Vier Tage Salzkammergut mit dem Motorrad

Endlich! Ein paar Tage frei – dank des Pfingstmontags und einem weiteren Tag kam schon fast etwas wie Urlaub heraus. Alle Kinder waren versorgt und wir konnten uns endlich der Tourplanung widmen. Es sollte nach Österreich gehen, genauer gesagt nach Bad Goisern, ins schöne Salzkammergut. Am Freitag, 10.06.2011, wurden abends noch schnell die letzten Dinge bei Louis eingekauft, die VFR wurde von Zweirad Michael abgeholt wo sie einen Quick Check absolvierte und die Koffer wurden gepackt.

Moment mal, da war doch eine Frau mit von der Partie! Ging wirklich alles so schnell?

Beim Louis am Freitag Abend mit einer Frau einzukaufen ist ein besonderer Spaß. Es stand die Komplettierung der Ausrüstung an; für die Tour war dies nun zwingend erforderlich geworden. Zu besorgen waren noch eine vernünftige Hose und ein Paar vernünftige Schuhe. Nach einigem Anprobieren und einer endlos geduldigen Verkäuferin entschied sich die Dame für eine Textilhose von Probiker im Lady Schnitt und Probiker Schuhen – in der Damenausgabe. Die Klamotten machten einen vernünftigen Eindruck,  darauf sollte sich doch aufbauen lassen. Optisch, natürlich, eine Augenweide. Vielleicht war ich aber auch nur von der einzukleidenden Person abgelenkt, das mag durchaus sein.

Zu Hause ging es dann tatsächlich an das Kofferpacken. Die VFR verfügt über einen Hepco & Becker Trägersystem an dem zwei Givi E36 Seitenkoffer montiert sind. Damit ergibt sich eine einfache Aufteilung bei den zwei Personen: jeder bekommt einen
Koffer. Nun hatte ich schon Angst, dass die Sozia alles mögliche einpacken könnte und erwähnte vorsichtshalber das Stichwort Gewicht. Die Sozia lächelte, packte ihren Koffer und war nachher nominell 300 Gramm leichter mit ihrem Koffer als ich mit meinem.

Sicherheitshalber verpackten wir alles in durchsichtige Plastiktüten, da wir einiges an Regen erwarteten. Im Nachhinein  sollte das jedoch vollkommen überflüssig sein. Beide Koffer waren absolut dicht und liessen keinen Tropen hinein. Es ging früh zu Bett, am Samstag mittag wollten wir uns dann auf den Weg machen.

11.06.2011
Anfahrt: München – Bad Goisern
Länge: 209 Kilometer

Gegen Mittag ging es tatsächlich los. Alles drauf und dran an die VFR und die ersten Meter wurden in Richtung Hofeinfahrt zurückgelegt. Himmel, das ist ja eine Fuhre! Erster – Tempo 30, die Karre liegt stabil. Alles eine Frage der Mindestgeschwindigkeit. Es ging in Richtung Süden hinaus, wir wollten die Masse der Zeit über die Autobahn fahren. Es musste am Zielort noch eingekauft werden, das hatte erstmal Vorrang vor tollen Strecken. Die Autobahn war so lala voll, echten Stau gab es keinen. Es gab lediglich einen Irren, der meinte sich mit Tempo 200 zwischen Leitplanke und Motorroad  hindurchquetschen zu müssen, weil es ging. Zahlreiche Regenschauer verpassten uns immer mal wieder Vollwaschgänge aber letztlich muss man sagen: es blieb fair. 20 Minuten mittlere Dusche anschliessend Sonnenschein. So konnte es erstmal bleiben. Kurz vor Deutschlands Landesgrenze der letzte Stopp, nicht zum Tanken, auch nicht für die Vignette sondern das letzte Mal wollte die Sozia ein paar kurze Telefonate mit deutschem Handynetz führen. Dann wieder auf die Bahn und ab nach Österreich. An Salzburg vorbei, weiter auf der A1 bis zur Abfahrt Thalgau.

Dort ging es im „Oh, wie schön ist Panama“ Tempo auf der Landstraße weiter nach Bad Goisern. Allerdings sollte es noch kräftige Regeneinlagen geben: Aquaplaning für die Autos, spritzendes Wasser bis hoch zu den Stiefeln für mich, verwirbelte Regenwolken von hinten für die Sozia. Angekommen, Koffer ausgepackt und ab zum Einkaufen (mit Koffern).

