Archiv für den Monat: September 2011

Gewitterfront über München - beim Adminday

Gewitterritt voller Emotionalität (Liebeserklärung)

Gewitterfront über München - beim Adminday

Hell for textil! Manchmal eben doch Textil - statt Lederkombi

Nicht immer funktioniert im Leben alles wie man sich das so vorstellt. Das gilt für das Berufs- wie für das Privatleben. Insbesondere Dinge, die einem tief unter die Haut gehen, bilden oft eine Brücke zu tief emotionalen Erlebnissen auf dem Zweirad. Gestern abend durfte ich solch besondere Momente geniessen. Um es abzukürzen – mir war es wichtig von A nach B zu kommen, wobei B meine Wohnung war und der Weg dorthin führte über 30 Kilometer Autobahn, besonders schnell musste es nicht sein. Der Himmel wurde immer dunkler, er war schon fast vollkommen schwarz. Der Wind wurde kräftiger und ein schweres Unwetter kündigte sich an. Dennoch – ich wollte fahren.

Also – auf nach B und ab auf das Motorrad. Den Tankrucksack hatte ich schon unter der wasserdichten Haube versteckt, die Jacke wurde bis obenhin geschlossen, ein Tuch dichtete den Kragen zusätzlich ab. An hatte ich meine Rukka Jacke Athos, Rukka Hose Mika, Daytona Burdit Stiefel und die geliebten Handschuhe Touring Five von Held (mal so aufgezählt).

Der Himmel wurde immer dunkler, noch mal, ein paar Tropfen fielen und dann begann auch schon ein Blitzinferno. Pro Minute schossen mehrere Blitze aus den Wolken und erleuchteten die Szene gespenstisch. Mal leuchtete es über den Wolken, mal zuckten die Blitze in der Ferne auf den Boden. Wunderschön konnte man dort den Wolkenrand erkennen, wo die Wolken der Gewitterfronten aneinanderstiessen. Es sah ein wenig nach Weltuntergang aus, dennoch war es faszinierend. Die Luft war scheinbar in verschiedenen Säulen aufgeteilt. Es gab warme Säulen und kalte Säulen, die ich mit 130km/h durchfuhr – dann immer wieder die faszinierenden Blitze und eine unheimliche Stille.

Es war wie ein Gleiten, fast schon Surfen durch ein Inferno aus – Nichts. Tausende von Blitzen aber kein Donner; mittlerweile war es auch wieder windstill. Die VFR zog sanft mit 130 km/h über die Autobahn und der V4 brummte zufrieden. Die Gewitterblitze waren zwar gleissend hell und erleuchteten immer wieder die Unwetterfronten, waren jedoch noch weit weg.

Die Säulen mit der kalten Luft kamen häufiger, *wapp* *wapp* *wapp* man konnte förmlich den Unterschied im Klang hören, der beim Hineinfahren entstand – dann schoss das Wasser aus allen Himmelstoren. Kalt, mit Hagel, sintflutartig und unglaublich viel. Alles schwamm sofort, das Wasser stand sofort zentimeterhoch auf der Autobahn. Zu diesem Zeitpunkt fuhr ich dank der “Ruhezone” bei Germering rund 80 km/h schnell. Die Reifen teilten das Wasser mühelos und ich konnte Emotionalität pur geniessen. Sturzbäche flossen über die Autobahn, es bildete sich eine Schicht aus fliegendem Wasser – dort wo die Tropfen von der Wasseroberfläche wieder zurückgeworfen wurden. Sie müssen unglaublich groß gewesen sein, denn die Sicht war kaum beeinträchtigt – dennoch war sofort diese Schicht Wasser da. Die Handschuhe (Leder) waren sofort durch – und ich konnte staunen und fühlen. Ich weiß nicht was nasser war, ich von aussen oder der Helm von innen von den vielen Tränen, die dieses Erlebniss auslöste.

Es war genau einer dieser Momente wo ich mir dachte: Oh, weil geil, dass du Motorrad fährst. Wenn mich zukünftig jemand fragt warum ich das tue, werde ich auf diesen Artikel verweisen und sagen: deshalb.

