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Fahrer einer Vespa GTS 300 Super

*Vrrroooooom* – *Vrrooooom*

Nach langer Abstinenz, dem Verkauf aller Motorräder – auch meiner geliebten VFR ist es still geworden. Das Blog ist eingeschlafen, klar ohne Mopped passierte auch nichts mehr in diesem Blog.

und nun?

Private Veränderungen. Der Wunsch wieder unterwegs zu sein, in München, im Umland – vielleicht die eine oder andere Tour. Eigentlich wollte ich mir eine Honda CRF 250 L kaufen aber die Zuladung war mir zu klein, ein bisschen Wetterschutz hätte ich auch gerne gehabt. Egal – nun ist es etwas anderes geworden und hier kommt wieder Leben in die Bude!

Vesp(a)rochen!

Vespa GTS 300 Super 2013 Modell
Vespa GTS 300 Super 2013 Modell

*klick* – die Batterie ist leer

Batterien sind überbewertet. Vor allem bei Motorrädern. Elektronische Helferlein auch, irgendwie wird im Laufe der Jahre alles anders und irgendwann muss die tapferste Batterie getauscht werden. Nach rund 7 Jahren ist die Batterie der VFR doch schon arg runtergerockt und Ersatz steht an. Was kauft man denn so mittlerweile? Gel Batterien? Lithium Ionen Batterien – welche Marke?

Obwohl die Batterie immer wieder aufgeladen wurde, scheinen diese Dinger einfach ein definiertes Lebensende zu haben. Nun gab es noch einmal eine freundliche Behandlung und in absehbarer Zeit vermutlich den Austausch.

Vielleicht sollte das nächste Mopped dann einfach keine Batterie besitzen – dann ist das Thema doch auch durch. Was bleibt denn da an Optionen? KTM LC4? Vespa V50. Oh, wir sprachen von Motorrädern.

Anyway – heute abend lebt die VFR wieder – ich freue mich drauf. Am besten schlafe ich heute schon mit Helm.

Beziehungen – Eine Liebe zieht weiter….

Mit Motorrädern ist es ja irgendwann wie mit Beziehungen, sie wachsen über die Zeit immer enger zusammen und nach einigen Jahren ist man zu einem Paar geworden. So war das auch mit meiner Liebe zur Honda Dominator, dem Eintopf.

Aber auch im richtigen Leben erscheint ab und zu eine Liebesbeziehung, etwas was irgendwie mehr reizt, einem mehr gibt und schon fliegen Schmetterlinge und eine neue große Liebe entsteht und hält für ewig. Und wenn sie nicht ….

Heute ging eine Liebe für mich zu Ende – die Honda Dominator ist verkauft worden und damit schliesst sich ein Kapitel eines Buches. Liebes Domitier mache es gut, sei dem Nachbesitzer auch so treu und schenke ihm schöne Touren und eine schöne Zeit. Ich habe viel auf dir gelernt, über das Leben, die Liebe und was es heisst Motorrad zu fahren. Der Alexander (@pistonpin) brachte dich damals in Spiel und es war genau das richtige Motorrad zu diesem Zeitpunkt.

Ich wische nun meine Tränen beiseite und winke dir noch ein bisschen nach.

1000 Kilometer Abenteuer – BMW F 800 GS Adventure

Die Testperiode ist mittlerweile vorbei und das Testmotorrad steht wieder bei BMW. In den paar Tagen bin ich rund 1000 Kilometer mit ihr gefahren, die Masse davon sicherlich im Regen und bei schlechtesten Bedingungen. In dieser Zeit konnte sie sich als Alltagsmotorrad, als Tourer oder als Sozia taugliches Gefährt beweisen. Die Abenteuer waren eher im Kleinen zu suchen, die große Weltreisetour fehlte, lange Enduro Etappen oder endlose Schotterwüsten ebenso. Das dürfte ungefähr dem Großteil der künftigen Fahrer in Deutschland entsprechen, die in der Zielgruppe liegen.

Irgendwoher kommt mir auch das Konzept bekannt vor: reisetauglich mit Enduro Genen, Zweizylinder und mit viel Zuladung. Ist die BMW eine neue Interpretation der Honda Africa Twin (XRV 750) nur mit ABS und allem drum und dran? Dieses Konzept ging damals sehr gut auf, schaut man auf den Gebrauchtbörsen im Internet sind Laufleistungen von mehr als 100.000 Kilometern keine besondere Ausnahme. 220 Kilogramm bei knapp 60 PS waren die damaligen Eckdaten der Honda – nicht berauschend aber dennoch findet man die Africa Twin überall, auch in den einsamsten Gebieten. Ist damit die BMW ein würdiger Nachfolger des Konzepts?

Der Slogan von BMW – „weltreisetauglich ab Werk“ stimmt sicherlich und eine solche Verwendung traue ich dem Motorrad sofort zu aber drängt sich für viele nicht eventuell der Wunsch als die Tat in den Vordergrund? Auf dieses Motorrad setzt man sich drauf, die Reise beginnt – über Serpentinen, Schotterwege, Feld- und Waldwege, ein bisschen Schlamm und Dreck – abends ankommen und den Kaffee direkt auf dem Lagerfeuer zubereiten. Macht man nach diesen Momenten der Phantasie die Augen auf, stellt man fest, dass man noch immer in der Tiefgarage steht und der Seitenständer ausgeklappt ist.

Schlüssel drehen, die Kontrolllampen blinken und fordern den Druck auf den Starttaster. Kräftig dreht der Anlasser durch und der BMW Zweizylinder erwacht mit sonorem Brummen zum Leben. Beeindruckend ist der ruhige Lauf des Aggregats, nichts schüttelt oder spotzt, vollkommen ausgeglichen und ruhig. Ehrlich bemerkt, irgendetwas in dieser Art hatte ich geahnt. Von BMW, egal ob Auto oder Motorrad, werden perfekte Motoren erwartet, ich fühlte mich an ein damaliges Auto von BMW erinnert.

Seitenständer rein, Gang einlegen und raus aus der Tiefgarage, die ersten Meter sind noch ein bisschen steif aber schon auf den ersten Metern fällt die Wendigkeit der BMW auf. Sie lenkt gerne ein, ist wunderbar handlich sobald sie rollt und hängt willig am Gas. Schalten ist zwar ein notwendiges Übel, so genau nimmt es der Motor aber nicht damit. Unter 2500 Touren ist sie ein bisschen unwillig, Höchstdrehzahlen mag sie auch nicht, dazwischen ist Druck in allen Lebenslagen vorhanden. Die 85 PS reichen in allen Lebenslagen mehr als aus sofern man keine Geschwindigkeitsrekorde aufstellen möchte.

Tour Würmtal – Starnberger See – Ammersee – Landsberg – Raisting

Auf geht es durch das Münchener Hinterland Richtung Seen und Hügel. Durch Gauting hindurch geht es in das Würmtal. Eine landschaftlich abwechslungsreiche Strecke entlang der Würm durch Felder, Wälder und über eine tolle Landstraße für Zweiräder. Ich habe kaum Verkehr vor mir und die F800 zieht durch die Kurven, dass es eine Freude ist. ich hatte das übliche Beiwerk eingeladen, welches ich üblicherweise für eine 1-wöchige Tour mitnehme. Aufgrund der ähnlichen Koffergrößen zur VFR konnte ich mir das Umpacken ersparen.

Es geht durch unzählige Kurven durch das 5 Seen Land, vorbei an Starnberg, Münsing, Seeshaupt bevor es mich auf der anderen Seite wieder nach Norden zieht. In einer weiten Schleife geht es über Dachau, Augsburg, Landsberg wieder Richtung Ammersee. Den krönenden Abschluss finde ich dann in Raisting an der Erdfunkstelle. Die BMW F 800 GS Adventure reiht sich in die Reihe der Hightech Gebäude prima ein und posiert für das eine oder andere Foto. Im Hintergrund werden die Berge sichtbar, die Sonne geht unter und ich habe definitiv genug Ausflug für heute. Die restliche Brotzeit genieße ich auf einer Bank und schaue der BMW und den Bergen zu. Es wird dunkel und die Nacht meldet sich langsam an.

