Archiv für den Monat: Mai 2011

Feenhaftes Schrauben

Heute sollten an der VFR die Bremsbeläge gewechselt werden. An einer VFR hatte ich das vorher noch nicht gemacht. Die Beschreibungen wie die Beläge gewechselt werden sollten klangen ganz einfach. Also – auf geht es. Ich hatte das ganze Werkzeug zur Seite gelegt und vorbereitet, es war früh genug am Abend, kurzum alles war gut vorbereitet.

Kurz nach 19.00 Uhr begann ich mit der Schrauberei. Den Beginn machten die beiden Scheiben vorne. Der erste Punkt auf der Liste hieß: Lösen der Madenschrauben. WD40 drauf, Durchschlag aufgesetzt und mit ein paar Hammerschlägen auf den Durchschlag die maroden Schrauben gelockert. Aber es kam wie es kommen musste: die erste Schraube saß fest und wollte sich keinen Millimeter drehen lassen. Noch ein paar Schläge, mehr WD40 und der Entschluss die andere Seite zuerst zu machen. Diese Seite liess sich auch problemlos lösen. Es sollte also natürlich an der ersten und damit vermutlich letzten Schraube liegen. Ich entschloss mich dazu das Übel direkt anzugehen und drehte wohldosiert an dem Schraubendreher – nichts. Noch ein paar Schläge und irgendwann war die kleine Schraube auf. Puuh. Da muss wohl eine kleine Fee an mich gedacht haben und hat die Schraube geöffnet. Der Rest ging dann wirklich schnell von der Hand und nach knapp 1.5 Stunden waren alle Beläge – vorne und hinten gewechselt.

Die sich anschliessende Probefahrt zeigte keine Besonderheiten, das hat wohl geklappt! Die Bremse hat einen eindeutigen Druckpunkt – lässt sich gut dosieren, fühlt sich ganz gut an. Mal sehen ob das Morgen immer noch der Fall ist, wenn ja sollte es sich damit für die nächsten 20.000 Kilometer mindestens erledigt haben.

Die Probefahrt führte durch das Dachauer Hinterland, nach FFB, dann weiter nach Inning, Gilching und zurück. In Summe rund 100 Kilometer, die wirklich Spaß gemacht haben! Schrauberaktion Nummer 1 beendet.

Spaß hat es mal wieder gemacht. Diesmal hatte ich jedoch eine Fee neben mir, die mir geholfen hat. Zumindest bei der einen Schraube – mindestens! Danke.

Routenplanung – für das GPS und das Blog

oder auch: Komm wir machen eine Tour. Aber wie? Mit dem GPS ala eTrex oder einem Navi oder der alten Karte? Egal wie man es plant und später durchführt, der Blogger möchte es im Internet erfassen und darstellen. Andere Motorradfahrer möchten die Tour eventuell nachfahren und möchten zu dem jeweiligen Blogpost eine Karte mit der eingezeichneten Route sehen.

Damit beginnt das Problem und ich konnte es noch nicht zu meiner Zufriedenheit lösen. Das eTrex speichert einen Track mit, der sich leicht exportieren lässt. Das Navi speichert so etwas nicht mit, zumindest kann man aber mit entsprechender Software eine Route planen und diese anschliessend passend exportieren. Beide Varianten gefielen mir und ich begann mit den verschiedenen Darstellungsoptionen zu spielen. Google Maps bietet eine Kartenfunktion, die man zur Darstellung von Tracks verwenden kann. Das eigentliche Vorgehen ist dabei relativ einfach. Ich verwende gerne die Software RouteConverter, lade damit den Track, speichere ihn als Google URL und rufe das Dokument auf. Es öffnet sich ein Webbrowser mit dem Track, ich kopiere den vorgefertigten HTML Code und speichere ihn auf meiner Webseite im Blogeintrag. Fertig!

Ähnlich einfach geht es auch mit Openstreetmap. Aus dem obigen Programm speichere ich die Route (Selbstgezeichnet oder gefahren) als GPX Datei ab, installiere einmalig ein WordPress Plugin und binde die GPX Datei auf der jeweiligen Blogseite ein. Fertig!

Klingt auch einfach – in beiden Fällen habe ich eine zoombare Karte mit der eingezeichneten Route und der Leser kann sich hin- und herzoomen wie er mag. Er kann vergrösseren und -kleinern, eigentlich ist die Welt ganz ok. Aber nur eigentlich, denn beide Varianten benötigen dringend einen Haufen anderer Server zur Darstellung der Karten. Zudem leiten sie den Browser des Benutzers auf andere Seiten anderer Anbieter um,  ich empfinde das ebenfalls unschön. Von einer daraus entstehenden Abhängigkeit mal ganz abgesehen. Liebe OpenStreetMap Entwickler, ich weiss, dass ich alles auch auf meinem Server installieren kann, ich empfinde das jedoch als Overkill.

