Königswasser und eine Runde VFR

Donnerstag! Der Donnerstag nach dem Kauf der VFR und das Wetter machte einen guten Eindruck. Donnerstag ist auch der Tag der Paarhygiene. Das heisst Erlebnisse zu zweit, ein bisschen Zeit füreinander ohne Job, ohne Kinder, einfach so. Fürs Reden – manchmal auch nur für sich, dem Alltag einmal für ein paar Stunden entfliehen.

Da heute der erste Tag nach dem Kauf der VFR war, stellte sich die Frage was wir tun würden. Ich konnte mich Gott sei Dank schnell durchsetzen und wir wollten eine kleine Tour rund um den Starnberger See unternehmen. Pünktlich um 19.00 Uhr waren alle Pflichten erledigt und es konnte losgehen. Es war gleichzeitig auch die erste echte Ausfahrt mit der Sozia auf der VFR. Kurzeinweisung, Probesitzen, einmal Probefesthalten an den Seitenträgern, Ausklappen der Soziarasten, Aufsitzen, Choke ziehen, Anlasserknopf drücken und los.

Dunkel war der Himmel, es waren heftigste Unwetter angekündigt aber noch schien die Sonne. Die Tour sollte uns auf schnellstem Wege über die Autobahn nach Percha bei Starnberg führen. Von dort sollte es entlang des Starnberger Sees nach Süden gehen, via Bernried oder mit einem Abstecher zum Peißenberg. Über den letzten Haken war noch nicht entschieden und wir fuhren erstmal auf die Autobahn. Die VFR muckte kein bisschen bei der erhöhten Last und lenkte ganz sauber in die Kurven. Das Drehen an dem Lautstärkeregler rechts sorgte für ein wenig Highway to Hell Gefühle, bevor es dann auf die Landstraße ging. Bizarre Wolkenformationen begleiteten uns. Mal lag der See im Sonnenschein vor schwarzen Wolken, mal war er selber dunkler als die Nacht. Die ersten Tropfen fielen gegen mein Visier.

Egal, nach wenigen Minuten war alles vorbei und wir waren umgeben von Regenbögen auf einer schnurrenden VFR und absolut menschenleeren Kleinststraßen. Moment, irgendwas ist hier anders! Meine Augen suchten die Instrumente ab – was ist hier anders als eben? Langsames Dahingleiten, nachsehen – AHA, da blinkte die Kraftstoffvorratswarnleuchte (Gruß an die Bundeswehr!). Aber wie lange blinkte die denn da schon? Und wenn ja wieviele Kilometer kann man nun noch fahren? Ein Erlebnis der besonderen Art, welches man nur bei Familienneuzugängen erleben kann. Da ich gerne mit solchen Pannen auf dem ersten Trip liegenbleibe (Hallo Mami! – danke fürs Abschleppen damals!), suchte ich nach einer Tankstelle. Anhalten in einem der Dörfer und fragen. Gut, in 200 Meter hätte sich das alles erledigt gehabt. Wir fuhren die letzten Meter und hielten glücklich die Zapfpistole in den Tank und freuten uns über die geöffnete Tankstelle.

Es sollte immer schwärzer werden, der Regen war schon zu riechen. Umdrehen und zur Autobahn an der Auffahrt Münsing Richtung Heimat abbiegen oder weiterfahren? Die Lösung kam von unserem Tanknachbarn.

„Wo kommt ihr her – ach München, na dann kennt ihr hier ja schon alles. Mein Tipp: Fahrt über Bernried, Feldafing und Possenhofen nach Starnberg und setzt euch da ins Königwasser. Das ist ein Biergarten, Bistro und dort wartet ihr bis alles vorbei ist“.

Kurzer Blick in die Augen, eine gute Idee – Aufgesessen und los. Die VFR schnurrt über die kleinen Alleen dahin, die Doppelscheinwerfer schweissen die Dunkelheit auseinander und brennen sich in den Horizont. Was für ein geiles Licht! Fernlicht an – gleissendes Licht zerreisst die Dunkelheit der Landstrasse, die Motten explodieren im Lichtstrahl, sie müssen nicht einmal zum Licht hinfliegen. Wow! Das kenne ich irgendwie anders von der Domi.