Es ist das erste Mal, dass ich die Instrumente der BMW in der Dunkelheit sehe und mich nach ihnen richte. Kurzform: Alles was leuchten soll, leuchtet in der Helligkeit, die es haben sollte. Ein kurzer Druck auf den passenden Schalter und die LED Leuchten sind an und die Straße wird großflächig ausgeleuchtet, insbesondere das Erhellen zu den Seiten hin ist sehr hilfreich und erlaubt bei Waldwegen einen sicheren Weg durch die Dunkelheit zu finden. In Kombination mit dem sehr hellen Frontscheinwerfer wird so alles sinnvoll erleuchtet, kurzum – es ist kein Vergleich zu meiner Honda Dominator und dem Teelicht, welches man vorne hinter Glas stellt.

Zwischenfazit der Tour: Alles so wie es sein sollte, alles so wie ich es von BMW erwartet hätte. Die Koffer erlauben auch eine schnelle Autobahnpassage ohne das es pendelt, wackelt oder sonst wie auffällig wird. Das Navigationsystem hat wirklich hervorragend funktioniert, auch in den Städten wo ich kleinere Straßen suchte. Das Navigationsgerät scheint auf einem sehr aktuellen Stand zu sein und macht das Fragen nach dem Weg überflüssig. Das Einzige was eindeutig zu monieren ist, ist der Lagesensor des Navis welcher sehr feinfühlig agiert. In kleineren Kurven oder bei Beschleunigungsphasen neigt es dazu sich auf den Kopf zustellen. Das ist sicherlich wenig hilfreich für die Sicherheit, letztlich nervt es aber deutlich. Dies ist definitiv ein Kritikpunkt an dem BMW arbeiten sollte.

 

Mit der Sozia durch das 5 Seen Land

Nachdem die Sozia dieses Jahr sich erst einmal hinten auf die Honda Dominator zwängen konnte, freuten wir uns auf unseren kinderfreien Nachmittag und die BMW. Bei bestem Wetter ging es los – die Richtung war: 5 Seen Land. Irgendwie zieht es uns dort immer wieder hin und wir finden jedesmal neue Wege, neue Orte und neue Stellen wo es schön ist. Es bleibt nicht soviel zu diesem Abschnitt zu schreiben außer: Das Verhalten der BMW im Sozia Betrieb ist perfekt in allen Belangen. Es wackelt nichts, es pendelt nichts, alles ist spurstabil und fühlt sich sicher an. Einziges Manko: Das Aufsteigen für eine kleine Person hinten auf den Soziaplatz gestaltet sich oftmals als sehr interessant. Nach ein paar Malen haben wir den Dreh raus und Frust weicht der Entspannung. Stundenlang fahren wir über kleinste Straßen solange durch die Gegend bis uns schwindelig wird. In der Kombination von 1.92m Größe (ich) und Kurz-über-Erdnuckel (wer anders) passt das prima zusammen. Die Sozia kann über meine Schulter schauen und kann so aktiv mitgenießen und pünktlich das Gewicht verlagern. Das macht einen Riesenspaß und nach rund 2 Stunden ohne jegliche Pause fahren wir zu einem kleinen Bäcker und laden die Koffer mit leckerem Kuchen voll. Das ist definitiv auch ein Grund eine Adventure mit Koffern zu kaufen.

 

Tour ab in die Berge (Kochel)

War die BMW eigentlich einmal in den Bergen? Klar, war sie das. Zumindest bis zu den Bergen heran. In einem leichten Übermut, es hatte noch nicht geregnet an diesem Tag, machte ich mich nach Feierabend über kleinste Straßen auf den Weg nach Kochel am See. Mit jedem Meter, den es in Richtung Kochel ging, wurde das Himmel schwärzer und die Temperatur sank um einige Grad. Nach rund 1.5 Stunden Fahrt kam ich dann in Kochel an, bei Wolkenbruch, Blitz – so komisch kristallartigem Zeug auf dem Windschild. Na prima, das Portemonnaie lag irgendwo jedoch nicht in der Jackentasche, kneifen in Form von Einkehren galt also nicht: weiter! Ich habe mich dann noch einige Schleifen ganz tapfer durch das Voralpenland gekämpft, irgendwann war dann jedoch Schluss. Ende der Motivation, Ende der Wärmereserven, frustriert und damit auch sicherlich nicht mehr in bester Motorradverfassung. Die Umleitung einer überspülten Staatsstraße führte über eine Autobahn, Blinker passend gesetzt und ab auf die Bahn Richtung München.

Neben vielen persönlichen Erkenntnissen: Was ist geblieben von diesem Trip? Das kleine Notizbüchlein über die Testtage gibt folgendes wieder: Beleuchtung immer noch toll, LED Scheinwerfer durchaus hilfreich, Handling auf kleinsten, hügeligen Strassen sehr gut, Frontscheibe bietet realen Wetterschutz, Griffheizung funktioniert tadellos (nur 2 Stufen).

 

Gejammere auf hohem Niveau

Technisch hat mich die BMW in nichts überrascht und das meine ich positivsten Sinne. Um so nerviger sind die kleinen Dinge, die irgendwie nicht so recht in das Bild passen wollen. Der Drehwurm des Navis oder die falsch herum montierten Zugentlastungen der Koffer innen. Sicherlich sind das einzelne Problemchen, die bei den Serienfahrzeugen nicht mehr auftauchen werden. Ich hätte mir einen stabileren Blinkerschalter gewünscht, irgendwie hatte ich immer Angst beim Absteigen mit der Hose hängen zu bleiben und ihn schlicht abzureissen – es ist nie passiert.

Ein wenig unverständlich ist mir jedoch die Preispolitik beziehungsweise das Sonderzubehör. Zu der Adventure lassen sich folgende Pakete dazu buchen: Enduro Paket und Komfort Paket. Das Komfort Paket beinhaltet folgende Dinge: Bordcomputer (nett), Heizgriffe (aktuell sinnvoll), Hauptständer (muss). Das Enduro Pakete besteht aus folgenden Bestandteilen: ASC und Enduro Modus. Weiteres Zubehör gibt es auch: Alukoffer (toll!), Topcase Halterung (hm) und Navigationssystem (gut). Neben den aufgezählten „Highlights“ gibt es noch eine große Palette – einfach mal der BMW Seite nachsehen.

Wenn ich also eine BMW F 800 GS Adventure kaufen soll, stehe ich vor der Qual der Wahl. Sicherlich würde ich das Komfortpaket inklusive der Koffer nehmen. Beim Navigationsystem müsste ich das Finanzierungsangebot der hauseigenen Finanzministerin checken, den Enduro Mode würde ich nicht einpacken.

 

GS einfach oder Adventure?

Diese Frage muss jeder für sich selbst ausmachen. In einem direkten Vergleich punktet für mich die Adventure in folgenden Dingen: Windschutz durch Windschild und Seitenbacken, 24 Liter Tank, der damit um 8 Liter größer als bei der GS ist, serienmässiges ABS, verstärker Heckrahmen – für den Betrieb als Tourer. Ich würde mich im Falle der Entscheidung für das Adventure Modell entscheiden.

 

Mein Eindruck von der BMW F 800 GS Adventure

BMW hat mit der F 800 GS Adventure die Produktpalette sinnvoll erweitert und in dem mittleren Segment des Marktes eine Alternative geschaffen. Es ist dabei vollkommen egal ob das Motorrad auf ausgedehnten Touren durch Schweden oder durch das Voralpenland bewegt wird Das Abenteuer ist schließlich nicht das erfolgreiche Absolvieren eines Reisevorhabens sondern die Summe der einzelnen Erlebnisse auf dem Weg. Dieses Empfinden ist subjektiv und lässt sich nicht durch Hochglanzprospekte und Testberichte schaffen. Ich habe die Zeit mit der BMW sehr genossen, sowohl auf den kleineren Touren als auch im Alltag wo die Koffer schlicht praktisch waren. Durch entsprechendes Styling sprach mich auch keiner auf die Koffer an – so etwas gehört eben an eine Adventure. Fertig aus. Diese BMW kann Emotionen wecken, sie vermitteln und ist ein toller Begleiter für das Abenteuer egal ob in der Garage gefühlt oder unmittelbar erlebt. Ob sie die Nachfolge einer Honda Africa Twin antreten kann wage ich zu bezweifeln, ohne Laptop wird hier nichts mehr zu reparieren sein, in ein paar Jahren werden wir mehr wissen.

Dennoch – irgendwann während des Testzeitraums setzte ich mich auf meine Honda VFR 800, etwas ganz anderes – für mich fühlt es sich lebendiger an.