Bleibt nur noch der Export aus dem Programm in Form eines Bildes. Dort ist alles zu sehen – bei einer langen Tour jedoch alles unleserlich klein. Es scheint also nicht zur Lösung beizutragen.

Aber mal ehrlich, fahre ich eigentlich so…….

Nein, ich bin Kartenfahrer. Ich setze mich an einen Tisch und mit einem Stift in der Hand gleitet meine Hand über die Karte. Schöne Gegenden werden detailliert betrachtet, manchmal wird ein Ort im Internet nachgeschlagen, kurzum – das Vorplanen erfordert oft mehr Zeit als das eigentliche Abfahren der Tourstrecke selber. Wenn ich eine ungefähre Vorstellung habe wo ich hinfahren möchte, nehme ich eine Seite aus meinem Filofax und schreibe die Ort der Reihenfolge nach herunter – mit den Entfernungsangaben natürlich. Es entsteht so etwas wie ein Roadbook.

Daher wird es für solche Touren hier auch nur ein Foto des Filofax Zettels geben – keine digitalen Kartenausschnitte oder anderen Firlefanz. Von schönen Routen, die einfach durchs Fahren entstanden wird es nichts geben – sie sind einfach so entstanden.

Königswasser und eine Runde VFR

Donnerstag! Der Donnerstag nach dem Kauf der VFR und das Wetter machte einen guten Eindruck. Donnerstag ist auch der Tag der Paarhygiene. Das heisst Erlebnisse zu zweit, ein bisschen Zeit füreinander ohne Job, ohne Kinder, einfach so. Fürs Reden – manchmal auch nur für sich, dem Alltag einmal für ein paar Stunden entfliehen.

Da heute der erste Tag nach dem Kauf der VFR war, stellte sich die Frage was wir tun würden. Ich konnte mich Gott sei Dank schnell durchsetzen und wir wollten eine kleine Tour rund um den Starnberger See unternehmen. Pünktlich um 19.00 Uhr waren alle Pflichten erledigt und es konnte losgehen. Es war gleichzeitig auch die erste echte Ausfahrt mit der Sozia auf der VFR. Kurzeinweisung, Probesitzen, einmal Probefesthalten an den Seitenträgern, Ausklappen der Soziarasten, Aufsitzen, Choke ziehen, Anlasserknopf drücken und los.

Dunkel war der Himmel, es waren heftigste Unwetter angekündigt aber noch schien die Sonne. Die Tour sollte uns auf schnellstem Wege über die Autobahn nach Percha bei Starnberg führen. Von dort sollte es entlang des Starnberger Sees nach Süden gehen, via Bernried oder mit einem Abstecher zum Peißenberg. Über den letzten Haken war noch nicht entschieden und wir fuhren erstmal auf die Autobahn. Die VFR muckte kein bisschen bei der erhöhten Last und lenkte ganz sauber in die Kurven. Das Drehen an dem Lautstärkeregler rechts sorgte für ein wenig Highway to Hell Gefühle, bevor es dann auf die Landstraße ging. Bizarre Wolkenformationen begleiteten uns. Mal lag der See im Sonnenschein vor schwarzen Wolken, mal war er selber dunkler als die Nacht. Die ersten Tropfen fielen gegen mein Visier.

Egal, nach wenigen Minuten war alles vorbei und wir waren umgeben von Regenbögen auf einer schnurrenden VFR und absolut menschenleeren Kleinststraßen. Moment, irgendwas ist hier anders! Meine Augen suchten die Instrumente ab – was ist hier anders als eben? Langsames Dahingleiten, nachsehen – AHA, da blinkte die Kraftstoffvorratswarnleuchte (Gruß an die Bundeswehr!). Aber wie lange blinkte die denn da schon? Und wenn ja wieviele Kilometer kann man nun noch fahren? Ein Erlebnis der besonderen Art, welches man nur bei Familienneuzugängen erleben kann. Da ich gerne mit solchen Pannen auf dem ersten Trip liegenbleibe (Hallo Mami! – danke fürs Abschleppen damals!), suchte ich nach einer Tankstelle. Anhalten in einem der Dörfer und fragen. Gut, in 200 Meter hätte sich das alles erledigt gehabt. Wir fuhren die letzten Meter und hielten glücklich die Zapfpistole in den Tank und freuten uns über die geöffnete Tankstelle.

Es sollte immer schwärzer werden, der Regen war schon zu riechen. Umdrehen und zur Autobahn an der Auffahrt Münsing Richtung Heimat abbiegen oder weiterfahren? Die Lösung kam von unserem Tanknachbarn.

