen in Form von Einkehren galt also nicht: weiter! Ich habe mich dann noch einige Schleifen ganz tapfer durch das Voralpenland gekämpft, irgendwann war dann jedoch Schluss. Ende der Motivation, Ende der Wärmereserven, frustriert und damit auch sicherlich nicht mehr in bester Motorradverfassung. Die Umleitung einer überspülten Staatsstraße führte über eine Autobahn, Blinker passend gesetzt und ab auf die Bahn Richtung München.

Neben vielen persönlichen Erkenntnissen: Was ist geblieben von diesem Trip? Das kleine Notizbüchlein über die Testtage gibt folgendes wieder: Beleuchtung immer noch toll, LED Scheinwerfer durchaus hilfreich, Handling auf kleinsten, hügeligen Strassen sehr gut, Frontscheibe bietet realen Wetterschutz, Griffheizung funktioniert tadellos (nur 2 Stufen).

 

Gejammere auf hohem Niveau

Technisch hat mich die BMW in nichts überrascht und das meine ich positivsten Sinne. Um so nerviger sind die kleinen Dinge, die irgendwie nicht so recht in das Bild passen wollen. Der Drehwurm des Navis oder die falsch herum montierten Zugentlastungen der Koffer innen. Sicherlich sind das einzelne Problemchen, die bei den Serienfahrzeugen nicht mehr auftauchen werden. Ich hätte mir einen stabileren Blinkerschalter gewünscht, irgendwie hatte ich immer Angst beim Absteigen mit der Hose hängen zu bleiben und ihn schlicht abzureissen – es ist nie passiert.

Ein wenig unverständlich ist mir jedoch die Preispolitik beziehungsweise das Sonderzubehör. Zu der Adventure lassen sich folgende Pakete dazu buchen: Enduro Paket und Komfort Paket. Das Komfort Paket beinhaltet folgende Dinge: Bordcomputer (nett), Heizgriffe (aktuell sinnvoll), Hauptständer (muss). Das Enduro Pakete besteht aus folgenden Bestandteilen: ASC und Enduro Modus. Weiteres Zubehör gibt es auch: Alukoffer (toll!), Topcase Halterung (hm) und Navigationssystem (gut). Neben den aufgezählten „Highlights“ gibt es noch eine große Palette – einfach mal der BMW Seite nachsehen.

Wenn ich also eine BMW F 800 GS Adventure kaufen soll, stehe ich vor der Qual der Wahl. Sicherlich würde ich das Komfortpaket inklusive der Koffer nehmen. Beim Navigationsystem müsste ich das Finanzierungsangebot der hauseigenen Finanzministerin checken, den Enduro Mode würde ich nicht einpacken.

 

GS einfach oder Adventure?

Diese Frage muss jeder für sich selbst ausmachen. In einem direkten Vergleich punktet für mich die Adventure in folgenden Dingen: Windschutz durch Windschild und Seitenbacken, 24 Liter Tank, der damit um 8 Liter größer als bei der GS ist, serienmässiges ABS, verstärker Heckrahmen – für den Betrieb als Tourer. Ich würde mich im Falle der Entscheidung für das Adventure Modell entscheiden.

 

Mein Eindruck von der BMW F 800 GS Adventure

BMW hat mit der F 800 GS Adventure die Produktpalette sinnvoll erweitert und in dem mittleren Segment des Marktes eine Alternative geschaffen. Es ist dabei vollkommen egal ob das Motorrad auf ausgedehnten Touren durch Schweden oder durch das Voralpenland bewegt wird Das Abenteuer ist schließlich nicht das erfolgreiche Absolvieren eines Reisevorhabens sondern die Summe der einzelnen Erlebnisse auf dem Weg. Dieses Empfinden ist subjektiv und lässt sich nicht durch Hochglanzprospekte und Testberichte schaffen. Ich habe die Zeit mit der BMW sehr genossen, sowohl auf den kleineren Touren als auch im Alltag wo die Koffer schlicht praktisch waren. Durch entsprechendes Styling sprach mich auch keiner auf die Koffer an – so etwas gehört eben an eine Adventure. Fertig aus. Diese BMW kann Emotionen wecken, sie vermitteln und ist ein toller Begleiter für das Abenteuer egal ob in der Garage gefühlt oder unmittelbar erlebt. Ob sie die Nachfolge einer Honda Africa Twin antreten kann wage ich zu bezweifeln, ohne Laptop wird hier nichts mehr zu reparieren sein, in ein paar Jahren werden wir mehr wissen.