Kurzfazit zu den Koffern bis hier: nett und irgendwie bequemer als die Packrolle der Enduro. Platz für vier Tage Einkaufen für zwei Personen ist auch vorhanden.

Der Abend wurde dann nach einem kleinen Spaziergang eingeläutet, Aneinanderknuffen, Lesen und Schlafen.

12.06.2011
Tour 1: Bad Goisern – Hallstadt – Grundlsee – Bad Aussee – Bad Goisern
Länge: 87 Kilometer

Tourtag! Wir hatten uns verständigt an jedem Tag einen sinnvollen Kompromiss zwischen Motorradfahren, Spazierengehen und Kaffeetrinken zu finden. Ein paar Stunden fahren, irgendwas besichtigen, dann zurück, Mittagsschlaf und anschliessend Spazierengehen, so sollte es ablaufen. Der erste Tourtag sollte einen Ausflug zu ein paar Seen bringen: Hallstädter See, Grundlsee, Toplitzsee, Altausseersee. Auch ein paar kleine Pässe sollten dabei sein. Meine Eltern hatten mich ja schon zu ein paar Touren zu Fuß an den komischsten Orten hier motiviert, jetzt mit dem Motorrad war das ein vollkommen anderes entdecken.
Hej, so schräg sind deine alten Herrschaften ja gar nicht – ist ja wirklich ganz schön hier. Die Straßen wurden gerade an den  entlegenen Stellen ziemlich klein und eng, das Wetter blieb fair, es lockerte auf und die Sonne kam heraus. Hallstadt kannten wir bereits ausgiebig und fuhren schlicht dran vorbei, das können wir später auch nochmal ansehen, eventuell in China (siehe hier oder hier).

Die kleinen Straßen durch den Wald nach Bad Aussee waren schon ziemlich schön und leer, ab Einfahrt Grundlsee schien dann die  Sonne. Eigentlich wollten wir den Toplitzsee ansehen und fuhren nach Gößl. Hier ein guter Tipp für Gößl: Nicht hinfahren.
Dieser Ort bietet exakt gar nichts ausser der Fahrt entlang des Grundlsees. Bester Tipp daher: Entlangcruisen am See, in Gößl den Kreisverkehr nutzen und wieder zurückfahren.Den Kaffee nebst dem zugehörigen Foto (siehe unten) nahmen wir am Altausseer See direkt am See zu uns. Frisch gestärkt machten wir uns dann auf den Rückweg. Über den Pötschenpass ging es zurück nach Bad Goisern und dann direkt zum Nachmittagsschlaf auf der Couch.

 