“Wo kommt ihr her – ach München, na dann kennt ihr hier ja schon alles. Mein Tipp: Fahrt über Bernried, Feldafing und Possenhofen nach Starnberg und setzt euch da ins Königwasser. Das ist ein Biergarten, Bistro und dort wartet ihr bis alles vorbei ist”.

Kurzer Blick in die Augen, eine gute Idee – Aufgesessen und los. Die VFR schnurrt über die kleinen Alleen dahin, die Doppelscheinwerfer schweissen die Dunkelheit auseinander und brennen sich in den Horizont. Was für ein geiles Licht! Fernlicht an – gleissendes Licht zerreisst die Dunkelheit der Landstrasse, die Motten explodieren im Lichtstrahl, sie müssen nicht einmal zum Licht hinfliegen. Wow! Das kenne ich irgendwie anders von der Domi.

Die Straßen sind mittlerweile nass, scheinbar hatte es hier schon geregnet. Der Belag macht einen glatten Eindruck, ich fahre vorsichtig. Lieber 10 Minuten später ankommen als mit einem Rutscher die Fahrt beenden. Dennoch bleibt der Spaß. Die VFR lässt sich prima mit dem Po rumdrücken, die Bremsen sind wundervoll und es steht immer ausreichend Leistung zur Verfügung. Mit den ersten Sturmböen treffen wir in Starnberg ein und machen uns auf zu dem Wunderbistro.

Wir kommen von der falschen Seite an das Bistro heran. Von hier schaut es eher nach einem Bistro ala “Ich stelle ein paar Tische in eine überdachte Einkaufspassage” aus. Der Biergarten ist stockfinster, wir gehen weiter. Nach ein paar Metern drehen wir wieder um, ich gehe zur Seite und siehe da – das Königswasser kann doch drei – vier gemütliche Tische umgeben von Weinregalen bieten. Ich habe zu dem ganzen Laden überhaupt NULL Vertrauen und bestelle eine Johannisb.-Schorle und eine Rinderkraftbrühe mit Frittaten (Pfannkuchenstreifen). Meine Sozia ist ähnlich skeptisch und bestellt ein Wasser und ein großes Brotzeitbrett mit Hausbrot. Die Bedienung ist reserviert freundlich und draussen toben die ersten Blitze und der erste Wolkenbruch öffnet seine Tore.

Die Suppe kommt schnell, ist heiss und absolut köstlich. Das Brotzeitbrett besteht aus Brot, Schinken (roh, gekocht), Gurken, Essiggurken, Obatzter, Tomaten und wundervollen Frikadellen. Das Brot ist ganz frisch gebacken – für 10,80 Euro reicht die Portion locker für zwei! Unglaublich! Was für eine Wende. Wir lassen es uns herrlich gut gehen, draussen tobt Thor und wütet über dem See.

Irgendwann müssen wir aufbrechen, es regnet immer noch. Wir gehen zur VFR, die uns tropfnass begrüßt. Aufsitzen, Heizgriffe auf Position Start, von der Sozia kommt die Rückmeldung, dass sie bereits komplett nass sei. (Anmerkung: Selber schuld, ich wollte an dem Abend erst zum Louis fahren und eine vernünftige Hose kaufen)

Der Regen wird immer heftiger. Das Sirren der Stirnräder wechselt in der Lautstärke mit dem Zähneklappern der Sozia ab – je nach Drehzahl. An der Ampel höre ich was von “mir ist sooo kalt” von hinten. Verflixt, ich muss unbedingt den Schalter der Heizgriffe finden, ich verbrenne mir hier noch die Pfoten! Ah, da!

Die Gewitter sind links und rechts von uns. Es schüttet aus vollen Eimern, die VFR schneidet sich ihren Weg durch den Regen. Dank der Verkleidung und der großen Tourenscheibe kann ich dennoch etwas sehen, die Lautstärke pendelt zwischen 80 km/h und 100 km/h. Teilweise steht das Wasser hoch auf der Autobahn, lieber noch ein wenig langsamer. Wir kommen zu Hause an, die Sozia springt nur kurz in den Flur, schmeisst die Klamotten in die Ecke und begibt sich in eine heiße Badewanne. Ich hänge lächelnd meine Rukka Klamotten auf, freue mich über Trockenheit und gehe ins Bett.

Was für ein toller Abend mit einem tollen Motorrad.

VFR – oder Familienzuwachs in Rot

Am Wochenende, besser am Samstag 14.05.2011, war es dann soweit – ich konnte die Frage des vorherigen Artikels lösen. Ein neues Familienmitglied betrat die Bühne: eine 1998er Honda VFR 800 RC46/I. Es ist eine unglaubliche Spaßmaschine wie ich bisher erfahren durfte. Sie hängt sauber am Gas, ihr Konstantfahrruckeln suggeriert etwas von: “Gib mal Schub!”.