Dennoch – irgendwann während des Testzeitraums setzte ich mich auf meine Honda VFR 800, etwas ganz anderes – für mich fühlt es sich lebendiger an.

Anmerkung: Die Bilder des Artikels gibt es auch auf flickr in einer eigenen Gruppe zum Betrachten. Ich würde mich freuen wenn weitere Mitglieder den Weg in die Gruppe finden und so den Bilderpool vergrössern. Auf Anfrage können die Bilder gerne anderweitig verwendet werden.

Zu Gast: BMW F 800 GS ADVENTURE

Voila, darf ich vorstellen: BMW F 800 GS Adventure als Gast für zwei Wochen im Fuhrpark von einspuriges.de. Durch die Übernahme des Testzeitraums von zwei Wochen kam ich zu diesem Fahrzeug und seitdem fahren wir Kilometer für Kilometer durch die Republik. Die kommenden Tage werden daher immer wieder kleinere Blog Artikel aufweisen, die die einzelnen Erlebnisse und Erfahrungen wiedergeben. Am Ende möchte ich diesen Zeitraum dann gerne in einem größeren Artikel zusammenfassen und mir die Highlights rauspicken.

Das Ride Away Event von BMW fand am 16.05.2013 in München Garching statt. Die neue BMW F 800 GS in der Adventure Ausführung wurde vorgestellt, ein bisschen trist, das Wetter hätte durchaus auch besser sein können aber die Möglichkeit sämtlichen Verantwortlichen von BMW Motorrad ein Loch in den Bauch fragen zu können, machte die Veranstaltung sehr reizvoll. Das Zuhören ist ja manchmal auch durchaus eine Tugend und gehört nicht zur einfachsten Übung, vor allem wenn man weiss, das nebenan die fertigen Motorräder warten. Nach Abschluss der Veranstaltung gab es die Papiere und Schlüssel und das interessante Gefühl ein vollkommen neues Motorrad zu fahren.

… Schlüssel gehören hier hinein, Navi ist dort, die Koffer gehen so auf – Anziehen, draufsetzen, Spiegel einstellen, LED Lichter an – aus – an, sanft Gas geben und aus der Halle rollen …

An diesem Tag sollte noch nicht viel anstehen. Die BMW sollte zu mir nach Hause, dort wartete leider noch etwas Arbeit auf mich. Dennoch, der Mensch braucht ja auch mal eine Pause und ich fand mich auf der BMW wieder. Hier meine ersten Eindrücke von den ersten Kilometern.

Der Motor ist unglaublich elastisch und spricht sehr spontan an. Vom Sound gibt es nicht sonderlich viel zu erwarten, begeistert hat mich auf den ersten Kilometern der gesamte Antriebsstrang. Es ruckt nichts, die korrekte Bezeichnung wäre vermutlich: es fliesst dahin. Die Adventure Features konnte ich auf den ersten Kilometern bei dem Schmuddelwetter auch teilweise geniessen: das Zeug wie die Fotoausrüstung, Laptop und andere Kleinteile blieben trocken in den Seitenkoffern. Das Windschild machte einen guten Eindruck und hielt den Regen weg. Die Protektoren hielten die Handschuhe trocken und die Griffheizung hielt die Finger warm. Nicht benötigt wurden die Motorschutzbügel – das Enduro Programm bot sich bei dem Zustand der einen oder anderen Strasse nach dem Winter jedoch durchaus an, ….