13.06.2011
Tour 2: Bad Goisern – Gosau – Rußbach – Postalm – Strobl – Bad Goisern
Länge: 87 Kilometer

Noch ein Tourtag! Nach den schönen Erlebnissen des Vortages sehnten wir den nächsten Tag herbei. Sonne war erstmal keine zu sehen und so fuhren wir bei bewölktem Wetter über St. Agatha nach Gosau zum vorderen Gosausee. Den kannten wir bereits mehrfach vom Umrunden per Pedes und so reichte ein einfacher Blick. Auf dem Parkplatz unmittelbar vor dem Gasthaus waren die wenigen Meter schnell gegangen und wir beschlossen nach kurzem Stopp weiterzufahren. Ein 1200er Bandit Fahrer bestätigte auf dem Parkplatz noch die Durchführbarkeit unserer weiteren Route und los ging es zum Pass Gschütt. Kurve links, Kurve rechts, nochmal, dann links, und nochmals, Haarnadel, wundervoll. Die Strecke war klar, das Wetter überlegte sich das auch noch und es begann richtig zu regnen. Schade. Kurz vor Abtenau ging es auf kleinen Straßen hoch zur Postalm. Unglaublich wie einsam das doch in Österreich sein kann. Wir konnten mehrere Minuten über kleinste Straßen fahren, nur ganz selten kamen wir an Häusern vorbei. Leider nahm der Regen auch immer mehr zu und wir konnten nicht die beste Aussicht genießen. Auf dem Weg hoch zur Postalm wurde der Nebel immer dicker und der Regen wurde auch immer intensiver. Diesmal kam kein Gejammer von der Sozia, die neuen Klamotten hielten also dicht, sehr gut. Oben auf der Postalm angekommen bogen wir direkt gen Berg links ab und fuhren auf die Strobler Hütte und reihten unsere VFR in die Reihe der zahlreichen Motorräder ein. Ich wusste gar nicht, dass es hier einen heimlichen Motorradtreff im Sommer gibt. Der Kaiserschmarrn war ein Gedicht wie immer (siehe Foto), jedes noch so kleine Stück war komplett karamellisiert und schmolz von alleine im Mund. Die Sozia nahm eine leckere Gulasch Suppe zu sich, ein Großer Brauner pro Kopf rundete den Besuch ab. Auf dem Parkplatz sorgten wir dann für eine Runde Belustigung; es waren Gott sei Dank keine Menschen anwesend. Die Sozia verlor beim Aufsteigen den Schwung, blieb irgendwo hängen und hing schallend lachen auf halb acht. Mit einem soliden Lachkrampf lässt sich schlecht aufsteigen, groß helfen konnte ich nicht, da ich das Motorrad festhielt und so dauerte es noch eine ganze Weile bis wir losfahren konnten.
Wir wollten in Richtung Strobl abfahren und vielleicht noch einen Blick auf den Wolfgangssee erhaschen, letzteres scheiterte jedoch im Regen. Leicht angefroren fuhren wir über Bad Ischl zurück nach Bad Goisern und legten uns in die heisse Badewanne.

Wie schön das Leben doch sein kann.

14.06.2011
Rückfahrt Bad Goisern – Mondsee – Braunau – München (via Landstrasse)
Länge: ca 270 Kilometer

Fast alles geht im Leben zuende, so auch dieser kurze aber sehr schöne und harmonische Urlaub. Wir überlegten uns komplett über die Landstraße nach München zurückzufahren. Beim Losfahren hatten wir schon gemischte Gefühle was das Wetter angeht. Auf den beiden Wetterfotos kann man es schon ganz gut erkennen, die eine Seite der Wohnung (nach Osten) zeigte dicke, dicke Wolken, die andere Seite zeigte blauen Himmel und das war die Richtung in die es gehen sollte. Na, dass muss doch klappen! Über die Bundesstraße sollte es nach Bad Ischl gehen, von dort über die Romantikstraße nach Mondsee. Dort sollte sich dann die Weiterfahrt entscheiden.

Entweder sollte es dort auf die A1 gehen und via Autobahn zurück nach München oder es sollte weiter über die Landstraße über Braunau, *öttingen nach München gehen.Wir überquerten die Autobahnbrücke und der Flopp sollte beginnen. Es begann zu regnen. Ich meine hier nicht ein bisschen Regen wie die Tage zuvor, ich spreche von echtem Regen. Volles Programm – von oben. Gott sei Dank wird diese Bundesstraße aus Braunau kommend als Zubringer für LKWs ins Nirgendwo benutzt. Das heisst für uns Zweiradfahrer: Waschgang von oben, alle 20 – 30 Meter kräftiges Windgeschlage und Dreckwasser von den entgegenkommenden LKWs. Ich begann unter dem Helm zu fluchen.

Erschwerend kam hinzu, dass die Österreicher den Hang haben in Ortschaften die Gullydeckel quer über die Straße zu verteilen. Bei der Nässe waren diese glatt wie Schmierseife und zu guter Letzt war die Straße in der Mitte der Fahrspur aufgetrennt  worden und beide Hälften waren mit verschiedenem Asphalt repariert worden. Damit gab es verschiedenste Möglichkeiten: Fahren auf der Fräskante, Fahren auf nassem Gießasphalt, Fahren im Gegenverkehr. Wundervoll. Vollkommen entnervt fuhren wir an Braunau vorbei nach Deutschland. Dann noch ein paar Kilometer und wir kamen auf die Autobahn, die von Passau in Richtung München führt.

„Kaffee, es muss ein Kaffee her – sofort“,

das war das Zeichen der Sozia von hinten und meine innere Stimme sagte ebenfalls etwas ähnliches.