Anmerkung: Die Bilder des Artikels gibt es auch auf flickr in einer eigenen Gruppe zum Betrachten. Ich würde mich freuen wenn weitere Mitglieder den Weg in die Gruppe finden und so den Bilderpool vergrössern. Auf Anfrage können die Bilder gerne anderweitig verwendet werden.

Zu Gast: BMW F 800 GS ADVENTURE

Voila, darf ich vorstellen: BMW F 800 GS Adventure als Gast für zwei Wochen im Fuhrpark von einspuriges.de. Durch die Übernahme des Testzeitraums von zwei Wochen kam ich zu diesem Fahrzeug und seitdem fahren wir Kilometer für Kilometer durch die Republik. Die kommenden Tage werden daher immer wieder kleinere Blog Artikel aufweisen, die die einzelnen Erlebnisse und Erfahrungen wiedergeben. Am Ende möchte ich diesen Zeitraum dann gerne in einem größeren Artikel zusammenfassen und mir die Highlights rauspicken.

Das Ride Away Event von BMW fand am 16.05.2013 in München Garching statt. Die neue BMW F 800 GS in der Adventure Ausführung wurde vorgestellt, ein bisschen trist, das Wetter hätte durchaus auch besser sein können aber die Möglichkeit sämtlichen Verantwortlichen von BMW Motorrad ein Loch in den Bauch fragen zu können, machte die Veranstaltung sehr reizvoll. Das Zuhören ist ja manchmal auch durchaus eine Tugend und gehört nicht zur einfachsten Übung, vor allem wenn man weiss, das nebenan die fertigen Motorräder warten. Nach Abschluss der Veranstaltung gab es die Papiere und Schlüssel und das interessante Gefühl ein vollkommen neues Motorrad zu fahren.

… Schlüssel gehören hier hinein, Navi ist dort, die Koffer gehen so auf – Anziehen, draufsetzen, Spiegel einstellen, LED Lichter an – aus – an, sanft Gas geben und aus der Halle rollen …

An diesem Tag sollte noch nicht viel anstehen. Die BMW sollte zu mir nach Hause, dort wartete leider noch etwas Arbeit auf mich. Dennoch, der Mensch braucht ja auch mal eine Pause und ich fand mich auf der BMW wieder. Hier meine ersten Eindrücke von den ersten Kilometern.

Der Motor ist unglaublich elastisch und spricht sehr spontan an. Vom Sound gibt es nicht sonderlich viel zu erwarten, begeistert hat mich auf den ersten Kilometern der gesamte Antriebsstrang. Es ruckt nichts, die korrekte Bezeichnung wäre vermutlich: es fliesst dahin. Die Adventure Features konnte ich auf den ersten Kilometern bei dem Schmuddelwetter auch teilweise geniessen: das Zeug wie die Fotoausrüstung, Laptop und andere Kleinteile blieben trocken in den Seitenkoffern. Das Windschild machte einen guten Eindruck und hielt den Regen weg. Die Protektoren hielten die Handschuhe trocken und die Griffheizung hielt die Finger warm. Nicht benötigt wurden die Motorschutzbügel – das Enduro Programm bot sich bei dem Zustand der einen oder anderen Strasse nach dem Winter jedoch durchaus an, ….

Nach rund einer Stunde Fahrt und den ersten Erlebnissen stand sie tickernd in der Garage.

P.S.: Nach Abschluss des Zeitraums stelle ich auf flickr einen Bilderpool mit Bildern unter CC BY bereit. Bitte daher nicht Bilder von hier verwenden, bzw. vorher anfragen.

Ein Bild mit Erinnerungen, …

in der Restauration (VW 1303)

Wir alle kennen die Art von Bildern, die in uns besondere Erinnerungen wecken. Nachdem ich im vorherigen Artikel bereits von meinen Käferexperimenten gesprochen habe, ist hier nun eines dieser Erinnerungsbilder. Dieser Käfer, es ist ein 1303, kam zu mir, als ich meinen geliebten 1302 nach einem Unfall verschrotten musste. Irgendwie gibt es dummerweise kein Bild von dem 1302, daher ist es nun eins vom 1303.

Das Bild entstand irgendwann am frühen Morgen von einem Bekannten und Freund der Familie bei dem morgendlichen Rundgang mit Hund. Das Bild schenkte er mir viel später – als Abzug auf Papier. Beim Sortieren meiner Alben und Fotomaterialen kam dieses Bild wieder zum Vorschein und ich fotografierte es einfach für dieses Blog ab.

Manchmal kann man stundenlang vor diesen Bildern sitzen und in den Geschichten und Erinnerungen baden. Ich gehe nun mal schwimmen.

Kleiner Nachtrag: Dieser Käfer sollte es nicht mehr schaffen, er hatte den Rahmenkopf bereits voller Rost, der Motor hatte den typischen Riss zwischen den Zündkerzen nahe des 3. Zylinders wo der Ölkühler erfolgreich die Kühlung verhindert. Ach, ein Käfer. Ja – auf ein 1302 Cabrio könnte ich auch noch irgendwann. Wer weiss, vielleicht nimmt mich jemand einmal mit.

Dreckspfoten, Kettenschmiere – Olivenöl statt Handwaschpaste

Früher fand ich es immer toll wenn ich als Kind beim Arbeiten im Dreck helfen durfte – bis zu einem gewissen Alter natürlich nur. Danach durfte ich manchmal die tolle Handwaschpaste mitbenutzen, es war ein großer, grüner Topf. Irgendwann liess das erst mit dem Helfen, dann mit dem Dreck nach und damit war es gegessen mit Handwaschpaste und anderen Dingen.

Später sollte so Kinderkram durch Bremsen- und Teilereiniger ersetzt werden. Schliesslich ist man ja ein Mann geworden, es handelt sich auch nicht um Dreck sondern stattdessen um das erste eigene Auto! Insbesondere in meiner Käferzeit (VW 1302, 23 Liter auf 100km dank Kaltstart Automatik in der Stadt) konnte ich mich an die eine oder andere durchschraubte Nacht erinnern. Nach einem kolossalen Unfall (für den Käfer), hatte es die Familie satt und half mir finanziell ein wenig aus und ein Neuwagen (Fiat Cinquecento) machte aus mir einen Menschen mit sauberen Händen. Ja, dabei hätte alles so bleiben können. Wenn, …

Wenn nicht die Sache mit den Vespa gekommen wäre. Dort gab es Dreck genug, vorzugsweise durch Motorreinigungen von italienischen Importmodellen auf die Pfoten gebracht. Igitt, wie oft muss ich noch an diese Tatsache erinnert werden! Trotz Bremsenreiniger, trotz Handwaschpaste oder anderen Dingen: diese Pfoten waren für die Ewigkeit schwarz! Über Handwaschpaste konnte dieser Dreck nur lachen, Handwaschpaste war nicht die Lösung. Also: Hände schruppen und danach irgendwo noch ein Hähnchen essen gefahren. Spätestens mit den Zitronenreinigungstüchern für die Finger (Wienerwald hat mir da viele gute Erfahrungen eingebracht) waren sie blitzeblank sauber und ein wenig mehr Dreck im Magen. Sicherlich nicht sehr gesund aber die Reinigung ging schnell und einfach von statten.

Endlich – auch die Vespa Zeit ging vorbei. Mittlerweile gibt es nur noch saubere Hände – bis zu dem Zeitpunkt  der Honda Dominator und ihrer Kette. Auch die VFR hatte das Kettenfett überall hingeschleudert, also: alles wieder schwarz. Aus dieser Zeit kommt der folgende Tip: Das perfekte Reinigen von Händen von Öl, Schmier und Dreck – mit Olivenöl.

Nach dem Schrauben schüttet man sich einen guten Schuss Olivenöl auf die Hände und massiert es schön ein. Das geht sogar beim Bier noch ganz akzeptabel. Die Hände wäscht man danach ganz einfach mit Spüli („sie baden gerade ihre Hände drin“) und alles ist blitzeblank sauber. Klingt nicht sinnvoll? AUSPROBIEREN.

Mittlerweile bin ich älter und reifer geworden, ich weiss was ich vertrage oder nicht. Meine persönliche Wahl: Bio Olivenöl. Man gönnt sich ja sonst nichts. Man(n) kann durchaus auch Sonnenblumenkern Öl nehmen, Bio sollte es halt schon sein. Wie sagte schon Werner: Mit dem Öl nicht sparsam sein!