Nach rund einer Stunde Fahrt und den ersten Erlebnissen stand sie tickernd in der Garage.

P.S.: Nach Abschluss des Zeitraums stelle ich auf flickr einen Bilderpool mit Bildern unter CC BY bereit. Bitte daher nicht Bilder von hier verwenden, bzw. vorher anfragen.

Meine geliebte Rukka Jacke, endlich mit Rückenprotektor

Rukka Athos mit Sas-Tec Level 2 Protektor
Einmal umdrehen, dann passt er – Sas-Tec Rückenprotektor

Meine Rukka Jacke ist toll. Ich werde nicht vergessen wie ich zitternd die EC Karte zur Bezahlung über den Tresen schob. So viel Geld – für ein Stück Stoff (549.- €). Natürlich weiss ich, dass man viel mehr ausgeben kann – aber nicht vielleicht immer möchte oder dazu in der Lage ist. Rukka Athos, so der klingende Name des Textils. Diese Jacke hat mir bislang treue Dienste geleistet, egal ob bei Wolkenbrüchen oder in der sengenden Sonne von Kurvistan. Die Jacke fühlt sich „sicher“ an und damit sind wir genau beim Punkt. Sicherheit und Motorradfahren lassen sich nur begrenzt miteinanderkombinieren. Sollte es doch gelingen, dann in relativ eng abgesteckten Bereichen und ein großer Teil dieser Sicherheit ist subjektive Sicherheit.

Die Jacke bietet diese Sicherheit – zumindest subjektiv gefühlt. Leider hat Rukka es nicht auf die Reihe bekommen dieser Jacke einen vernünftigen Level 2 Rückenprotektor zu verpassen. Der originale Rückeneinsatz ist eine luftige Matte, die den Namen Protektor nicht verdient. Rukka RVP Air Rückenmatte – ein freundliches Gitter aus Kunststoff, das Level 1 erfüllen soll. An den Schultern und Ellbogen lass ich mir das eingehen, am Rücken sollte jedoch was anständiges sein oder kurz: das Beste und das ist derzeit eben Level 2.

Wohl gefühlt habe ich mich mit der Matte nicht. Um das Manko dieser Jacke auszugleichen fahre ich daher mit einem umschnallbaren Rückenprotektor. Das Ding ist deutlich länger und deckt auch den Bereich des Steissbeins mit ab. Zudem ist es ein Protektor, der die Wirbelsäule und durch breiteren Schnitt unten auch das Becken schützen soll. Sieht komisch aus, trägt sich aber prima und wird für längere Strecken definitiv erste Wahl bleiben.

Für die kleineren Strecken war das Ding jedoch immer störend. Noch ein Stück Krams zum Rumtragen wenn man in die Stadt fährt, Fahren ohne Rückenprotektor kommt für mich jedoch nicht in Frage (aus subjektiver, gefühlter Sicherheit..). Das Problem wurde jedoch endlich mal gelöst. Nicht von Rukka sondern von Sas-Tec. Ein Rückenprotektor der umgedreht haargenau in die Rukka Jacke passt. Danke! Das Ding fühlt sich gut an, kostet 25 Euro bei Tante Luise und hört auf den schönen Namen: Sas-Tec Rückenprotektor SC-1/15 Gr.XL (link).

Fazit: Kaufen, trägt sich gut, weist Level 2 Prüfung auf.

Endlich.

Subjektives über die Digitalfotografie – meine G9

Ich konnte mit der Digitalfotografie nie richtig warm werden. Weder die vereinfachte Massenproduktion noch das entspannte Sortieren und Verschieben in digitalen Fotoalben konnten mich davon überzeugen, dass die digitale Fototechnik die Zukunft ist. An meinem Grundsatz niemals eine digitale Spiegelreflexkamera zu kaufen halte ich nach wie vor eisern fest.
Die Entscheidung mit der Holga sowie der Rolleicord wieder und wieder Film zu belichten war definitiv richtig und wichtig. Nichts ist befriedigender als einen vollkommen unbekannten, belichteten Film aus dem Wasser der Entwicklerdose zu ziehen, das Wasser abzustreifen und den zarten oder auch kräftigen Negative beim Trocken zu zu sehen.
Der Lohn ist ein nachfolgender Kontaktabzug, das Identifizieren von vergrößerungswerten Negativen und der folgenden Krönung – dem Abzug in „Groß“ und das Hängen in der Wohnung. Wundervoll und unbeschreiblich.

