First aid … für Motorradfahrer

Es ist keine Pflicht für Motorradfahrer in Deutschland einen Verbandkasten oder Verbandtasche mitzuführen. Andere Länder sind dort deutlich weiter und schreiben das Mitführen eines Verbandpäckchens nach DIN vor. Wer es nicht dabei hat, wird zur Kasse gebeten. Österreich ist ein gutes Beispiel dafür. In Italien hingegen benötigt der Motorradfahrer keine Verbandtasche, dafür soll eine Warnweste mitgenommen werden; eine durchaus interessante Variation.

Vor dem Kauf der VFR hatte ich auf Touren oder längeren Ausflügen immer eine kleine Verbandtasche im Tankrucksack dabei. So ein Ding nimmt nicht sehr viel Platz weg, macht sich gut in einer der Seitentaschen des TRS und gut. Mit dem Kauf der VFR habe ich nun immer eine solche Verbandtasche bei mir, da es dafür einen eigenen, vorgesehenen Platz unter der Sitzbank gibt. Jetzt, unmittelbar vor dem Österreich Trip habe ich die überalterte Tasche entfernt und durch eine neue ersetzt. Mit rund 10 Euro ist man dabei und hat Ruhe für die nächsten Jahre.

Bei dem Entnehmen der alten Tasche kam mir die Idee zu diesem Blogeintrag. Sie einfach mal zu öffnen und abzulichten. In einer kurzen Nachfrage bezüglich der Mitnahme von solchen First Aid Kits auf Twitter kamen interessante Antworten (Auszug):

@rabenfeder:
„Frisches Verbandspäckchen für #motorrad gekauft. Bin ich eigentlich der einzige, der so ein Ding dabeihat?“

@_seitwaerts_:
@rabenfeder nein, ich hab normal auch eins dabei. ist doch eine gute sache, und so klein, dasz es immer platz findet

@MaxED9:
@rabenfeder hab auch eins dabei

@Hepolite:
@rabenfeder Hab‘ auch in jedem Bike eins unter der Sitzbank oder zur Not im Rucksack. In erster Linie um Helfen zu können :-)

Natürlich kamen auch Nachfragen wo ich das Ding denn lassen würde – die Antwort findet sich oben. Spannenderweise kam von keinem die Aussage, dass dies vollkommener Blödsinn sein und Motorräder schon seit Ewigkeiten nichts dieser Art dabei hätten. Aber Moment mal – meine VFR ist Baujahr 1998. Sie hat ein entsprechende Fach bereits ab Werk vorgesehen. Selbstredend hat meine Honda Dominator weder ein Verbandpäckchen noch den Platz irgendwo dafür. Für die Domifahrer gibt es die Möglichkeit das Ding anstelle des Fahrer Manuals vorne in die Miniverkleidung zu pappen.

Zwischenstand: Es gibt durchaus viele aktive Befürworter und bislang keinen offenen Gegner; Fragen des Ablageortes bleiben jedoch bestehen. Aus eigener Erfahrung weiss ich wie sinnvoll so ein Päckchen sein kann. Beim letztjährigen Honda Dominator Treffen hat sich jemand gut geschnitten, da taten es die Pflaster aus dem Päckchen und einer Sozia eines anderen Motorradfahrers konnte mit einer Mullbinde ausgeholfen werden, nachdem sie sich unschön am Auspuff verbrannt hat.

Der Inhalt von diesen Verbandspäckchen:

…ist nach DIN vorgeschrieben. Ich habe mein abgelaufenes Päckchen mal ausgekippt, den Inhalt von den Verpackungen befreit und fotografiert (von links oben nach rechts unten):

  • Beschreibung / Infobüchlein „Lebensrettende Sofortmaßnahmen“
  • Pflaster (Wundschnellverband)
  • Omni/Hansaplast Klebeband
  • 2x Verbandspäckchen – Mullbinden
  • Rettungsdecke (goldfarbene Alufolie)
  • Erste Hilfe Handschuhe („Aids Handschuhe“)
  • Verbandtuch
  • Verbandsschere

Alles ist mehr oder minder von alleine zu verstehen. Im Schnelldurchlauf heisst das: Pflaster für kleinere Schnitte, Schürfungen – ob das bei einem grösseren Unfall Sinn hat wage ich durchaus zu bezweifeln, für den Feld, Wald und Wiesn Unfall – ein Schnitt, beim Schrauben gezwickt – absolut sinnvoll. Die Rettungsdecke ist besser als ihr Aussehen. Die Dinger helfen wirklich und isolieren sinnvoll. Kann auch sinnvoll dazu verwandt werden tropfendes Öl aufzufangen. Die Dinger sind erstaunlich reissfest!

[Anmerkung und Edit: Nein, es ist nicht meine Absicht die Lehrgänge für die Sofortmaßnahmen einzustellen und stattdessen mit Büchern die Welt zu verbessern. Geht auf die Kurse – und zwar regelmässig! Als Referenzkarte halte ich die Dinger dennoch für sinnvoll – danke Juergen für die Anmerkung]

Dann nahm ich mir das kleine Büchlein vor. Es ist dort alles beschrieben und schön erklärt. Kleingeschrieben und in 10 Punkt Schrift bei Dunkelheit mit zittrigen Fingern vollkommen unleserlich dargestellt. Zudem liegt das Papierbüchlein komplett ungeschützt in der Verbandtasche. Nach ein paar Jahren im Motorrad wird hier vermutlich alles vergilbt sein und damit auch nutzlos sein. Wie schaut es denn mit einer eingeschweissten Version zum Auffalten aus? Kostet nicht so sehr viel mehr – wäre aber sinnvoll und haltbarer. Vielleicht würden ein paar Zeichnungen vieles auch noch besser darstellen – also, verbessern bitte! Sicherlich ist dieses Heft nach den letzten Erkenntnissen zusammengestellt und redaktionell sorgfältig geprüft worden.

