Tour: Auf nach Füssen!

Es ist kalt draussen, danke – dass weiss ich selber. Aber da ich gerade Strohwitwer bin und die Liebste samt Kind ausgeflogen ist, hatte ich am Wochenende frei. Lediglich Katze und AuPair (letzteres weniger) wollten betreut werden. Nach einer kurzen Abstimmung mit dem AuPair war klar wer wann die Katze zu füttern hatte und dann konnte am Samstag die Tour losgehen. Die Domi war schon vor einigen Wochen aus dem Winterschlaf geweckt worden, es konnte also direkt losgehen.

Eine genaue Vorstellung wo es hingehen sollte hatte ich nicht, Füssen soll ganz schön sein, auf dem Weg dorthin soll es schöne kleine Strassen mit wenig Verkehr geben. Gesagt getan. Ein Blick in die Generalstabskarte förderte landschaftlich schöne Strecken hervor, die auch toll mit dem Motorrad zu befahren sind. Viel zu spät am Samstag ging es los. Dies lag auch am Wetter, es war diesig und hochnebelig. Im Dunst wollte ich dann auch nicht fahren und fuhr gegen mittags los, was jedoch mindestens 3 Stunden zu spät war wie sich später herausstellen sollte.

Die ersten Kilometer sollte es über die Autobahn gehen, ich wollte los und wollte nicht lange Zeit mit dem Ausfahren aus München vertrödeln. Unterwegs musste ich einmal anhalten und meine ach so gepriesenen Sommerhandschuhe gegen solide Winterhandschuhe tauschen. Irgendwie war es dann doch zu frisch geworden, trotz der Handprotektoren, die doch erheblich den Wind abhalten. An der Abfahrt Greifenberg ging es runter von der A96 und die Landstrasse hatte mich wieder. Die Fahrt nach Utting ist vollkommen unspektakulär verlaufen, es gibt nicht viel zu sehen. Die Strecke nach Diessen konnte schon ein wenig mehr bieten. Danach wurde es einsam und still – die Straßen wurden immer kleiner und enger, nur selten kam mir ein Auto entgegen. Das Wetter war mittlerweile einmalig – aber kalt. So richtig wollte ich nicht am Kabel ziehen, da ich den Temperaturen misstraute. Dennoch, so langsam kamen all die Gefühle wieder auf und erinnerten mich was Motorradfahren ausmacht. Kurven, klein und winklig. Es muss nicht immer schnell vorangehen, es macht auch langsam Spaß. Viele der Kurven waren nicht schneller als mit 40 zu durchfahren, 50-100 Meter Anlauf für die nächste Kurve und von vorne. Der zweite Gang passte bei gemässigter Fahrweise ganz prima und es wedelte sich so durch die Kurven. Geil! Der eine Abschnitt kurz vor Apfeldorf war unglaublich schön, ich drehte um und fuhr den Abschnitt einfach nochmal. Noch einmal geniessen – Landschaft, Hügel, Kurven, Strassen – das Ziehen der Domi, das Zupfen an der Kette, das *puff* *puff* *puff* beim Anbremsen.

Vor Apfeldorf dann das „hallo wach“ Erlebniss, Vollsperrung. Es war nur ein Faschingsumzug, dennoch ist es ein komisches Gefühl wenn man auf einen austrassierten Bereich zufährt, eine rote Kelle geschwungen wird und man gebeten wird rechts ranzufahren. Nachfolgend konnte ich den Faschingsumzug geniessen, schmunzeln und bekam dankenswerterweise von einer der Zuschauergruppen einen Kaffee angeboten („weil es so kalt ist, nehmen sie gleich noch einen“) und tolle Streckentipps. Ich werde wiederkommen!

Dann ging es weiter nach Schongau, Füssen und damit in den Nebel. Die Fotos von der Domi sind in Füssen entstanden, es war alles diesig. Schade – heisst nochmal wiederkommen. Den gleichen Weg zurück wollte ich nicht, ich entschied mich über Reutte in Österreich in Richtung Innsbruck zu fahren, um dann nach links über Garmisch nach Hause zu fahren. Es war viel Verkehr und es wurde irgendwann dunkel. Mit dem Teelicht, welches vorne bei mir verbaut ist, hatte ich extrem schlechte Sicht und konnte nur sehr sehr wenig erkennen. So blieb mir letztlich nur noch das Geschleiche nach Garmisch über. Mittlerweile wurde es eisig kalt und ich wollte nur noch nach Hause. Glücklich erreichte ich irgendwann die Schnellstraße in Richtung Autobahn München. Die nächste Raststelle wollte ich für einen heissen Kaffee nutzen, also rechts an der Rolle drehen und mit 130 km/h über die Bahn Richtung Heimat. Normalerweise fährt die Domi diese Geschwingkeit nicht dauerhaft, da sie sonst zu heiss wird – bei -6 Grad ging das jedoch problemlos. Die einzige Raststätte ist kurz vor München, egal – es ging gar nichts mehr – raus und aufwärmen! Wie schön es doch ist wenn man lauwarmes Wasser über die Hände laufen lassen kann. Ganz langsam kommt das Gefühl in den Fingern wieder und die Schmerzen lassen nach. Als Trockener war ein AirWolf Modell verbaut. Ich mag die Dinger nicht, sie trocknen die Hände nicht sonst erzeugen ausser einem Höllenlärm keinen Mehrwert. Diesmal sollte das jedoch anders sein – es kam warme Luft aus dem Gerät. Und wie! Ich liess die Luft in die Ärmel pusten, in den Nacken – drehte mich verstohlen um. Es war keiner ausser mir da, kurz entschlossen öffnete ich wieder die Rukka Hose und trat beherzt einen weiteren Schritt nach vorne.

<Gedankenpause….>

Der Luftstrom war so stark, dass er bis zum Stiefel herunterreichte, die dann auch gewärmt wurden. Nach weiteren einsamen Minuten voller Wärme suchte ich dann die Raststätte für einen Kaffee auf.

Nach 20 Minuten war ich dann einigermaßen aufgetaut und konnte die restlichen Kilometer nach Hause fahren.

Fazit: eine noch kühle Tour – aber schön war es! Schön war es die Domi rappeln zu hören, durch die Gegend zu gleiten und ein bisschen zu entspannen. Nächstes Wochenende bin ich noch mal alleine, da geht es wieder los – diesmal nicht so weit und mit ein bisschen mehr schauen.

Wegstrecke: München – Utting – Diessen – Schongau – Füssen – Garmisch – München

Achtung – die Karte überdeckt die Bilder beim Vergrößern. Einfach die Bilder bis zum unteren Rand scrollen, so dass die Karte noch nicht zu sehen ist, dann funktioniert alles.


Karte:

4 Gedanken zu „Tour: Auf nach Füssen!“

  1. Echt? Ist das nicht ein ziemlicher Akt die einzubauen? Sowas macht man doch vermutlich (Achtung auch schlecht) im Sommer mit gewärmten Händen, oder?

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