Irgendwie hatte ich seit der Geburt meines Sohnes jedoch auch immer eine Digitalkamera an meiner Seite. Die erste Kamera war eine Sony DSC-P1, es folgte eine billige Kamera von Sony, dann irgendwann erfolgte der Kauf einer Canon Powershot G9 (Schuld war dieser Artikel). Unterbrochen von vielen, vielen analogen Bildern entdecke ich meine heilige G9 wieder. Ein unglaubliches Stück Fototechnik mit so vielen Zicken und Problemen, dass sie mit einer Analogkamera verglichen werden kann. Ab 200 ISO rauscht die Kamera derart intensiv, dass man sich fragt wo man diese Funktionalität abschalten kann. Bei 1600 ISO ist das Rauschen so stark, dass man die Bilder nicht mehr ansehen kann ohne dass man besondere psychodelische Erlebnisse durchlebt.
Wandelt man diese Bilder jedoch in Schwarz Weiss um, erhält man ein exaktes Abbild eines Ilford HP5 Plus gepushed auf 1600. Ich habe bei mir einige Abzüge, die das voll bestätigen können. Jedesmal wenn ich diese Bilder sehe, finde ich diese Spur Begeisterung in mir. ISO 800 bildet einen HP5+ ohne Push ab.

Um schnell mit dem Glauben „Diese Kamera macht gute Bilder“ aufzuräumen, sei angemerkt, dass dies nur eine Eigenschaft der Kamera ist. Als bekennender Analogfotograf weiss ich selbstverständlich, dass der Fotograf für das Bild verantwortlich ist.

Es macht einfach viel Spaß mit der G9 zu arbeiten. Dazu gehört das „Alles Dabeihaben“, also das Gesamtpaket und die Haptik der Kamera. Es ist keine leichte Kompakte, es ist ein solider Block Metall, der schwer und gut griffig ist. Alle Einstellmöglichkeiten sind einfach zu erreichen, dank großer Einstellrädchen für ISO und Programm, dank des Drehrades hinten auf der Kamera für die Navigation durch die Menüs.

(Anmerkung: *ugh* – Handy Kamera – sorry, für die Qualität)

Damit es dann „meine“ Canon G9 wird, wurden ein paar Modifkationen am Gehäuse durchgeführt. Leider sind diese nicht mehr erhältlich, falls jemand seine G9 jetzt umbauen möchte. Dazu gehört der spezielle Grip Handle sowie der Thumbrest. Diese machen die Kamera deutlich griffiger und das Handling fällt damit deutlich einfacher. Zusammen mit einem Lensmate oder Canon Tubus für mögliche Filter wird diese Kamera zu einem prima Arbeitswerkzeug für viele Anlässe. Für ernsthafte Aufgaben oder auch nur dem ambitionierten Fotografieren verwende ich daher immer den Adapter meist ohne Filter und nur mit Sonnenblende. Damit ist jegliche Kompaktheit flöten – es bleibt eine prima zu bedienende Kamera, die alle Aufgaben mit Bravur lösen kann (sofern man einige Regeln beachtet – siehe später…)