Der Eintopf ist wieder auf der Strasse

…und macht Spaß. Und wie! Langsam, hier kommt ja keiner mehr mit. Meine erstes Motorrad (und eine große Liebe) war und ist eine Honda Dominator NX 650. Es ist ein einzylindriges Geländemotorrad mit 650 ccm, der Volksmund stempelt diesen Fahrzeugtyp mit dem Namen Dampfhammer ab. Bei nüchterner Betrachtung stimmt das auch, das einzige was dieses Motorrad wirklich besonders gut kann ist beschleunigen und zwar zwischen 3000 und 5000 Umdrehungen pro Minute. Darunter reisst der Einzylinder lustlos an der Kette herum und quält den Kettensatz. Bei deutlich höheren Drehzahlen kommt dann auch nicht mehr besonders viel und man sucht schnell den nächst höheren Gang.

Eines dieser wundervollen Exemplare stand bei mir im Keller herum. Der TÜV war leicht abgelaufen (*hüstel*) und anspringen wollte sie auch nicht mehr. Wenigstens war die Batterie ausgebaut und wurde regelmässig geladen. Im Rahmen eines kurzen Urlaubs ging ich also mit schlechtem Gewissen in den Keller, baute die Batterie wieder ein und schraubte den Fernlichtschalter (siehe Artikel) an seinen Platz. Endloses Georgel des Anlassers sollte folgen, Fehlzündungen weckten das halbe Haus auf. Ja, ja – vorher leerfahren – ich weiss. Leider hatte ich vor einem Jahr keine Vorstellungen wie lange die Domi stehen würde, nun gut, das nächste Mal.

Endlich, *puff* *puff* *puff*, der Einzylinder singt sein Lied. Langsam taste ich mich aus der Garage heraus und fahre auf direktem Wege zur DEKRA Prüfstelle. Durchaus nervös, wer weiss wer mir so auf das Kennzeichen schaut,….

Der Prüfer erfreut sich am schönen Motorrad, dreht die Prüfrunde, misst alles durch und erteilt die Plakette ohne jegliche Mängel. Yay! Nun darf der Einzylinder auch in der freien Wildbahn wieder fahren. Eine ausgiebige Probefahrt aka Werkstattfahrt sollte sich anschliessen. Nach rund 140 Kilometer war ich mir sicher: Alles ok. Der nächste Tag brachte die Domi und mich ins Ebersberger Land, auch so 100irgendwas Kilometer. Ich weiss auch nicht wie es genau passierte, nach 500 gefahrenen Testkilometern kann ich sagen: Jopp, geht.

weitere 500km werden folgen…

Im Grunde genommen bleibt eins festzustellen: PistonPin schlug damals statt der von mir angepeilten Honda FMX das Original, also die Dominator, vor. Eine damalige Arbeitskollegin fand den Einzylinder viel sinnvoller als einen Tourer, da man nicht solange fahren müsste bis das Grinsen wiederkommt. Das mit dem Grinsen stimmt, das mit dem zu lange fahren auch, das Grinsen bleibt zwar – allerdings vibriert einem der Einzylinder die Gedanken aus dem Kopf und die Füllungen und langsamer ist es auch. Egal, für meine Ausflüge rund um München und Deutschland reicht es. In dem Zug der HU/AU Neuabnahme werde ich nun das Blog auch ein bisschen dominatorisieren.

Die Sache mit dem Gepäck

Motorradfahren und Gepäck sind zwei Dinge, die nicht unbedingt zusammenpassen. Meine VFR kann ich dank Givi Komplettsystem rund herum verkoffern und habe anschließend mehr Zulademöglichkeiten als ein Kleinwagen. Soweit so gut – schaut nicht schön aus, fährt sich auch nicht immer toll – dennoch: Zum Anfahren zum eigentlichen Urlaubsort gibt es nichts besseres. Koffer abnehmen und die Gegend geniessen. Bei kleineren Touren nimmt man einfach weniger mit. Mein Urlaub im Bayerischen Wald funktionierte auf diese Art und Weise ganz wundervoll: einfach weniger mitnehmen. Das löst auch die lästige Frage was man denn heute anziehen soll, es ist schlicht nichts dabei ausser eine Menge x an Unterhosen und T-Shirts. Ganz einfach.

An dieser Stelle folgt die klare Bekenntnis zur „Traum Sozia“ – einfach nen Slip und die Kreditkarte hinten in die Hosentasche und los geht es.

Wie aber kommt man nun im Alltag klar? Die Anforderungen sind klar definiert: Es soll damit zur Arbeit gehen, mit Laptop (der idealerweise trocken bleiben soll), der Helm soll trocken verwahrt werden können und Badesachen sollen irgendwie auch noch mit. Das sind also nicht die großen Tourträume sondern eher das normale Leben, welches es gilt abzubilden. Die NC 700 von Honda hat dafür das Top Case an die Stelle des Tanks eingebaut. Pfiffig!

Was aber mache ich nun mit meiner Honda Dominator? Top Cases schauen hässlich aus sind aber unglaublich praktisch. Zudem sieht man sie nicht, das sie hinter einem montiert sind. Also gut – eine Preisermittlung kann ja nicht schaden.

Alle Preise wurden bei Polo Motorrad ermittelt, anbei die verschiedenen Optionen:

  • Hepco und Becker Gepäckbrücke (92,95€) und HB Journey Topcase mit 37 Liter Stauraum (119,95€) – *autsch*
  • Shad Topcase Grundplatte (25,99€) und Topcase SH 46 (99,95€) mit 45 Liter Stauraum
  • Shad Topcase Grundplatte (25,99€) und Topcase SH 29 mit 29 Liter Stauraum (59,95€)

Alle Lösungen haben ausreichend Platz für einen Helm, beim großen Shad Case sind es sogar zwei. Für den relativ hohen Preis bekommt man das komplette Material um die Domi zu verschandeln und alles prima am ungünstigsten Punkt zu befestigen.

Doch Rucksack?

Die Fragen werden nicht weniger und irgendwie widerstrebt es mir die Domi mit sowas zu belästigen. Andererseits wird das Motorrad deutlich vielseitiger. Nun ja, da hilft wohl nur: Noch mal nachdenken.

Nebenbei: Warum gibt es keine Heckcases, die sich sinnvoll als Rucksack tragen lassen?

Die neue Kamera ist da….

Einmal ein Motorrad untypischer Artikel – dafür aber auch sehr emotional, zumindest für mich. Die neue Kamera steht dort, verpackt und im Karton aber sie ist da. Endlich! Ich kann mich kaum beherrschen den Karton aufzureißen und sie auszuprobieren, ich sitze hier und blogge darüber.

Es ist die Entscheidung das ganze alte Film Fotozeugs massiv zu reduzieren und auf digital umzustellen. Es ist der Teil einer größeren Entscheidungskette in der auch Motorräder vorkommen aber nicht jetzt. Jetzt ist eine Kamera dran – eine Pentax K01, natürlich in gelb.

Mal ehrlich, ich mag Pentax – weil es nicht Nikon oder Canon ist. Und weil ich eine Auswahl an Pentax-M primes habe. Und weil ich damit die Touren fotografieren werde, als erstes die Honda Testtage.

Aber jetzt packe ich aus….

Meine geliebte Rukka Jacke, endlich mit Rückenprotektor

Rukka Athos mit Sas-Tec Level 2 Protektor
Einmal umdrehen, dann passt er – Sas-Tec Rückenprotektor

Meine Rukka Jacke ist toll. Ich werde nicht vergessen wie ich zitternd die EC Karte zur Bezahlung über den Tresen schob. So viel Geld – für ein Stück Stoff (549.- €). Natürlich weiss ich, dass man viel mehr ausgeben kann – aber nicht vielleicht immer möchte oder dazu in der Lage ist. Rukka Athos, so der klingende Name des Textils. Diese Jacke hat mir bislang treue Dienste geleistet, egal ob bei Wolkenbrüchen oder in der sengenden Sonne von Kurvistan. Die Jacke fühlt sich „sicher“ an und damit sind wir genau beim Punkt. Sicherheit und Motorradfahren lassen sich nur begrenzt miteinanderkombinieren. Sollte es doch gelingen, dann in relativ eng abgesteckten Bereichen und ein großer Teil dieser Sicherheit ist subjektive Sicherheit.