Die Sonne stand am Himmel, das Wetter war wundervoll, die Autobahn bot in diesem Teilstück alle drei Kilometer einen LKW und sonst keine anderen Verkehrsteilnehmer. Meine innere Logik sagte mir: Auto = Rastplatz = Kaffee.Wir fuhren langsam schneller, die Sozia legte sich flach auf mich, ich legte mich auf den Tank und duckte mich hinter die Scheibe und drehte an dem Lautstärkeregeler.

Die VFR nahm Fahrt auf und stabilisierte sich im Fahrtwind. Unglaublich was so ein bisschen Verkleidung ausmachen kann. Es fühlte sich schnell an, es war schnell und es war ok – die Kilometer bis zum nächsten Ereignis dieser Reise flogen nur dahin. Achtung ein Schild dahinten!

120! 100! 80! Einspurig! Überholverbot! 60

und ein LKW. Es ging hinter diversen LKWs und dichtem Gegenverkehr weiter. Dann wenn man überholen durfte war Überholverbot, dann wann man konnte war starker Gegenverkehr. Nach zahlreichen Sprinteinlagen (auf der sicheren Seite) waren wir irgendwann total genervt und fuhren von der Landstraße ab in ein kleines Dorf. Es handelte sich um das Dorf Rattenkirchen. Schön eigentlich. Zielstrebig fuhren wir zum Kirchturm, da sich dort immer ein Wirtshaus befindet. Diesmal war dort kein Wirtshaus aber ein Einwohner schnitt dort seine Rosenhecke. Die Sozia öffnete das Visier, legte ihr schönstes Lächeln auf und fragte wo man hier einen Kaffee trinken könne. Der Einwohner legte seinen Kopf schief, dachte mehrere Minuten nach und sagte anschließend:

„Ein Cafe? So etwas gibt es hier nicht.“

Die Sozia lies nicht locker und fragte nach der Umgebung oder Nachbarorten. Der Einwohner dachte wieder mehrere Minuten nach.

„Nein, im Umkreis von 10 Kilometern haben wir sicherlich nicht so etwas.“

Wir machten eine kurze Rast auf dem Parkplatz der Volks- und Raifeisenbank und frischten den Blutzuckergehalt ein wenig auf. Der Weg aus dem Ort hinaus war schnell gefunden, es ging zurück auf die Landstraße und weiter Richtung München. In Hohenlinden sollten wir dann tatsächlich noch einen Kaffee finden, die Welt hatte uns wieder und wir fühlten uns der Großstadt schon sehr nah.

München!

Willkommen im Stau! Mittlerweile war die Sonne komplett frei von Wolken und brannte mit gefühlten 50° Grad in den Klamotten nieder. Dann auch noch Stop and Go – nichts geht mehr. Ich bin erschöpft, das Wasser läuft innen am Anzug herunter und die VFR im dichten Stadtverkehr fährt wie ein Auto. Dank Koffern ist das Drängeln eingeschränkt, unschöne Worte kommen über meine Lippen.
Dann endlich – zu Hause.

Fazit: Eine toller Urlaub mit dem Motorrad. Aus meiner Sicht hätte es mehr Fahrtzeiten geben können, der Kompromiss war aber goldrichtig. Die Honda VFR hat sich wundervoll bewährt und ich habe jeden Kilometer mit ihr genossen und weiß seitdem das richtige Motorrad gekauft zu haben. Die Kombination aus Sport und Tourer ist toll! Im direkten Vergleich zur Honda Dominator: die Bremsen waren überall schön zu dosieren und ich hatte jederzeit den Eindruck gut unterwegs zu sein. Der Ausflug gen Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn war zwar toll, zeigt aber auch dass ich Autobahnen nicht mehr als mein zu Hause auf zwei Rädern akzeptiere. 650 Kilometer, die zu zweit geteilt wurden, waren ein tolles Erlebnis. Schön fand ich auch, dass ich Freude am Salzkammergut gefunden habe und das es bestimmt nicht mein letzter Ausflug in die Region.Die Klamotten der Sozia haben sich bewährt und haben dicht gehalten. Ich hätte diesen Funktionsumfang so nicht für möglich gehalten und wer Klamotten für Gelegenheitsfahrer sucht, scheint auch in der günstigeren Sparte beim Louis was sinnvolles zu finden.
Hätte ich nicht gedacht – Respekt!


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