Bildqualität oder wichtige Einstellungen
Die Canon G9 Powershot hat ihr besonderes Eigenleben mit dem man umgehen muss wenn man gute Bilder aufnehmen möchte. Die Kombination von Objektiv, Sensor und Firmware funktioniert besonders gut bei Blende 4.5. Das Motiv wird sehr fein detailliert abgebildet, hier scheint die größte Schärfe des Objektivs zu liegen. Für alle, die diesen Bereich suchen, sei hier der Betrieb im Modus AV empfohlen. Man wählt hier die Blende und die Kamera errechnet die passende Verschlusszeit. Sollte keine Verschlusszeit errechnet werden können, muss gebenenfalls mit der ISO Einstellung (Drehrad oben links) korrigiert werden.
Das bringt uns zu der ISO Einstellung der Kamera. Die Canon Powershot G9 kann eine unglaublich hohe Abbildungsqualtität bei ISO 80 erreichen. Ein Rauschen oder sichtbare Artefakte fehlen komplett, es ist daher anzustreben ISO 80 wann immer möglich zu verwenden.

  • ISO 80: perfekte, rauschfreie Abbildungen
  • ISO 100, 200: gute Abbildungen, Rauschen nimmt stetig aber beherrbar, insbesondere in den Schattenbereichen zu.
  • ISO 400: Ekliges, grieseliges Rauschen. Insbesondere nervig bei Innenaufnahmen. Am besten Finger davon
  • ISO 800, 1600: Ilford HP5+ Mode – die Bilder sind stark verrauscht, wirken jedoch in s/w als Replica des Ilford HP5+ gut, als Stilmittel voll verwendbar
  • ISO 3200: einfach vergessen – vielleicht als 8 Bit Retro Pixelmode zu verwenden

Funktionalitäten wie Video oder Digitalzoom kann man schlicht vergessen. Es soll Menschen geben, die mit diesen Einstellungen Erfolg haben – ich kann mit den Ergebnissen nichts anfangen. Der eingebaute Blitz ist erstaunlich stark und gut einstellbar. Die Blitzlichtmenge lässt sich gut dosieren der Blitz hat jedoch einige Einschränkungen. Durch die kompakte Bauform liegen Kamerablitz und Objektiv sehr dicht beisammen, das führt schnell zu roten Augen. Die Abbildungen von Personen im Blitzbetrieb wirkt daher schnell „platt“. Bei der Verwendung des Lensmate oder Canon Adapters entsteht bei Nahaufnahmen in Folge der Bauform der Kamera schnell ein Objektivschatten. Die G9 frisst freundlich jedes Canon Speedlite – das Ausprobieren der verschiedenen Speedlites ist ein besonderes Erlebnis. Egal ob 500er, 400er oder 200er Serie – alles ist ein deutlicher Gewinn an Variabilität und Qualität. Sicherlich sieht ein 530er auf einer G9 etwas überdimensioniert aus, die Ergebnisse sind jedoch richtig gut und lassen jede DSLR mit Popup Blitz richtig alt aussehen. Vor allem wenn man den Blitz abgesetzt betreibt – irgendwann zahlt sich die Investition in die Einzelkomponente doch aus. Für den deutlich variableren Betrieb reicht das kleinste Speedlite 270EX II vollkommen aus. Klein leicht, prima transportabel und dennoch mit Leitzahl 27 ausreichend hell. Als Slave kann das 270er abgesetzt betrieben werden, das lässt sich bei Familienfeiern mit Standup Aufstellung (Hochzeit, Taufen, Kommunion und sonstigen Kram) super nutzen. Sonst einfach nur Blitz in die Hand nehmen und deutlich neben der Kamera platzieren. Empfehlung: Unbedingt nachkaufen!

Schlussgedanken
Nach einem weiteren Urlaub mit vielen Erinnerungen und viel Zeit mit der G9 habe ich erneut eine emotionale Bindung zu ihr gefunden. Die Vielfalt der Möglichkeiten, gepaart mit der Haptik und dem Erlebnis G9 verbinden. Ich werde mir weiterhin keine digitale Spiegelreflexkamera kaufen – ob ich mich allerdings lange gegen die Canon Powershot G1X wehren kann, weiss ich auch nicht. Die müsste man mal länger in der Hand haben, um zu erspüren ob sie ein würdiger Nachfolger für meine G9 ist.

