Es war nicht kalt - der Schnee lag nur im Schatten

Die ersten Sonnenstrahlen 2012 (auf zum Jexhof)

Es waren die ersten Motorradkilometer des Jahres. Aktuell befinde ich mich gerade im Urlaub – eher in einer Pause oder in einem Umbruch. Kraft sammeln, Energie tanken und abschalten sind die aktuellen Herausforderungen. Wobei kann man das besser tun als beim Motorradfahren?

Es war noch recht schattig heute morgen um 07.00 Uhr als ich zum Bahnhof ging. Die Sonne kündigte sich schon langsam an und es versprach ein toller Tag zu werden. Gegen Mittag war es schon deutlich wärmer – vereinzelt lag noch ein wenig Schnee im Schatten der Gärten. Gefühlt handelte es sich in der Sonne um 2 Grad – mindestens. Es können vielleicht auch 3 Grad gewesen sein. Morgen ist hier Neuschnee angekündigt, wenn ich ein paar Kilometer fahren wollte, heute war der Tag dafür.

Auf nach oben in die Wohnung und mit skeptischen Blick in den Kleiderschrank geschaut. Mit der Funktionsunterwäsche und einem dicken Fleece sollte es doch gehen. Aussen schützte mich die bekannte Rukka Textilkombi – die Sommer Handschuhe von Held wurden diesmal gegen das Wintermodell getauscht. Die Honda VFR hat zwar Heizgriffe, dennoch wollte ich es nicht riskieren mit Sommerhandschuhen kalte Pfoten zu bekommen. Einmal komplett einpacken und ganz langsam wie das Männchen einer Reifenmarke runter in die Tiefgarage wanken.

Was für eine Schwachsinnsidee, kam mir in den Sinn. Vielleicht sollte die VFR die Ausfahrt noch verhindern in dem sie nicht anspringen wollte – vielleicht. Natürlich hatte ich die Rechnung wieder ohne die sprichwörtliche Honda Zuverlässigkeit gemacht. Die VFR stand nun sicherlich schon seit rund 3 Monaten in der Tiefgarage am gleichen Fleck. Ich hatte sie auf dem Hauptständer abgestellt und die Vorderachse entlastet – die Räder standen in der Luft – das Motorrad schlief. Ich stand davor und schaute skeptisch. Die wird nie anspringen.

Schlüssel drehen – *bsssssssss* – die Elektronik erwacht zum Leben. Ein bisschen den Choke geöffnet, nun sollte es sich entscheiden. Ein kurzer Druck auf den Anlasser: *ihiihhh*, *wrummm*. Unglaublich, sie hat nicht einmal ganz durchgedreht. Ich war vollkommen perplex. Also runter von den Böcken, runter vom Hauptständer und raus aus der Garage.

Die ersten Kurven waren eher abgekantet als abgerundet, vorsichtig machte ich mich wieder mit der Drehrolle vertraut, alles fühlte sich noch leicht wacklig an. Nach ein paar Kilometern war aber viel von der Vertrautheit zurück und es fühlte sich wieder richtig gut an. Der Ortsausgangskreisel näherte sich, ab auf die Autobahn und Gas. 80 – 100 – 120 km/h, die Autos liegen weit zurück. Huuuch, das ging aber schnell. Schnell merkte ich aber das 130 km/h doch auch wie 130 km/h Wärme wegziehen. Ich suchte mir einen kleinen Bus, klemmte mich dahinter, bei 100 – 120 km/h war die Welt ok. Rasch war das kurze Autobahnstück vorbei und die Ausfahrt in Richtung Ziel kam näher. Ich fuhr vorsichtig, immer damit rechnend, dass das Gripniveau bei weitem noch nicht da ist, dass man sich drauf verlassen kann. Ein wenig mulmig wurde mir entlang der Wälder dann schon. Es war zwar alles frei – frei von Schee, von Eis sowieso – dennoch. Rücksicht und Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Die Einfahrt in die Waldzufahrt habe ich dann wirklich sehr langsam genommen. Der feine Split am Bankett knirschte und die VFR fuhr langsam den Berg hoch zum Jexhof. Die Strasse war auch hier vollkommen frei – der Parkplatz oben hingegen war zu einer Eisplatte mutiert. Alle Endurofähigkeiten wurden ausgepackt – Nein, Moment – ich stellte sie oben am Weg in einer kleinen Bucht ab und ging die letzten Paar Meter zu Fuß. Das war auch ganz gut so – direkt neben mir schlitterte eine Person über den Parkplatz und landete unsanft auf dem Eis. Yeah! Amüsierte Blicke schauten zu mir herüber – ein Motorradfahrer um diese Zeit des Jahres? Der musste einen guten Grund haben hierher zu kommen.
(Den gab es im Vorjahr auch schon – hier endete meine Touren Saison – link)

Den hatte ich auch und die Frage: Gibt es schon/noch Kuchen wurde mit einem „ja“ beantwortet. Schön! Der Jexhof hat den besten hausgemachten Kuchen in ganz Bayern – vermutlich. Anscheinend waren auch noch nicht viele Gäste zu erwarten. Für 2 Euro erwarb ich ein halbes Blech von bestem Kuchen, weitere 2 Euro dazu und ein Kaffee stand daneben. Ich ging in die alte Gaststube und genoß den Kuchen und den Kaffee. Richtig kalt war mir nicht, dennoch tat das Aufwärmen gut.

Frisch gestärkt ging es dann auf die Heimreise – gleicher Weg zurück, ein bisschen lockeres Rollen und rund 70 Kilometer später stand die VFR wieder in der Tiefgarage. Ich hob sie auf den Hauptständer, entlastete das Vorderrad und strich verträumt über den Tank. Der Scheinwerfer blinkte mir zum Abschied hinterher, ich bin mir ganz sicher und sie schlief wieder ein…

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