Die Straßen sind mittlerweile nass, scheinbar hatte es hier schon geregnet. Der Belag macht einen glatten Eindruck, ich fahre vorsichtig. Lieber 10 Minuten später ankommen als mit einem Rutscher die Fahrt beenden. Dennoch bleibt der Spaß. Die VFR lässt sich prima mit dem Po rumdrücken, die Bremsen sind wundervoll und es steht immer ausreichend Leistung zur Verfügung. Mit den ersten Sturmböen treffen wir in Starnberg ein und machen uns auf zu dem Wunderbistro.

Wir kommen von der falschen Seite an das Bistro heran. Von hier schaut es eher nach einem Bistro ala „Ich stelle ein paar Tische in eine überdachte Einkaufspassage“ aus. Der Biergarten ist stockfinster, wir gehen weiter. Nach ein paar Metern drehen wir wieder um, ich gehe zur Seite und siehe da – das Königswasser kann doch drei – vier gemütliche Tische umgeben von Weinregalen bieten. Ich habe zu dem ganzen Laden überhaupt NULL Vertrauen und bestelle eine Johannisb.-Schorle und eine Rinderkraftbrühe mit Frittaten (Pfannkuchenstreifen). Meine Sozia ist ähnlich skeptisch und bestellt ein Wasser und ein großes Brotzeitbrett mit Hausbrot. Die Bedienung ist reserviert freundlich und draussen toben die ersten Blitze und der erste Wolkenbruch öffnet seine Tore.

Die Suppe kommt schnell, ist heiss und absolut köstlich. Das Brotzeitbrett besteht aus Brot, Schinken (roh, gekocht), Gurken, Essiggurken, Obatzter, Tomaten und wundervollen Frikadellen. Das Brot ist ganz frisch gebacken – für 10,80 Euro reicht die Portion locker für zwei! Unglaublich! Was für eine Wende. Wir lassen es uns herrlich gut gehen, draussen tobt Thor und wütet über dem See.

Irgendwann müssen wir aufbrechen, es regnet immer noch. Wir gehen zur VFR, die uns tropfnass begrüßt. Aufsitzen, Heizgriffe auf Position Start, von der Sozia kommt die Rückmeldung, dass sie bereits komplett nass sei. (Anmerkung: Selber schuld, ich wollte an dem Abend erst zum Louis fahren und eine vernünftige Hose kaufen)

Der Regen wird immer heftiger. Das Sirren der Stirnräder wechselt in der Lautstärke mit dem Zähneklappern der Sozia ab – je nach Drehzahl. An der Ampel höre ich was von „mir ist sooo kalt“ von hinten. Verflixt, ich muss unbedingt den Schalter der Heizgriffe finden, ich verbrenne mir hier noch die Pfoten! Ah, da!

Die Gewitter sind links und rechts von uns. Es schüttet aus vollen Eimern, die VFR schneidet sich ihren Weg durch den Regen. Dank der Verkleidung und der großen Tourenscheibe kann ich dennoch etwas sehen, die Lautstärke pendelt zwischen 80 km/h und 100 km/h. Teilweise steht das Wasser hoch auf der Autobahn, lieber noch ein wenig langsamer. Wir kommen zu Hause an, die Sozia springt nur kurz in den Flur, schmeisst die Klamotten in die Ecke und begibt sich in eine heiße Badewanne. Ich hänge lächelnd meine Rukka Klamotten auf, freue mich über Trockenheit und gehe ins Bett.

Was für ein toller Abend mit einem tollen Motorrad.

2 Gedanken zu „Königswasser und eine Runde VFR“

  1. An dieser Stelle noch mal herzlichen Glückwunsch und möge Euch die VFR immer gut nach Hause bringen. Der Beitrag ist toll geschrieben, liest sich sehr unterhaltsam. VFR fahren macht eben einfach Spaß. In diesem Sinne die Linke zum Gruß

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