Die Jacke bietet diese Sicherheit – zumindest subjektiv gefühlt. Leider hat Rukka es nicht auf die Reihe bekommen dieser Jacke einen vernünftigen Level 2 Rückenprotektor zu verpassen. Der originale Rückeneinsatz ist eine luftige Matte, die den Namen Protektor nicht verdient. Rukka RVP Air Rückenmatte – ein freundliches Gitter aus Kunststoff, das Level 1 erfüllen soll. An den Schultern und Ellbogen lass ich mir das eingehen, am Rücken sollte jedoch was anständiges sein oder kurz: das Beste und das ist derzeit eben Level 2.

Wohl gefühlt habe ich mich mit der Matte nicht. Um das Manko dieser Jacke auszugleichen fahre ich daher mit einem umschnallbaren Rückenprotektor. Das Ding ist deutlich länger und deckt auch den Bereich des Steissbeins mit ab. Zudem ist es ein Protektor, der die Wirbelsäule und durch breiteren Schnitt unten auch das Becken schützen soll. Sieht komisch aus, trägt sich aber prima und wird für längere Strecken definitiv erste Wahl bleiben.

Für die kleineren Strecken war das Ding jedoch immer störend. Noch ein Stück Krams zum Rumtragen wenn man in die Stadt fährt, Fahren ohne Rückenprotektor kommt für mich jedoch nicht in Frage (aus subjektiver, gefühlter Sicherheit..). Das Problem wurde jedoch endlich mal gelöst. Nicht von Rukka sondern von Sas-Tec. Ein Rückenprotektor der umgedreht haargenau in die Rukka Jacke passt. Danke! Das Ding fühlt sich gut an, kostet 25 Euro bei Tante Luise und hört auf den schönen Namen: Sas-Tec Rückenprotektor SC-1/15 Gr.XL (link).

Fazit: Kaufen, trägt sich gut, weist Level 2 Prüfung auf.

Endlich.

Wenn der Fernlichtschalter die Welt anhält

Honda_Dominator_LichtschalterManchmal halten die kleinen Dinge diese Welt auf, unaufhörlich, versteckt, gemein und dennoch so absehbar. Bei meiner Honda Dominator hängt der Fernlichtschalter. Einmal reingedrückt bleibt er dort und der Scheinwerfer leuchtet und leuchtet und leuchtet. Entweder ist dann vermutlich jeder im Gegenverkehr mein Freund oder ich bin in der Zwischenzeit rechts rangefahren und habe solange entnervt auf ihm rumgedrückt bis er wieder herausgekommen ist.
Deshalb hat meine Honda Dominator auch keinen TÜV mehr. Es erscheint mit vollkommen sinnbefreit zu sein zum TÜV zu fahren wenn vorher schon bekannt ist, dass etwas dieser Art nicht funktioniert. Kurzum, das Ding muss einfach gängig gemacht werden.
Gestern Abend war dann auch die nötige Energie vorhanden. Spät in der Nacht bewaffnete ich mich mit einem Schraubendreher, ging in die Tiefgarage und baute das kleine Teil aus. Genauer gesagt ist es die komplette linke Schaltamatur. Hej Honda wäre aber nicht Honda und die Dominator wäre nicht Dominator wenn nicht alles so sinnvoll aufgebaut wäre. 2 lange Schrauben, 2 Kabelbinder und 4 Stecker und das komplette Ding war ausgebaut. Das möchte ich nicht bei meiner VFR machen müssen.
Da liegt es nun, das Ungetier aus der Hölle. Offensichtlich war nichts kaputt, vielleicht eine Feder, die nicht mehr die Spannung hatte? Ein Minisprühstoß von WD40 in den Verriegelungsmechanismus des Schalters und das Ding ging wieder wie am ersten Tag. Es ist spannend wie WD40 manches Problem löst. Auch spannend war was diesen Schalter hinderte seinen Dienst zu versehen. Wollte die Domi nur die Liebe des Besitzers fühlen? Oder war es dieser besondere Staub, der uns Motorradfahrer zu Helden macht und von Dosenfahrern lapidar als Dreck empfunden wird?
Es ist genau diese Kombination aus Schmier, Staub, Leder und Leidenschaft, die uns leben lässt und die eine besondere Liebe zu unseren Fahrzeugen entstehen lässt.
Heute abend: Schalter auswischen, einbauen, Beleuchtung testen.
Hell yeah, bald ist TÜV angesagt.

Aufgewacht, ….und in die Garage geschaut (und der TÜV…)

Willkommen zur Neueröffnung. Noch hat sich in diesem Jahr nicht soviel getan – München und Bayern liegt unter Eis und Schnee und damit ist das Motorradfahren als Fortbewegungsmittel doch sehr in den Hintergrund getreten.

Das Blog ist wieder da! Yay, bei einem neuen Hoster, mit mehr Inhalt, mehr Posts und mehr Bildern – dieses Jahr, wirklich – versprochen. Der Blick in die Garage zeigt zwei verschlafene Motorräder und der Unentschlossenheit doch mal eins zu verkaufen. Oder auch nicht, oder … ich weiss nicht. Aber sinnvoll wäre es ja schon. Aber welches nur? Gut, das vertagen wir erst einmal, wir kommen damit nicht voran.

HALT! Bei einem ist der TÜV schaurig lange abgelaufen (1 Jahr), darum muss ich mich mal kümmern. Am liebsten in einer All-in-one Lösung, ab zum Händler und Inspektion machen lassen, mit TÜV. Dummerweise findest man nirgendwo eine sinnvolle Quelle wie man das Ding nun zum TÜV/Händler bekommt. Darf man dort auf eigener Achse hinfahren? Angemeldet ist sie ja schliesslich.

Wer was weiss – die Kommentare sind offen. :)

Wenn Freunde gar keine Hilfe sind, …

Dann ist man ganz schön verloren. Ehrlich mal. Ich meine im Grunde genommen brauche ich kein neues Motorrad. Schon gar keine KTM – keine tausend Meter – Duke. So einfach ist das. Auch wenn der Clemens sich so eine Karre (allerdings die Große) gekauft hat, ich brauche sowas nicht. Ich bin auch schon älter. Und gesetzter und ausserdem fahre ich aus Vernunft, nicht aus anderen Gründen.

Vielleicht können andere essen, Golf spielen oder noch Sex haben – ich brauche das alles nicht. Überhaupt nicht – ich bin schliesslich ein Mensch der Vernunft! 650 ccm von der Honda Dominator, 690 von der Duke – alles Mumpiz. Ich brauche sowas nicht. Und ich brauche kein neues Motorrad. BASTA!

Und dann kommt dann der Spaziergang am Wochenende. Vorbei am KTM Händler wo eh nur sinnbefreite Motorräder im Schaufenster stehen. Solche PS Monster, die beim Beschleunigen Drehmomentindikatoren auf den Asphalt malen. SOWAS brauche ich wirklich nicht. Und dann, dort… dahinten….was ist das denn? Die ist ja knuffig. Irgendwie nicht so groß und auf Krawall gebürstet. Hola, das ist ja nun was anderes. Mal ein Motorrad der Vernunft – nur 200 ccm, das reicht doch für die Stadt. Also, ….

Und ich brauche dennoch kein Motorrad – zumindest kein neues. Ne, sowas will ich nicht, wobei – vernünftigt wäre es schon. Ich beschloss PistonPin zu fragen. Der hat mich schon immer beraten und wir mir abraten.

… hat er nicht getan. „Machs doch“ oder so ähnlich war seine Antwort. „Blablabala, ideales Motorrad für die Stadt, … optimal für …., schaut toll aus…“ oder so ähnlich. Na super. Danke, das war nun echt gar keine Hilfe.

KTM Duke 200 - Ein Motorrad der Vernunft
(c) KTM, ein Motorad der Vernunft

Das ist nicht sinnvoll – ich werde das nicht tun. Zur Sicherheit werde ich am Samstag vormittag noch einmal beim KTM Händer vorbeischauen.

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Ich bin der Chef! Pesto (nicht) nur für Treffen

Situation bekannt? Irgendwer trifft sich irgendwo zum Grillen, man soll auch kommen und soll etwas mitbringen. Solche langweiligen Dinge wie Fleisch und Würstchen hat jeder mit und keiner wird sich daran erinnern, dass der Typ mit der roten Honda VFR, der Name ist mir entfallen, Würstchen von der Tankstelle mitgebracht hat.