In der Summe der Einzelpreise inkklusive der „Pimp-ups“ liegt meine Powershot G9 natürlich auf Preisniveau einer DSLR. Dennoch – entweder als kleine(re) Kompakte für unterwegs oder zum ernsthaften Fotografieren erfüllt die G9 meine Ansprüche. Wenn ich es komplett „ernst“ meine, kann ich mir den Punk der Dunkelkammer ja wieder antun. In der Kombination mit der Rolleicord, Belichtungsmesser und dem passenden Film gibt das denn wirkliche Qualität – mit dem Preis des zeitlichen Aufwands.

Für das Motorrad und die Erlebnisse hätte ich deshalb gerne beides: Eine kleine kompakte Kamera und tolle Qualität. Maßgeblich Qualität, die ich beeinflussen möchten – daher G9.

Nachsatz: Mal ehrlich. Die G9 ist nun schon diverse Jahre alt und bietet immer noch sehr viel für ihr Geld. Ob das „Update“ auf eine G12 oder eine G1X wirklich erforderlich ist, ist mir nicht klar. Vielleicht sollte man daher auch nicht sehr viel auf die Testberichte über Digitalkameras geben. In einem englischen Buch über Fotografie fand ich immer wieder den Satz: „Know your camera“. Das dauert einfach seine Zeit und benötigt viele Aufnahmen und Experimente. Das lässt sich vielleicht nicht in einem Testzeitraum von wenigen Wochen abbilden.

Nachnachsatz: Am Wochenende freue ich mich auf ein besonderes Event. Dank Akkreditierung komme ich vermutlich richtig nah ran – mal sehen was so geht – egal mit welcher Kamera. Kreativität benötigt Arbeitsmaterialen – die Idee ist jedoch ausschlaggebend. Da halte ich es mit Chase Jarvis: The Best Camera is the One That’s with You.

Die Sache mit dem Tankrucksack…

Das mit dem Tankrucksack ist so eine besondere Sache. Einerseits machen die Dinger ein Motorrad nicht unbedingt schöner, andererseits ist es eine der wenigen vernünftigen Methoden Gepäck auf dem Mopped zu transportieren. Im Grunde genommen haben die Dinge sogar ihre Sonnenseiten: Auf langen Strecken kann man sich ein wenig dagegen lehnen, was insbesondere auf sportlicheren Maschinen für ein wenig Entlastung der Arme sorgt.

Der Kartenausschnitt ist sicher verstaut und auch der Schokoriegel für die Pause findet seinen Platz. Alles in allem – doch gar nicht so übel. Natürlich hat so ein Ding auch seine Schattenseiten und die sollten hier doch auch mal hemmungslos dargestellt werden. Das Kartenfach – zumindest als solches bezeichnet – soll die Karte festhalten und gut lesbar präsentieren. Bei nahezu allen Modellen, die ich in der Hand hatte, dient das Fach lediglich dazu einen soliden Spiegel unterhalb des Fahrerhelms anzubringen. Von alleine hat das noch nie gepasst, durch Drücken, Pressen und Quetschen des Inhalts wurde das Ding so in Form gebracht, dass die Karte dadurch wieder lesbar wurde. Während der Fahrt hat das wirklich nur in den seltensten Fällen vernünftig geklappt. Anhalten, Pressen, Drücken und Schieben – die nächsten 5-6 Abzweigungen gemerkt und weitergehts.

Auf sollte man den berühmten Regenschutz nicht verschweigen. Die Tankrucksäcke sind in den seltensten Fällen wirklich regendicht. Daher liefern die findigen Hersteller eine Regenabdeckung, die irgendwo innen im TRS verstaut werden kann, mit. Wenn man einen grössenverstellbaren Tankrucksack hat, heisst dies Flattern bei kleinerer Grösse, da das Volumen der Hülle nicht ausgefüllt wird oder zu klein sein wenn man den Rucksack mal wirklich vollgepackt hat.