Mein Vorschlag:

Ein paar eingeschweisste oder gummierte Karten mit Zeichnungen halte ich für deutlich besser. Einfache „Flowcharts“ was in welcher Reihenfolge getan werden sollte, sind doch einfach in Form von Icons und Strichmännchen darzustellen. Ich halte es durchaus für sinnvoll eine Unfallstelle gut abzusichern und zu markieren. Mit einer einfachen Seite ist das darzustellen, auf der Rückseite können dann weitere Maßnahmen vermerkt werden. Weitere Karten können dann das kleine Büchlein ablösen und auf lebensrettende Sofortmaßnahmen eingehen. Spiralbindung drum – fertig. Dabei finde ich es sinnvoll ein faltbares Warnzeichen auf reflektiver Folie beizufügen. Die Wärmedecke ist nicht groß im zusammengefalteten Zustand, kann aber groß entfaltet werden. Ein leuchtendes Dreieck im A4 Format ist sicherlich gut umzusetzen.

Mal sehen, vielleicht finden sich glatt ein paar Leute für eine Initiative für eine solche Kärtchensammlung. Im *.svg Format gezeichnet, gehostet bei github. Warum nicht?

5 Gedanken zu „First aid … für Motorradfahrer“

  1. Bei mir ist die Verbandstasche im Topcase und damit fahre ich so gut wie immer. Einzige Ausnahmen sind die kurzen Stadtfahrten im Januar gewesen.
    Aber vielleicht versuche ich die Verbandstasche auch noch irgendwie unter die Sitzbank zu bekommen. Der Platz fürs Handbuch wäre zwar da, aber der Schlitz ist da leider nicht groß genug.

    Warnwesten in 2 Farben, da das auch unterschiedlich in den Ländern gehandhabt wird, habe ich dann immer in den Seitenkoffern, die sind ja bei solchen Reisen auch immer dabei.

  2. Hab ich das jetzt richtig gelesen? Du forderst fest eingeschweißte Infoheftchen, um sie am Unfallort durchzulesen.
    Ein Tipp von mir, als Motorradfahrer und als Profi im Unfallgeschäft.
    Laß dein Verbandpäckchen zu Hause, erspare dem Mopped das Zusatzgewicht. Kommst du als erster zu einem Unfall, greife zum Handy, wähle den Notruf und schildere, was passiert ist. Dann warte auf die Fragen des Gesprächspartners und beantworte sie möglichst präzise.
    Damit hast du dem Verletzten schon lebensrettend geholfen, jedenfalls mehr, als wenn du die Gebrauchanleitung liest.
    Ich fasse nicht, wie man so einen gequirlten Mist erzählen kann!!!

    1. Deinen Ansatz kann ich durchaus nachvollziehen und teile ihn durchaus. Dennoch oder vielleicht gerade ist das ein besserer Ansatz als der Vorhandene, der aus einem dünnen Heft besteht. Warum steht dieser einfache Hinweis (von dir durchaus auch geteilt) nicht so in dem Heftchen drin? Gönne der Welt den Vorschlag auf die erste Seite zu schreiben was zu tun ist. Für den Fall, dass jemand eben doch draufschaut, weil sein letzter Kurs 20 Jahre her war (verwerflich genug). Sollte ich in den Alpen verunfallen und jemand kommt vorbei, hat keinen Plan aber so einen Zettel in dem Kasten, darf er ihn gerne lesen und mir dann helfen. Da darf dann auch drinstehen, dass er Hilfe anrufen darf.

      Das war damit gemeint und auch nicht mehr.

  3. Bei der CB500 habe ich das Verbandspäckchen permanent im Heckbürzel und 2 Warnwesten unter der Sitzbank, die zweite für Sozia oder auch sonst evtl. zur Absicherung.

    Bei der DR350 sieht es mangels Platz leider anders aus, aber wenn ich einen passenden Tankrucksack finde wird dort auch permanent eines reinkommen. Sonst nutze ich sie Onroad nur in der Stadt, und da lässt sich relativ schnell auch immer ein Autofahrer anhalten.

    Jürgens Haltung kann ich nicht wirklich verstehen. Natürlich sollte ein Notruf, gerade wenn man medizinisch nicht mehr so fit ist, direkt nach/während der Absicherung stattfinden. Aber gerade bei einfach erstzuversorgenden Verletzungen wäre es sinnvoll, eine passend verständliche Anleitung beizulegen. Mit passenden Hilfsmitteln lässt sich zB eine blutende Extremität recht einfach abbinden, was deutlich sinnvoller ist als 10min der verletzten Person beim Verbluten zuzusehen. Und „Gewichtsersparnis“ ist bei einem Päckchen von maximal 200g ja wohl eines der selten dämlichsten Argumente.

    Gut, für mich stellt sich die Frage nach dem Helfen wohl kaum, mit einem ein halbes Jahr alten Sanitäter-A-Kurs könnte ich mich schlecht rausreden ;)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

eMail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
Auch möglich: Abo ohne Kommentar.