Nein, zumindest ich bin schon eine Spur älter, die Jungen werden schon ausreichend Würstchen von der Tankstelle mitbringen. Den Grill kann ich leider auch nicht mitbringen, da ich eine VFR fahre. Sorry, das schaut einfach doof aus – das müsst ihr doch bitte verstehen. Es ist ein Sporttourer und keine Goldwing.

Gut – irgendwas muss man aber nun doch mitbringen. Ultimativer Tip: Macht ein Pesto der besonderen Art. Jeder wird sich an euch erinnern, jeder wird euch danach einladen und schmecken tut es auch noch. Nebenbei werden die Mädels auf dem Treffen euch entweder blanko einladen oder sie werden euch in ein Gespräch über das Pesto verwickeln. Essen kann man das Pesto zu allem: Baguette oder Weißbrot, gegrilltem Fleisch, einfach nur so oder zu Nudeln.

Gebraucht werden folgende Dinge:

  • ein Mörser (die Dinger kosten ab 5 Euro aufwärts und halten ewig)
  • 20 g. Pinienkerne
  • 1-2 große Pflanzen Basilikum
  • 1-2 Teelöffel grobkörniges Salz
  • 2 Knoblauch Zehen
  • eine kleine Ecke Parmesan (40g.)
  • eine kleine Ecke Peccorino (10-20g)
  • 100 – 200ml Olivenöl
  • eventuell Sherry

Das Zeug lebt sehr von der Qualität der Zutaten! Der Basilikum schmeckt am besten von der lebenden Pflanze (nicht vom Bund), das Olivenöl sollte schon hochwertiger sein. Insbesondere vom Olivenöl lebt das Pesto, also sich an Andi (Werner) halten: Mit dem Öl nicht sparsam sein.

Los geht es! Die Pinienkerne werden in der Pfanne angeröstet. Aufpassen dass die Röstaromen nicht überhand nehmen und alles schwarz wird. Danach werden die zwei Knoblauchzehen von ihrer äusseren Schale befreit, in kleinere Stück geschnitten und mit den Pinienkernen und dem Salz in den Mörser geworfen. Während die dort faul rumliegen kann man schon den Basilikum waschen und die einzelnen Blätter mit Küchenpapier abtrocken. Wer zu faul zum Abtrocknen der einzelnen Blätter ist, kann jetzt einen Sherry trinken und lässt die Dinger einfach eine Stunde an der Luft trocknen.

Nun werden die Pinienkerne und der Knoblauch zerstossen. Da kommt ein brauner ganz feiner Brei heraus. Es sollten wirklich keine Stücke mehr zu erkennen sein, das sieht dann aus wie Auspuffdichtmasse. Anschliessend werden die Basilikumblätter in keine Stücke zerrupft und mit in den Mörser gegeben. Mit der Hand wird nun mit dem Stößel das Zeug zu einer Masse zerdrückt. Die Betonung heisst zerdrückt und gemahlen. Nicht zerstampfen! Wir machen hier keinen Wein, wir wollen Pesto machen. Teures Pesto erkennt man an dem Zustand und der Feinheit der Bestandteile. Kurzum, wir hören nicht eher auf zu zerdrehen, zerstampfen und mahlen bis man nicht mehr erkennen kann was da drin war. Das kann schon mal eine gute halbe Stunde dauern. Strengt euch an! Das beste und teuerste Gewürz des Pesto ist der Schweiss des Herstellers. Auf geht’s!

Wenn das Zeug zu einer homogenen Masse geworden ist, kommt der Käse in kleinen Würfeln hinzu und weiter geht es. Man kann jetzt auch durchaus wieder ein Glas Sherry trinken.  Voila, nachdem auch der Käse mit eingearbeitet wurde, wird das ganz mit Olivenöl aufgefüllt. Meine Bemessungsgrundlage ergibt sich wie folgt: die Masse ist leicht cremig und fällt von alleine locker von einem Löffel ab. Ab in ein kleines Glas damit und idealerweise einen Tag stehen lassen. Fertig!

Nun haben wir es – das Meisterpesto! Noch besser wird das Pesto wenn ihr einen kleinen Aufkleber draufpappt. „VFR Pesto“ heisst meins.
Die Frage ist dann immer: „Wer fährt denn die VFR?“
Antwort dazu ist: „Uli, der lange Kerl dort hinten. Warum?“
„Wegen des Pesto.“
„Ah!“

Nachsatz: Je grobkörniger das Salz ist, desto einfacher zermatscht alles. Wenn euch jemand kopieren sollten – werft beim nächsten Mal ein bisschen Ruccola (ohne Stiele!) dazu. Das ändert den Geschmack deutlich, es wird pikanter. Das ganze Pesto wird durch den Käse salzig, das Olivenöl gleicht das ein bisschen aus.

Red Bull – Bilder Nachlese

München – Wrestlemania, ist das wirklich vorstellbar? Vielleicht nicht, es war jedoch so. Das Olympiastadion war am Abfeiern, siehe folgende kleine Bildergalerie. In der Pause wurde neben Chris Pfeiffer noch ein Radlader Ballett gezeigt – sah eigentlich ganz einfach aus. Vielleicht sollten wir Blogger uns mal zur Typenpräsentation einladen lassen und das auch versuchen.

 

Ein Abend mit Dreck und Zweitaktern

Thomas Pages, portrait interview - Munich X-Fighters 2012
Thomas Pages im Interview

Ganz klar, bei diesem Abend handelt es sich um die Red Bull X-Fighters Challenge in München. Ich wurde freundlicherweise seitens Red Bull als Vertreter der Blogger eingeladen, die Vermischung der Zunft der Journalisten und der Blogger findet ja schon seit einiger Zeit statt. Honda hat als erste Firma zu einem mixed Event eingeladen, danach sollten weitere folgen: Metzeler oder auch Bosch.

Da man als Blogger nun wirklich mal herzlich wenig in ein bestehendes Format der Medien wie Hörfunk oder Fernsehen passt, kann man recht erfrischend so schreiben wie einem der Schnabel gewachsen ist. Ebenso ist man nicht gezwungen die wirklich allerbesten Fotos nach Hause mitzubringen sondern kann sich wunderschön um die Randbereiche einer solchen Veranstaltung kümmern. In der Vorbereitung auf diesen Abend hatte ich viele verschiedene Ideen bereits gesammelt: Ein Audio Beitrag (für die Atmo), ein Video, ein paar Fotos oder auch ein kreativer (wie immer) Schreibstil. Insbesondere bei den Fotos war ich mir nicht wirklich sicher wie ich es umsetzen wollte. Hochglanzbilder auf einem Motorradblog? Von den X-Fighters gibt es Hochglanzfotos wie Sand am Meer, wohin das Auge auch blickt: Coverfähige Fotos ohne Ende. Die Idee vervollständigte sich dann recht schnell: Holga Fotos sollten es werden. Die Blogger PistonPin und Ernie Troelf bestärkten mich dann auch schnell darin. Eine ziemlich komische Mischung sollte das werden, HighTech Fotografen und mittendrin eine Holga – dazu jedoch später mehr.

Anreise: Ganz klar mit dem Motorrad! Und dort kann es auch nur eine Art von Motorrad geben: Honda Dominator mit offenem Auspuff. Alle Macht den Enduros! Gut, meine Domi ist aber leise und braucht TÜV daher wurde es die VFR. Klamotten an und ab auf den Bock. Pünktlich ging es von zu Hause los, der V4 brummelte freundlich sein Lied von Leistung, Emotion und Gier. Wunderschön – eigentlich sollte man jedem VFR Fahrer jeden Fahrtag als Urlaubstag anrechnen. Dank des Motorrads war das Parken kein Problem, die Beschilderung zum Media Center war vorbildlich und die Akkreditierung bzw. Begrüßung war freundlich. Voll war es im Media Center – es wurde einem erklärt wo man fotografieren durfte, wo die verschiedenen Mediaareas waren. Also ersteinmal hinsetzen und twittern. Die Stimmung war entspannt – fast schon chillig. Irgendwie kenne ich andere Stimmungen aus den Media Centers. Anyway, 19.30 Uhr – es sollte losgehen, also hoch in den Block, Kamera bereit und dann begann das sehnsüchtige Warten…

Hier war auch ganz klar gleich zu erkennen: Hast du keine Kamera für 10.000 Euro bist du nichts (zumindest mal kein Fotograf). Fotografiert wird aber dennoch mit sonst allem was irgendwie ein Bild machen kann. Die Fotos mit der Holga waren relativ schnell im Kasten, dann knackte es und ein wesentliches Teil innendrin brach ab – Ende der Holga Bildserie. Immerhin, ein Film ist komplett im Kasten, entwickelt werden muss er noch. Die Canon G9 musste nun ran – damit sind auch alle Bilder, die hier gezeigt werden, gemacht worden.