Nähere Infos gibt es bald, hier sind die ersten Bilder von ihr, weitere werden in Kürze folgen. Bitte entschuldigt den kurzen Eintrag, die VFR ruft gerade nach mir – ich muss mal runter. Bis später!

 

Vernunft oder Leidenschaft

Als ich mir meine Honda Dominator 2010 im Mai kaufte, hatte ich gerade meinen Führerschein gemacht und suchte ein einsteigerfreundliches Motorrad mit wenigen Kilometern auf der Uhr. Die damalige Vorstellung ist einfach in Worte gefasst. Es sollte ein Einzylinder zum “Austoben” werden, der einem nach 1-2 Stunden die Befriedigung gibt Motorrad gefahren zu sein. Die Maschine sollte eine grundlegende Geländefähigkeit mitbringen, der Soziusbetrieb war nicht Fokus. Auch die Tourentauglichkeit war kein besonderes Kriterium. Die damalige Aussage war, dass ich für Touren ohnehin keine Zeit hätte.

Nach knapp einem Jahr stehe ich wieder vor einer Entscheidungsfindung. Ich habe die Domi damals mit 4.500km erworben, jetzt zeigt der Tacho rund 10.500km an. Von den gefahren 6.000km wurden exakt 0 Kilometer im Gelände zurückgelegt, rund 70% des Fahrbetriebs fanden auf kleinen Touren rund um München statt. Der Soziusanteil stieg vollkommen unerwartet an und sollte derzeit bei rund 20% liegen. Zum Stichwort Befriedigung durch Einzylinder kann ich nur sagen: es stimmt. Ein blubbernder Eintopf befriedigt. Das gnadenlose Reissen an der Kette, der Sound im Tunnel beim Beschleunigen und der Sound beim Anbremsen auf Kurven im Schiebebetrieb können süchtig machen. Das ist kein Vergleich zur Fahrschul CBF 600, die sich total kultiviert und mit gutem Nähmaschinen Sound gab.

Weitere Emotionen sind gefragt, Aussehen – Liebe zur Technik und was noch? Der Tourenanteil wird in 2011 noch einmal deutlich ansteigen. Wir waren gerade 2 Tage unterwegs, vor Pfingsten werden es weitere 5 Tage werden und auch im späteren Verlauf des Sommers kann da durchaus noch was gehen.
An meiner Domi störte mich vor allem die fehlende Möglichkeit Gepäck unterzubringen. Ich gebe zu, dass dies auch nie so geplant war, es führt aber letztlich zum eigentlichen Punkt.

Ist es Zeit für ein neues Motorrad?

Einen gewissen Hang zur Nostalgie hatte ich schon immer. Bewährt sollte das neue Gefährt sein und derzeit sind zwei Modelle in der engeren Wahl. Honda CB Sevenfifty oder Honda VFR 800. An der CB Sevenfifty schätze ich das Aussehen, den Retrolook, der einen ganz besonderen Charme verbreitet. Sie scheint unendlich zu laufen, scheint vollkommen unkaputtbar zu sein und verfügt über eine gute Ersatzteil Versorgung. Es klingt alles sehr vernünftig wenn man zu sich sagt: “Ich möchte Honda CB Sevenfifty fahren.”
Aber so klingt das eben nur – da schwingen keine Emotionen mit, kein Herzkribbeln und auch wenig besondere Vorstellungen. Ein Naked Bike – wie unspannend. Wer in der Kombination des Modells mit dem Stichwort “Scheibe” oder “Verkleidung” nach Bildern bei Google sucht, sollte einen stabilen Magen mitbringen. Was dort an Hässlichkeiten angegezeigt werden, lässt sich nur schwer beschreiben. Ich möchte dem Leser hier die Bilder ersparen.

Ein anderes Modell von Honda hingegen füllt meine Stimme derzeit mit Leidenschaft. Eine kurze Testrunde brachte einen ersten Geschmack, nächste Woche werde ich das Modell hoffentlich auf einem kleinen abendlichen Ausflug fahren dürfen. Das Zaubermodell heisst: Honda VFR 800 RC46/I. Diese VFR ist ein Motorrad mit unzerstörbarem V4 Motor. Sanft summend im unteren Drehzahlbereich, dann röhrend und später fauchend. Knapp um die 100 PS zerren an der Kette und reiben das Gummi auf die Strasse. Es ist ausreichend Platz zum Sitzen vorhanden – sie ist rot.

Kurzum – ich bin verliebt.

Sollte man da auf seinen Verstand hören oder dem Kribbeln im Bauch vertrauen?