Nach rund 20 weiteren Minuten kam ich zu Hause an. Viel später natürlich, an schnelles Vorankommen war nicht mehr zu denken gewesen. Ich stellte die Dame (Motorrad) in die Tiefgarage und ging tropfend nach oben. Das Strecken der Hand mit dem Schlüssel zum Schloss löste Sturzbäche aus, die vor meiner Tür eine neue Heimat fanden. Mit einem schnellen Schritt stand ich im Badezimmer und zog die Klamotten aus. Handschuhe: vollkommen durch, Helm – innen naß, da ich die Belüftungen nicht zugemacht hatte. Jacke: vollkommen nass von aussen, innen: trocken. Vollkommen trocken. Bei der Hose das gleiche, ebenso bei den Schuhen. Dabei hatte ich noch gespürt wie das Spritzwasser auf die Schuhe geworfen wurde. Das war für mich einer der Momente wo ich fand, dass eine qualitative Textilkombi aus zwei Teilen durchaus auch Vorteile gegenüber einer Lederkombi haben kann.

Trocken und warm – auch nicht schlecht. Sollten diese Vorteile aber die Abriebfestigkeit von Leder aufwiegen? Ich bin mir nicht sicher. Fest steht aber auch – das war defintiv die beste Kleidung für diesen Moment.

Liebes Rukka Team,

vielen Dank für diese perfekte, wasserdichte Kombination. Gerne würde ich bei euch die Kombination von Leder und Goretex Textil kaufen, wenn das nicht sofort das Auflösen meines Bausparvertrags erfordern würde. Der Rukka Anzug Merlin ist derzeit definitiv ausserhalb meiner Preisliga. 1299€ würde mir für Hose und Jacke noch eingehen – aber nur für die Jacke? Zumal der Rückenprotektor der Merlin Jacke gerade mal dem Level 1 entsprechen soll.

Vielleicht kann Rukka als Premiummarke ein bisschen über die Preisgestaltung nachdenken – dann hätten sie ganz sicher einen Kunden dafür mehr. So bleibt es erstmal bei der Textilkombi – wo die Jacke vielleicht mal über einer Lederkombi gefahren wird. Wäre schön beides zu haben.

Der Traunsee in seiner schönsten Form - Blick von Gmunden

Salzkammergut, hin und zurück

Einmal München – Salzkammergut und zurück. Ein einfaches Thema und doch mit soviel Spaß besetzt. Am Samstag ging es morgens früh los. Meine Mutter besuchte das schöne Salzkammergut und ich wollte sie besuchen. Was lag bei bestem Wetter näher als auf die Honda VFR zu steigen und auf einen Kaffee bei ihr vorbeizufahren?

Pünktlich ging es um kurz vor 9 nach einer großen Tasse Frühstück hier in München los. Der Weg sollte mich auf der Autobahn bis nach Österreich führen. Auch wenn das Autobahnfahren zu den weniger beliebten Dingen des Motorradfahrers gehört, lässt es sich auf der VFR ganz gut aushalten. Sie hat genügend PS und ist mehr als ausreichend motorisiert. Dank ihres hohen Gewichts, liegt sie ganz solide auf der Strasse und obendrein nimmt die Verkleidung den Schrecken des Wetters ein wenig. Also, ab auf die Bahn und mit gemütlichen 130 km/h nach Süden. Irgendwann in Holzkirchen traf ich dann auf eine Gruppe von anderen Motorradfahrern und zusammen zogen wir dann gemütlich bummelnd dahin. Die Gruppe fuhr in Freilassing ihre eigenen Wege, ich hatte ein Pickerl (neudeutsch: Vignette) und fuhr die verbleibenden Kilometer noch auf der Autobahn.

Dann hieß es für mich aber auch bald runter von der Autobahn und willkommen im unglaublichen Salzkammergut. Jenes zeigte sich von der allerbesten Seite: Sonne, tiefblauer Himmel und vollkommen klare Luft. Die Straßen nach Bad Ischl sind perfekt ausgebaut und die VFR zieht ihre Bahn. Kurve links, rechts, rechts, geradeaus – es gleitet dahin. Unglaublich schön. Nach einer weiteren Stunde Fahrt war ich dann am Zielort – glücklich, ein bisschen verschwitzt und in einer Vorfreude, dass es irgendwann zurückgehen würde.