Müüüüüüüüüüünchen, make some noooooooise!

Das Moderatorenteam eröffnete die Show und erläuterte den Wettkampfmodus. Am Anfang wurde ein Shootout von noch nicht gesetzten Fahrern ausgefahren. Ein paar Tricks bitte, keine Backflips – bewertet wurde nach einem Punktesystem. Die besten zwei kamen weiter. Highlight: Ein netter Fahrer aus Australien, Bilko Williams, trug ein Chelsea Trikot, der Nummer 11 (Drogba). 40.000 Pfiffe schallten auf den Fahrer herunter – da brauchte es auch kein „Müüüünchen, make some noise“ des Sprechers. Der nervte mit dem Müüüüünchen, make some noise derartig, dass ich es aufgenommen habe und fortan als Handy Klingelton vertreiben werde. Ohnehin war das Moderatoren Team mitunter nervig, anyway – laut brüllen XFIIIIIGHTERS – geht immer. Und wenn das Publikum mal einen Moment still war, tönte das Müüüüün….. und so weiter aus den Lautsprechern.

Die Qualifikation für die anstehenden Läufe war bald vorbei und es war an der Zeit sich ein Getränk zu holen. Mitunter war es zwischenzeitig etwas langatmig, durch die fehlenden Flips zog sich das etwas sodass die Konzentration bei mir etwas nachlies und mein Blick nach Links und rechts abschweifte. An einem Ort blieben die Blicke durchaus länger……genau: Brezen.

Als Motorradfahrer ist Alkohol am Steuer tabu!)

Willkommen in der Hauptstadt der Bayern. In den kleineren Unterbrechungen fuhren immer wieder kleinere Erdarbeitsgeräte durch das Stadion, die die diverse Rinnen zu schoben und alles für das große Finale vorbereiten sollten.

Go – die Finals standen an – große Show, alles war erlaubt, Flips in jeglichen Ausführungen und die Kameras neben mir klickerten sich heiss. Die Stimmung wurde besser und besser – das große Finale sollte sich nähern. In einer größeren Pause gab es Live Beschallung einer stadtbekannten Band. Am Montag sagte mir ein Freund wie die Band hiess, ich habe es vergessen. War mir auch egal – sie waren langweilig. Und wenn sie tausendmal bei der Wiesn (norddeutsch Oktoberfest) auftreten und dort der echte Brüller sind. Ich will bei den X-Fighters was aggressives hören: Arch Enemy wäre doch mal was passendes. Vielleicht bin ich einfach schon zu alt für sowas.

Radlader Ballet, ein kunstfahrender Chris Pfeiffer rundeten das Zwischenprogramm ab und dann sollten endlich die Finals beginnen. Damit kam die Stunde von Thomas Pages. Unglaublich was der Kerl auf dem Motorrad zeigte, jemand der wirklich das Stadion gerockt hat. Die Stimmung wurde von Fahrer zu Fahrer besser und mit der letzten Fahrt des Abends von Thomas Pages und seinem Flair zum Abschluss seines Turns stand das Olympiastadion. Wrestlemania Zuschauerszenen sind bestenfalls Kindergarten gegen München mit den X-Fighters. Da brauchte es auch kein „Müü..“ mehr.

Ganz, ganz großes Kino! Die abschliessende Pressekonferenz war ein bisschen enttäuschend für mich, es machte den Eindruck als hätte man dort Floskeln der Pressemappe wiederholt. Klar, medientechnisch wird alles vorgeschrieben, da muss die Aussage zur Pressemappe passen. Dennoch – ein Rumbrüllen, ein Let’s rock München oder mehr Emotionen hätten gut gepasst. Die Jungs rocken München, machen einen sympathischen Eindruck, sind vermutlich voller Adrenalin und sitzen wie die Kindergarten Kinder im Stuhlkreis zusammen. Es war dennoch eine besondere Stimmung – viel Applaus auf der Pressekonferenz. Das gab mir auch noch einmal die Möglichkeit ein paar Fotos zu machen und den Nachteil der G9 gegenüber einer Nikon D3S auszugleichen. Ich denke mit diesem Blogartikel sind auch die Freunde der Nichthochglanzfotos zufrieden gestellt.

Was bleibt (neben dem nervigen „Mmsn…“) – ein Abend voller Action und der Gewissheit, dass München doch mal aus sich herauskommen kann. Fantastische Sportler und der feste Wille sich eine KTM zu kaufen – weil sie in der Luft einfach am besten aussieht.

Thomas Pages - Pressekonferenz
Thomas Pages – Pressekonferenz

RedBull X-Fighters, der Morgen danach…

Moin zusammen, *gähn* – die Red Bull X-Fighters im Olympiastadion vom gestrigen Abend stecken mir noch in den Knochen. Ein Event mit dem Charme der Wrestlemania in Deutschland – unglaublich. Ich hätte nie gedacht, dass München derart feiern kann. Nun, bei dem Ausgang der letzten Fussballsaison sowohl für 1860 München als auch für den FC Bayern ist man vielleicht aus der Übung geraten.

Also – ein paar Dinge vielleicht vorab – es war toll, sensationell und sehr sehr stimmungsintensiv. Tollkühne Männer und ihre fliegenden Kisten waren angesagt und sportlich wurde defintiv einiges geboten. Derzeit sitze ich vor der virtuellen Lichtbox und sortiere Fotos. Die Masse wird in digitaler Form vorliegen, da die Holga dankenswerter Weise ziemlich früh den Geist aufgegeben hat. Nächstes Mal also doch Rolleicord. Dafür musste die G9 ran – mal sehen was sich dort so alles finden lässt.

Highlight des Abends: Ein Flair gesprungen mit einer Motocross Maschine. Lecker anzusehen, war mir vom BMX bereits bekannt. Das war auch so einer dieser Tricks, die man aus Prinzip nicht versucht – es tut einfach zu sehr weh wenn es schiefgeht. Später mehr – jetzt weiter Fotos sortieren!

Subjektives über die Digitalfotografie – meine G9

Ich konnte mit der Digitalfotografie nie richtig warm werden. Weder die vereinfachte Massenproduktion noch das entspannte Sortieren und Verschieben in digitalen Fotoalben konnten mich davon überzeugen, dass die digitale Fototechnik die Zukunft ist. An meinem Grundsatz niemals eine digitale Spiegelreflexkamera zu kaufen halte ich nach wie vor eisern fest.
Die Entscheidung mit der Holga sowie der Rolleicord wieder und wieder Film zu belichten war definitiv richtig und wichtig. Nichts ist befriedigender als einen vollkommen unbekannten, belichteten Film aus dem Wasser der Entwicklerdose zu ziehen, das Wasser abzustreifen und den zarten oder auch kräftigen Negative beim Trocken zu zu sehen.
Der Lohn ist ein nachfolgender Kontaktabzug, das Identifizieren von vergrößerungswerten Negativen und der folgenden Krönung – dem Abzug in „Groß“ und das Hängen in der Wohnung. Wundervoll und unbeschreiblich.

Irgendwie hatte ich seit der Geburt meines Sohnes jedoch auch immer eine Digitalkamera an meiner Seite. Die erste Kamera war eine Sony DSC-P1, es folgte eine billige Kamera von Sony, dann irgendwann erfolgte der Kauf einer Canon Powershot G9 (Schuld war dieser Artikel). Unterbrochen von vielen, vielen analogen Bildern entdecke ich meine heilige G9 wieder. Ein unglaubliches Stück Fototechnik mit so vielen Zicken und Problemen, dass sie mit einer Analogkamera verglichen werden kann. Ab 200 ISO rauscht die Kamera derart intensiv, dass man sich fragt wo man diese Funktionalität abschalten kann. Bei 1600 ISO ist das Rauschen so stark, dass man die Bilder nicht mehr ansehen kann ohne dass man besondere psychodelische Erlebnisse durchlebt.
Wandelt man diese Bilder jedoch in Schwarz Weiss um, erhält man ein exaktes Abbild eines Ilford HP5 Plus gepushed auf 1600. Ich habe bei mir einige Abzüge, die das voll bestätigen können. Jedesmal wenn ich diese Bilder sehe, finde ich diese Spur Begeisterung in mir. ISO 800 bildet einen HP5+ ohne Push ab.