Ok, hier ist ein Modell, welches den Nörgeltest von mir bestanden hat. Gekauft habe ich es mir ursprünglich für eine Honda Dominator, die über einen stark gewölbten Tank verfügt. Mit dem Kauf der Honda VFR 800 bekam ich vom Käufer einen kleinen Tankrucksack mit, dieser erwies sich schnell als zu klein. Wunder, oh Wunder – der Tankrucksack, der für speziell gewölbte Tanks von Enduros gedacht ist, passt wie angegossen und sitzt bombenfest. Sehr ordentlich! Gemeint ist der Tankrucksack Tuareg Spezial von Hein Gericke.

Tankrucksack - Tuareg Spezial auf Honda VFR 800
Das Anwendungsbeispiel – passt wie angegossen.

Vorne wurde der Tankrucksack an der Gabelbrücke mit einem Spanngurt mit Schnappverschlüssen befestigt. Gehalten wird er durch Magnete sowie durch zwei Klettspanngurte hinten. Das Ding sitzt damit bombenfest, es wackelt nichts – dank der Tourenscheibe ist bei normaler Fahrt der Regenschutz überflüssig. Das Ding hat 25 Liter Volumen im erweiterten Zustand und kostet rund 50 Euro. Lediglich der Tacho verschwindet leicht dahinter, zum genauen Ablesen muss ich mich kurz aufrechter hinsetzen – sonst passt alles.

Kurzfazit
Name: Tuareg Spezial von Hein Gericke
Kosten: ~ 50 Euro
Ergebnis: Nicht nur für die Honda Dominator – auch für die VFR der ideale Tankrucksack und für kleine Touren komplett ausreichend.

Sinn und Unsinn von Trinksystemen

Über den Sinn und Unsinn von Trinksystemen auf dem Motorrad lässt sich sicherlich prima streiten. Vermutlich sogar noch besser als über Kettenschmiersysteme. Allerdings habe ich den Verdacht, dass hier die Gefühle noch weiter auseinandergehen werden. Wer braucht den sowas? Was für ein Schwachsinn? Ich nehme doch nicht noch ein Klump mit! Man kann auch anhalten und was trinken.

Dies sind natürlich nur vorgestellte Reaktionen, ich könnte mir gut vorstellen, dass die Realität noch deutlicher ausfällt. Auf meinem Trip ins Salzkammergut hätte ich sowas gut brauchen können. Stauige Fahrt auf der Autobahn, die definitiv keine Alternative hat. Zumal ich von A nach B auf direktem und kürzestem Weg wollte und nicht schöne tolle Landschaft anschauen wollte. Bei Tempo 60 km/h zwischen den Auto durchschlängeln ist neben dem rechtlichen Aspekt auch nicht meins und so wurde ich über Stunden dahingeröstet. Ganz sanft, in meinen schwarzen Klamotten auf einem Motorrad, welches die Abwärme selber nicht los wurde und von unten mit rund 100° Grad nachheizte. Zu diesem Moment dachte ich mir: SCHÖN, wenn ich jetzt was trinken könnte.

Natürlich hatte ich was zu trinken dabei – während der Fahrt ging das aber nicht vernünftig und anhalten wollte ich nicht – es fuhr doch gerade einmal! Als ich irgendwann abends zurück gefahren bin, wurde es zwar merklich kühler aber der Akku von mir war auch definitiv leer – vollkommen. An einer Tankstelle nahm ich endlose Flüssigkeit zu mir und es begann mir besser zu gehen. Problem dabei: Der Körper kann das Wasser nicht „festhalten“ – einen großen Wasserverlust kann man also durch einmal Viel-Trinken nicht ausgleichen.

Auf einem Geländetraining mit der Honda Dominator ging es den Teilnehmern ähnlich. Die Crosshelme erlauben das Trinken aus Flaschen für Fahrrädern vorzugsweise mit Trinkhalm zum kräftigen Drücken. Für mich stand danach der Entschluss fest: Ein Trinksystem schaue ich mir an – gesagt getan! Genaue Details folgen, fest steht für mich aber: Auf längeren Touren, nie mehr ohne.