Den Tag haben wir im Salzkammergut verchillt und sind ein wenig mit der Dose (allerdings oben offen) durch die Gegend gefahren. Gmunden, am Traunsee, war das Ziel zum Mittagessen. Direkt an der Esplanade haben wir ein leckeres Essen bekommen, serviert vor grandioser Kulisse. Der Traunsee ist schön, tiefblau, beinahe kitschig und strahlt Dynamik aus. Im Gegensatz dazu stehen im Hintergrund die Berge, ebenfalls tiefblau und geben dem ganzen Ruhe. Alles blau in blau – ja, einmalig schön. Den Kaffee zum Essen gab es in Bad Ischl. Eine Stadt, die in jeder Jahreszeit etwas zu bieten hat. Ischl bietet Kaiserzeit, wunderschöne Cafes und kann mit dem Zauner Verführung pur bieten. Geniessen, chillen und einen Eiskaffee schlürfen…

Gegen Abend sollte es nach Deutschland gehen. Die ersten Kilometer durch das Salzkammergut in friedlicher Abendstimmung waren die Fortsetzung des Chillens, wenn….. wenn da nicht diese schwarzen Wände gewesen wären. Die Sonne stand derart tief, dass man über große Strecken direkt in sie hineinblickte und kaum etwas sehen konnte. Als Ausgleich dazu kamen dann lange Schattenpassagen, die einem vom gleissenden Licht in eine schwarze Wand fahren liessen. Als Motorradfahrer: unheimlich. Ich suchte mir eine vernünftig fahrende Dose, hielt ausreichend großen Abstand und hängte mich hintendran. So liess sich wenigstens ein guter Teil der Ruhe bewahren, den “Wandsucher” konnte ich damit wem anders überlassen.
Note to myself: der nächste Helm bekommt ein Sonnenvisier, herunterklappbar.

Irgendwann hatte mich dann die Autobahn wieder. In langen Schlangen ging es mit 100.000 anderen Menschen in Richtung München zurück. Nicht schön, vermutlich nicht vermeidbar. Ein kurzer Stopp am Chiemsee brachte ein bisschen Erholung für die gestressten Hände. Wer mit der VFR nicht über 80 km/h fahren kann, muss eben das Gewicht des Oberkörpers mit den Händen an den Stummellenkern halten. Dummerweise funktionieren auch die Kühler erst ab 80 km/h vernünftig. Vorher wird sie einfach nur wärmer und wärmer bis der Lüfter einsetzt. Das ist zwar nicht weiter schlimm, sorgt aber dafür, dass auch dem Fahrer nicht wirklich kalt werden kann. Unglücklicherweise gibt es dafür keinen Regler wie bei der Griffheizung.

Nach vielen Staukilometern näherte sich die Abfahrt Holzkirchen. Dort war mein Akku dann wirklich leer – raus! Kaffee trinken, Wasser hinterher und etwas essen. Bei heissen Temperaturen mit dem Motorrad längere Strecken zu fahren ist eine komplett andere Liga als mit dem Auto zu fahren wenn es nur ein bisschen “warm” ist. Mit teilgefülltem Akku ging es dann auf die letzten 50 Kilometer. Spätestens mit der letzten Abzweigung waren dann die letzten Autos verschwunden. Gaaaas!
Note to myself: Kaufe dir mal eine anständige Lederkombi!
Wunsch: Arlen Ness Multiplex.

Auch wenn die Rukka Textilkombi gut sitzt und klimatechnisch wirklich toll ist – bei höheren Geschwindigkeiten, die die VFR im Gegensatz zur Honda Dominator bieten kann, flattert sie ein wenig. Nicht schön – da würde sich Leder besser anfühlen.

Deutlich später am Abend als geplant aber vollkommen glücklich kam ich dann zu Hause an. Das Motorrad tickerte zufrieden vor sich hin und blinzelte mir zum Abschied zu.

Guten Abend, Kleines – bis zum nächsten Mal!

Anmerkungen:

Das Salzkammergut ist irgendwie schon seit Ewigkeiten Teil meines Lebens. Diverse Urlaube habe ich dort verbracht – im Sommer wie im Winter. Einen Blogpost über einen der Urlaube findet ihr hier: Vier Tage Urlaub im Salzkammergut.
(Ein bisschen Werbung in eigener Sache ist vielleicht erlaubt: Wohnen kann man hier)