Um schnell mit dem Glauben „Diese Kamera macht gute Bilder“ aufzuräumen, sei angemerkt, dass dies nur eine Eigenschaft der Kamera ist. Als bekennender Analogfotograf weiss ich selbstverständlich, dass der Fotograf für das Bild verantwortlich ist.

Es macht einfach viel Spaß mit der G9 zu arbeiten. Dazu gehört das „Alles Dabeihaben“, also das Gesamtpaket und die Haptik der Kamera. Es ist keine leichte Kompakte, es ist ein solider Block Metall, der schwer und gut griffig ist. Alle Einstellmöglichkeiten sind einfach zu erreichen, dank großer Einstellrädchen für ISO und Programm, dank des Drehrades hinten auf der Kamera für die Navigation durch die Menüs.

(Anmerkung: *ugh* – Handy Kamera – sorry, für die Qualität)

Damit es dann „meine“ Canon G9 wird, wurden ein paar Modifkationen am Gehäuse durchgeführt. Leider sind diese nicht mehr erhältlich, falls jemand seine G9 jetzt umbauen möchte. Dazu gehört der spezielle Grip Handle sowie der Thumbrest. Diese machen die Kamera deutlich griffiger und das Handling fällt damit deutlich einfacher. Zusammen mit einem Lensmate oder Canon Tubus für mögliche Filter wird diese Kamera zu einem prima Arbeitswerkzeug für viele Anlässe. Für ernsthafte Aufgaben oder auch nur dem ambitionierten Fotografieren verwende ich daher immer den Adapter meist ohne Filter und nur mit Sonnenblende. Damit ist jegliche Kompaktheit flöten – es bleibt eine prima zu bedienende Kamera, die alle Aufgaben mit Bravur lösen kann (sofern man einige Regeln beachtet – siehe später…)

Bildqualität oder wichtige Einstellungen
Die Canon G9 Powershot hat ihr besonderes Eigenleben mit dem man umgehen muss wenn man gute Bilder aufnehmen möchte. Die Kombination von Objektiv, Sensor und Firmware funktioniert besonders gut bei Blende 4.5. Das Motiv wird sehr fein detailliert abgebildet, hier scheint die größte Schärfe des Objektivs zu liegen. Für alle, die diesen Bereich suchen, sei hier der Betrieb im Modus AV empfohlen. Man wählt hier die Blende und die Kamera errechnet die passende Verschlusszeit. Sollte keine Verschlusszeit errechnet werden können, muss gebenenfalls mit der ISO Einstellung (Drehrad oben links) korrigiert werden.
Das bringt uns zu der ISO Einstellung der Kamera. Die Canon Powershot G9 kann eine unglaublich hohe Abbildungsqualtität bei ISO 80 erreichen. Ein Rauschen oder sichtbare Artefakte fehlen komplett, es ist daher anzustreben ISO 80 wann immer möglich zu verwenden.

  • ISO 80: perfekte, rauschfreie Abbildungen
  • ISO 100, 200: gute Abbildungen, Rauschen nimmt stetig aber beherrbar, insbesondere in den Schattenbereichen zu.
  • ISO 400: Ekliges, grieseliges Rauschen. Insbesondere nervig bei Innenaufnahmen. Am besten Finger davon
  • ISO 800, 1600: Ilford HP5+ Mode – die Bilder sind stark verrauscht, wirken jedoch in s/w als Replica des Ilford HP5+ gut, als Stilmittel voll verwendbar
  • ISO 3200: einfach vergessen – vielleicht als 8 Bit Retro Pixelmode zu verwenden

Funktionalitäten wie Video oder Digitalzoom kann man schlicht vergessen. Es soll Menschen geben, die mit diesen Einstellungen Erfolg haben – ich kann mit den Ergebnissen nichts anfangen. Der eingebaute Blitz ist erstaunlich stark und gut einstellbar. Die Blitzlichtmenge lässt sich gut dosieren der Blitz hat jedoch einige Einschränkungen. Durch die kompakte Bauform liegen Kamerablitz und Objektiv sehr dicht beisammen, das führt schnell zu roten Augen. Die Abbildungen von Personen im Blitzbetrieb wirkt daher schnell „platt“. Bei der Verwendung des Lensmate oder Canon Adapters entsteht bei Nahaufnahmen in Folge der Bauform der Kamera schnell ein Objektivschatten. Die G9 frisst freundlich jedes Canon Speedlite – das Ausprobieren der verschiedenen Speedlites ist ein besonderes Erlebnis. Egal ob 500er, 400er oder 200er Serie – alles ist ein deutlicher Gewinn an Variabilität und Qualität. Sicherlich sieht ein 530er auf einer G9 etwas überdimensioniert aus, die Ergebnisse sind jedoch richtig gut und lassen jede DSLR mit Popup Blitz richtig alt aussehen. Vor allem wenn man den Blitz abgesetzt betreibt – irgendwann zahlt sich die Investition in die Einzelkomponente doch aus. Für den deutlich variableren Betrieb reicht das kleinste Speedlite 270EX II vollkommen aus. Klein leicht, prima transportabel und dennoch mit Leitzahl 27 ausreichend hell. Als Slave kann das 270er abgesetzt betrieben werden, das lässt sich bei Familienfeiern mit Standup Aufstellung (Hochzeit, Taufen, Kommunion und sonstigen Kram) super nutzen. Sonst einfach nur Blitz in die Hand nehmen und deutlich neben der Kamera platzieren. Empfehlung: Unbedingt nachkaufen!

Schlussgedanken
Nach einem weiteren Urlaub mit vielen Erinnerungen und viel Zeit mit der G9 habe ich erneut eine emotionale Bindung zu ihr gefunden. Die Vielfalt der Möglichkeiten, gepaart mit der Haptik und dem Erlebnis G9 verbinden. Ich werde mir weiterhin keine digitale Spiegelreflexkamera kaufen – ob ich mich allerdings lange gegen die Canon Powershot G1X wehren kann, weiss ich auch nicht. Die müsste man mal länger in der Hand haben, um zu erspüren ob sie ein würdiger Nachfolger für meine G9 ist.

In der Summe der Einzelpreise inkklusive der „Pimp-ups“ liegt meine Powershot G9 natürlich auf Preisniveau einer DSLR. Dennoch – entweder als kleine(re) Kompakte für unterwegs oder zum ernsthaften Fotografieren erfüllt die G9 meine Ansprüche. Wenn ich es komplett „ernst“ meine, kann ich mir den Punk der Dunkelkammer ja wieder antun. In der Kombination mit der Rolleicord, Belichtungsmesser und dem passenden Film gibt das denn wirkliche Qualität – mit dem Preis des zeitlichen Aufwands.

Für das Motorrad und die Erlebnisse hätte ich deshalb gerne beides: Eine kleine kompakte Kamera und tolle Qualität. Maßgeblich Qualität, die ich beeinflussen möchten – daher G9.

Nachsatz: Mal ehrlich. Die G9 ist nun schon diverse Jahre alt und bietet immer noch sehr viel für ihr Geld. Ob das „Update“ auf eine G12 oder eine G1X wirklich erforderlich ist, ist mir nicht klar. Vielleicht sollte man daher auch nicht sehr viel auf die Testberichte über Digitalkameras geben. In einem englischen Buch über Fotografie fand ich immer wieder den Satz: „Know your camera“. Das dauert einfach seine Zeit und benötigt viele Aufnahmen und Experimente. Das lässt sich vielleicht nicht in einem Testzeitraum von wenigen Wochen abbilden.

Nachnachsatz: Am Wochenende freue ich mich auf ein besonderes Event. Dank Akkreditierung komme ich vermutlich richtig nah ran – mal sehen was so geht – egal mit welcher Kamera. Kreativität benötigt Arbeitsmaterialen – die Idee ist jedoch ausschlaggebend. Da halte ich es mit Chase Jarvis: The Best Camera is the One That’s with You.